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Serbien und der Erste Weltkrieg: Missglückter Entlastungsversuch

Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajewo, 1914

Erzherzog Franz Ferdinand, mit seiner Frau Sophie und der Landeschef der österreichischen Provinz Bosnien, General Oskar Potiorek (vor dem Erzherzog), am 28. Juni 1914 in Sarajewo. Wenig später sind der österreichische Thronfolger und seine Frau tot.

(Foto: Süddeutsche Zeitung Photo)

100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges feiert nicht nur der serbische Filmemacher Emir Kusturica den Brief eines österreichischen Militärs, der angeblich den Waffengang Wiens vorwegnimmt - und damit Belgrad entlastet. Doch die Sache hat einen Haken.

Wer hat Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor bald 100 Jahren? Die Frage beschäftigt Historiker nun schon seit Generationen. Fakt ist, dass es damals Kriegstreiber in allen Hauptstädten der europäischen Großmächte gab und in Berlin Wilhelm II., den flatterhaften wie militärverliebten deutschen Kaiser.

Fakt ist auch, dass Franz Joseph I. von Österreich-Ungarn den Glanz seines Reiches mit der Expansion auf dem Balkan aufpolieren wollte. Ähnliches, nur eine Nummer kleiner, hatten auch die Serben im Sinn. Auch deshalb waren sich Wien und Belgrad schon vor 1914 spinnefeind.

Serbien mag nicht mehr mitschuldig sein

Am 28. Juni jenes Jahres starb der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand durch die Pistolenkugel des serbischen Nationalisten Gavrilo Princip. Der greise Habsburger-Kaiser in Wien fackelte nicht lange. Ein Monat später war es mit dem Frieden vorbei. Der Kriegserklärung der Österreichs an Serbien folgten Bündnismechanismen - ein furchtbarer Dominoeffekt. Binnen weniger Tage befanden sich alle Großmächte Europas im Krieg.

Halt, so war es nun doch nicht ganz, schallt es dieser Tage aus Belgrad. Serbien ist es leid, als Mitverursacher des Ersten Weltkriegs zu gelten. Das hat die Staats- und Regierungsspitze wiederholt klargemacht.

Pünktlich zum Jubiläumsjahr will Belgrad die Wahrheit zum Kriegsausbruch vorlegen - seine Wahrheit. Der international renommierte serbisch-bosnische Regisseur Emir Kusturica hat als Vorsitzender des serbischen Vorbereitungskomitees zum 100. Jahrestag des Weltkriegsausbruchs sich der Causa angenommen.

Er will dazu einen Dokumentarfilm drehen, kündigte er nun an. Dazu präsentierte er ein Dokument aus dem Belgrader Staatsarchiv, das angeblich Sensationelles enthält: Die historische Entlastung Serbiens.

Kopfschütteln bei internationalen Forschern

Es handelt sich um einen Brief des damaligen österreich-ungarischen Gouverneurs in Bosnien, Zeugmeister Oskar Potiorek, der sowohl das Militär, als auch die Zivilverwaltung in dem Landstrich kontrollierte. Der ehrgeizige Offizier Potiorek schrieb an den österreichisch-ungarischen Finanzminister Leon Bilinski am 28. Mai 1913 den besagten Brief.

Darin werde deutlich, dass das Habsburger-Reich bereits ein Jahr vor Kriegsbeginn die große militärische Auseinandersetzung geplant habe, so erklärten es zumindest serbische Historiker. "Das ist unsere Antwort auf den Versuch, die Geschichte umzudeuten", begründete Filmemacher Kusturica den Schritt.

Die serbischen Medien jubelten. "Die Österreicher haben den Ersten Weltkrieg ein Jahr vor dem Mord an Ferdinand geplant" und "Wien hat schon 1913 den Krieg geplant", titelten die beiden größten Zeitungen Novosti und Blic. "Wir sind nicht schuld am Krieg. Potiorek hat den Schlag gegen Serbien ein Jahr vor dem Attentat geplant", ging Telegraf noch einen Schritt weiter.

Der Brief sei "eine Primärquelle und eine der bedeutendsten Quellen zur Erforschung der Kriegsschuldfrage", behauptete Archiv-Direktor Miroslav Perisic. Allerdings sei er bisher von allen "revisionistischen Historikern totgeschwiegen" worden, weil sie sonst die Auslösung des Weltkrieges nicht auf "Serbien und Russland" abschieben konnten.

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