Trauerfeier im Bundestag:Macron erinnert auf Deutsch an Schäubles Engagement für Europa

Trauerfeier im Bundestag: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat den verstorbenen CDU-Politiker Wolfgang Schäuble in einer Rede gewürdigt.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat den verstorbenen CDU-Politiker Wolfgang Schäuble in einer Rede gewürdigt.

(Foto: Liesa Johannssen/Reuters)

Mehr als 50 Jahre lang saß der CDU-Politiker im Bundestag und hat sich stets auch für Europa eingesetzt. Bei einem Staatsakt sprachen Bärbel Bas, Friedrich Merz und der französische Präsident über den Verstorbenen und sein politisches Vermächtnis.

Von Nadja Lissok

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas hat die Ehre, die Trauerfeier für Wolfgang Schäuble (CDU) zu eröffnen. "Deutschland verliert einen großen Demokraten und Staatsmann, und Frankreich einen besonderen Freund", sagt sie und erinnert an den "Architekten der deutschen Einheit" und den "vollendeten Staatsdiener". Er sei mit 51 Jahren als Abgeordneter eine Instanz über Parteigrenzen hinweg gewesen. Bas denkt zurück, an seine legendäre Parlamentsrede 1991 zur Frage, ob der Bundestag nach Berlin umziehen solle. Schäuble galt als einer der wichtigsten Stimmen für Berlin. Generell sei er bis zuletzt ein guter Redner gewesen.

Mit einem Trauerstaatsakt und einem Gottesdienst nimmt die Politik in Berlin Abschied vom früheren Bundestagspräsidenten Schäuble. Neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sitzt auch Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) im Publikum. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ist vor Ort. Zuvor wurde im Berliner Dom ein Gottesdienst gefeiert.

Der nächste Redner nach Bas ist Schäubles langjähriger Wegbegleiter und einer seiner Nachfolger als Fraktionsvorsitzender, Friedrich Merz. Er beginnt seine Rede mit einer persönlichen Anekdote über Schäubles Fußballleidenschaft und sagt: "Es ist eine Ironie der Geschichte, dass wir in diesen Tagen Abschied von Wolfgang Schäuble und Franz Beckenbauer nehmen, zwei prägenden Männer Deutschlands". Er lobt Schäubles "uneitele Bescheidenheit" und betont, dass niemand so viele Regierungs- und Kanzlerwechsel im Bundestag miterlebt hat, wie er.

Der internationale Gast Emmanuel Macron spricht als letzter der insgesamt drei Redner und bekommt am Ende für seine teils auf Deutsch gehaltene Rede stehenden Applaus. "Deutschland hat einen Staatsmann verloren. Europa hat eine Säule verloren. Frankreich hat einen Freund verloren", sagt Macron. Er bezieht sich auf die deutsch-französische Freundschaft als Motor Europas und hebt Schäubles zentrale Rolle darin vor. Er zitiert den Verstorbenen mit den Worten: "Nur wenn Deutschland und Frankreich an einem Strang ziehen, können schwierige Fragen gelöst werden." Der französische Präsident endet mit "Es lebe Europa! Es lebe die deutsch-französische Freundschaft!"

Wolfgang Schäuble gehörte 51 Jahre dem Bundestag an und war darüber hinaus in seiner politischen Karriere auch Bundesminister, Partei- und Fraktionschef. Er war am Zweiten Weihnachtsfeiertag im Alter von 81 Jahren gestorben und wurde am 5. Januar in seiner Heimatstadt Offenburg beigesetzt.

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