Fotografie im Ersten Weltkrieg Weltenbrand in Farbe

Zu Zeiten des Ersten Weltkriegs war die Welt noch schwarz-weiß oder bestenfalls koloriert. Dabei gibt es echte Farbbilder aus jener Epoche. Doch sie wirken heute fast unnatürlich.

Von Peter Walther

In der Wahrnehmung der heute lebenden Menschen haben die Weltkriege des 20. Jahrhunderts in Schwarz-Weiß stattgefunden. Zwar wird für moderne Geschichtsdokumentationen mittlerweile historisches Filmmaterial am Computer nachkoloriert, doch zeigen diese Bilder nicht die Wirklichkeit. Kritiker wenden zudem ein, die Bildkomposition werde dadurch verfälscht und das Gleichgewicht der Schwarz-, Weiß- und Grautöne zerstört, was den Kunstcharakter des Films verrate und eine falsche Rezeptionshaltung erzeuge. Dabei war das Kolorieren auch vor hundert Jahren üblich. Das bis in die 1920er-Jahre hinein am stärksten verbreitete farbige Bildmedium war die Postkarte. Doch wo auf blassblauem Himmel rosa Wölkchen schweben, liegt ein ordinäres Schwarz-Weiß-Bild zugrunde.

Auch beim Film wurde bereits kurz nach der Jahrhundertwende mit Farbe experimentiert. Üblich waren neben der extrem aufwendigen Einzelbild-Kolorierung die Verfahren monochromatischer Tonung oder Virage ganzer Sequenzen. Die Farbe diente als dramaturgisches Mittel: Blau stand für die Nacht, Grün für die Natur und Rot für die zumindest teilidentischen Szenarien Liebe und Gefahr. Doch lässt sich auch ein authentisches Farbbild der Epoche gewinnen? Gibt es aus der Zeit des Ersten Weltkriegs auch echte Farbfilme und Farbfotos?