bedeckt München 25°

Russischer Bericht zum Kaczynski-Absturz:Der Schatten von Smolensk

Der russische Bericht zum Absturz der Maschine von Polens Präsident Kaczynski gibt dem Piloten und seinem betrunkenen Chef die Schuld. Das Papier zeigt, wie schlecht die vielbeschworene Kooperation beider Länder in Wahrheit ist.

Thomas Urban

Der russische Untersuchungsbericht über den Absturz der polnischen Präsidentenmaschine bei Smolensk vor neun Monaten hat erwartungsgemäß dem Piloten und seinen Vorgesetzten an Bord die Schuld gegeben.

File photo of Russian serviceman standing guard near part of the wreckage of a Polish government Tupolev Tu-154 aircraft that crashed near Smolensk airport

Nach dem Absturz der polnischen Präsidentenmaschine beschworen die Regierungen in Moskau und Warschau wiederholt ihre exzellente Zusammenarbeit. Jetzt zeigt sich, dass es damit nicht so weit her ist.

(Foto: REUTERS)

Ebensowenig überraschte es die polnischen Experten, dass der Bericht nur dürre Informationen über das Verhalten der Smolensker Fluglotsen enthält. So bleibt die Frage unbeantwortet, warum sie wegen des dichten Nebels die anfliegende Maschine nicht zum Abdrehen aufgefordert oder den Flughafen ganz geschlossen haben.

Eines ist sicher: Der Bericht stellt die polnische Öffentlichkeit nicht zufrieden. Auch hat er offenbar werden lassen, dass es mit der exzellenten polnisch-russischen Zusammenarbeit, die beide Führungen zuletzt wiederholt beschworen haben, nicht so weit her ist. Nicht ohne Grund hat der polnische Premier Donald Tusk nach Erhalt des Berichtes seinen Skiurlaub abgebrochen. Denn vor allem er steht nun unter Beschuss.

Ihm wird vorgeworfen, nicht auf einer polnisch-russischen Untersuchungskommission bestanden zu haben. Auch steht wieder die Frage im Raum, warum Präsident Lech Kaczynski nicht an der offiziellen Gedenkfeier zum 70. Jahrestag des Massakers von Katyn am 7. April teilnahm und deshalb mit einer eigenen Delegation drei Tage später selbst noch an diesen symbolischen Ort fliegen wollte.

Hier sieht sich Tusk dem schwerwiegenden Vorwurf ausgesetzt, ihn letztlich aus wahltaktischen Gründen im Zusammenspiel mit dem russischen Premier Wladimir Putin ausgebootet zu haben. Es spricht nun alles dafür, dass das Unglück von Smolensk seinen düsteren Schatten auch auf das polnische Wahljahr 2011 werfen wird.

© SZ vom 13.01.2011/jab
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB