Großbritannien:Der royale Pudding wackelt

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Bald beginnen die viertägigen Feierlichkeiten zum Thronjubiläum der Queen. Die Briten widmen sich den Vorbereitungen ähnlich leidenschaftlich wie der Frage, was eigentlich nach der Queen kommt.

Von Michael Neudecker, London

Großbritannien: Wer ist beliebter im Königreich? Prinz William, Liverpools Trainer Jürgen Klopp oder Mannschaftskapitän Jordan Henderson (von links)?

Wer ist beliebter im Königreich? Prinz William, Liverpools Trainer Jürgen Klopp oder Mannschaftskapitän Jordan Henderson (von links)?

(Foto: Ian Walton/dpa)

Prinz William ist ein zurückhaltend auftretender, anständiger und eigentlich ganz sympathischer 39-Jähriger mit der Frisur eines 59-Jährigen. Er ist die Nummer zwei der Thronfolge, zusammen mit seinem Vater Charles ist er die Zukunft der britischen Monarchie. In der Gunst der meisten Royalisten liegt er laut Umfragen vor Charles. Wo William in der Gunst von Fußballfans liegt, wurde bislang nicht meinungswissenschaftlich erforscht, aber das ist auch gar nicht nötig, denn es gehört zum Charakter des Fußballfans, seine Meinung oft unmittelbar und laut von sich zu geben. Am Samstag, beim FA-Cup-Finale im Londoner Wembley-Stadion, als William auf dem Rasen jedem einzelnen Fußballer des FC Liverpool und des FC Chelsea per Handschlag viel Glück wünschte, buhten ihn die Fans des FC Liverpool inbrünstig aus.

Buhrufe für die Royals - ausgerechnet jetzt!

Nun sind die Fans des FC Liverpool nicht unbedingt repräsentativ für die Bevölkerung des Vereinigten Königreichs, die Monarchie ist nirgends so unbeliebt wie im politisch linken Liverpool. Das geht so weit, dass die Fans auch dann buhen und pfeifen, wenn die Nationalhymne gesungen wird, "God save the Queen". Sie haben das auch schon getan, als die Queen noch keine 96-jährige Frau mit Gehstock war, und doch lösen Momente wie jener am Samstag inzwischen eine gewisse Nervosität bei den Royalisten aus. Manche Sonntagszeitungen schrieben auf der Titelseite über ihre Wut auf die Buhrufe - ausgerechnet jetzt. So kurz vor dem großen Ereignis.

Ganze vier Tage dauern die Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Thronbesteigung der Queen, vom 2. bis 5. Juni, inklusive zweier eigens ausgerufener Feiertage. Es beginnt mit der Parade "Trooping the Colour" am Donnerstag, gefolgt von einem Gedenkgottesdienst in der St.-Pauls-Kathedrale am Freitag, dem Pferderennen in Epsom am Samstag und einem bunten, karnevalhaften Umzug am Buckingham-Palast am Sonntag. Dazwischen finden diverse Konzerte und Partys statt, am Sonntag werden außerdem in vielen Siedlungen Straßenfeste gefeiert, für die man via Online-Formular eine Straßensperre bestellen konnte.

Die Vorbereitungen auf all das laufen seit vielen Wochen, das Land freut sich auf diese vier Tage im Juni, daran gibt es keinen Zweifel. Feiertage und Straßenfeste, was kann daran falsch sein? Es gibt sogar ein offizielles Dessert zum Fest: Unter 5000 Bewerbern wurde vor ein paar Tagen eine Zuckerbombe aus Schaumrollen, Zitrone und Amaretti zum "Platinum Pudding" gekürt.

Angeblich wünscht sich mehr als ein Viertel der Briten ein Ende der Monarchie

Andererseits: In einer Ende vergangener Woche veröffentlichten Umfrage des Instituts Yougov für die Anti-Monarchie-Bewegung "Republic" wünscht sich mehr als ein Viertel der Briten ein Ende der Monarchie, bei den unter 25-Jährigen sind es gar 40 Prozent. Die Republikaner sind zwar seit einiger Zeit vergleichsweise schweigsam im Königreich, wohl auch aus Respekt vor Elisabeth II. und ihrem Alter, aber man wird den Eindruck nicht los, dass sich die Briten der Frage nach der Zukunft der Monarchie in diesen Tagen ähnlich leidenschaftlich widmen wie den Vorbereitungen auf das Fest.

Die Sache ist komplex, dazu noch eine Zahl. Yougov misst regelmäßig die Popularität von berühmten Personen, Prinz William kommt da auf einen beachtlichen Wert von 66 Prozent. Das sind ganze 22 Prozent mehr als der von Liverpools Trainer Jürgen Klopp.

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