Streit mit Türkei Größter Abnehmer sind die Bewohner des Kalifats

Größter Abnehmer für das in improvisierten Anlagen verarbeitete Öl sind die nach UN-Schätzungen acht Millionen Menschen, die im Gebiet des Kalifats leben. Der IS ist darauf bedacht, die Versorgung mit Treibstoffen oder Elektrizität zu gewährleisten; seit dem Sommer muss der IS auch Gebiete in Irak aus den syrischen Quellen versorgen. Zudem sind Menschen aus Rebellen-Gebieten im Norden und Westen Syriens darauf angewiesen, beim IS Treibstoff zu kaufen - auch wenn man gegeneinander kämpft. Denn das Regime schneidet sie von der Versorgung ab.

Steuern und Schutzgeld sind für den IS inzwischen wichtiger

Syriens Regierung kann dank großer Öllieferungen und Kredite aus Iran den Bedarf über die Raffinerie in der Hafenstadt Baniyas decken - doch auch Syrien kauft beim IS. Im März setzte die EU deshalb sieben Syrer im Dienst des Regimes auf ihre Sanktionslisten, die USA fügten jüngst einen Unternehmer hinzu, der für Assad solche Geschäfte eingefädelt haben soll.

Für den IS haben inzwischen Gebühren, Steuern und Schutzgeld, von US-Beamten auf 800 bis 900 Millionen Dollar pro Jahr geschätzt, weit größere Bedeutung. Der Ölschmuggel in die Türkei und durch die Provinz Anbar nach Irak verliert dagegen an Bedeutung: Weltmarktpreise von knapp über 40 Dollar pro Barrel machen das Geschäft kaputt, müssen doch korrupte Grenzer und Soldaten an Kontrollpunkten bestochen werden, um mit Öl aus dem Kalifat durchzukommen. In dessen Gebiet wiederum sind die Sprit-Preise sprunghaft gestiegen seit dem neuen Bombardement. Der Winter steht bevor. Damit wächst die Nachfrage. Viele Menschen, die es sich nicht ausgesucht haben, unter der Knute des IS zu leben, müssen befürchten, dass sie bald frieren und keinen Strom mehr haben werden.

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