Obama und Romney im US-Wahlkampf Kraftakt auf den letzten Metern

Flugmeilen sammeln für Fortgeschrittene: Am letzten Wochenende vor der Präsidentschaftswahl reisen Obama und Romney zwischen den umkämpften Bundesstaaten hin und her, um die Wechselwähler zu gewinnen. Der Amtsinhaber profitiert vom "Sandy"-Bonus, guten Arbeitsmarkzahlen und überraschenden Wahlempfehlungen. Dass ausgerechnet Wirtschafts-Fachleute den Präsidenten favorisieren, stellt Romney vor Probleme.

Von Johannes Kuhn

US-Präsident Obama nahm am Donnerstag den Wahlkampf wieder auf (hier bei einer Veranstaltung im US-Bundesstaat Colorado). Das letzte Wochenende vor der Wahl nutzen die Kandidaten für letzte Besuche in den wichtigen Wechselwähler-Staaten.

(Foto: AFP)

Wirbelsturm Sandy ist vorübergezogen, nun drängen die Wahlkämpfer zurück in die Schlagzeilen: Am letzten Wochenende vor den Präsidentschaftswahlen wollen beide Kandidaten mit aller Macht die unentschlossenen Wähler auf ihre Seite ziehen. Obwohl er während der Sturmkrise auf Wahlkampfauftritte verzichtete, geht US-Präsident Barack Obama politisch gestärkt aus der Naturkatastrophe hervor.

Seinen Part im Krisenmanagement absolvierte Obama ohne Fehler, was ihm auch das Lob des republikanischen Gouverneurs von New Jersey, Chris Christie, einbrachte. Auch die Arbeitsmarktzahlen sprechen für ihn: Die Arbeitslosenquote stieg im Oktober zwar leicht auf 7,9 Prozent. Doch es wurden 171.000 neue Jobs geschaffen, das sind viel mehr als in den vergangenen Monaten und deutlich mehr als erwartet.

Am Donnerstag gab dann auch überraschend der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg seine Wahlempfehlung für Obama ab. Dabei soll sich Bloomberg, der einst von den Demokraten zu den Republikanern wechselte und nun parteilos ist, im kleinen Kreis häufiger abfällig über den Präsidenten geäußert haben.

Weil New York City sowieso fest in der Hand der Demokraten liegt, ist die Empfehlung eigentlich nicht von größerer Bedeutung. Doch die Aussagen erhielten im Rahmen der Berichterstattung über Hurrikan Sandy auch national große mediale Aufmerksamkeit. Zudem gilt Bloomberg als äußerst wirtschaftsfreundlich, was eher für Romney gesprochen hätte. Die Macher des wirtschaftsliberalen Eliten-Blatts Economist legten ihren amerikanischen Lesern ebenfalls zähneknirschend die Wiederwahl des Amtsinhabers nahe und schrieben: "Der Extremismus seiner Partei ist Mitt Romneys größtes Handicap."

Nicht nur diese Empfehlungen versetzen Herausforderer Romney in den vergangenen Tagen einen kleinen Dämpfer. Seine einst vorgeschlagenen Kürzungen bei der Katastrophenschutzbehörde Fema wurden während des Wirbelsturms für ihn zum Problem, zudem stagniert er in Umfragen. In vielen Wechselwähler-Staaten liegt der Abstand der beiden Kandidaten allerdings weiterhin innerhalb der statistischen Fehlergrenze. Das Rennen ist offen.

Bis Montagabend haben sich Obama ein kräftezehrendes Reiseprogramm auferlegt, um in den umkämpften Bundesstaaten Präsenz zu zeigen. Die Demokraten konzentrieren sich auf den eher urbanen Nordosten, die Republikaner auf den Süden und die ländlichen Gebiete. Hier die Reiseroute der Widersacher im einzelnen:

[] Am Freitag sind beide Kandidaten in Ohio unterwegs, dort werden sie wahrscheinlich auch die aktuellen Arbeitsmarktzahlen kommentieren. Häufig gab das Ergebnis im industriell geprägten Ohio den Ausschlag zugunsten konservativer Kandidaten - noch nie konnte ein Republikaner Präsident werden, der Ohio verlor.

Romney macht an diesem Tag auch noch einen Abstecher nach Wisconsin. Dort führte Obama lange Zeit in Umfragen deutlich, obwohl in Paul Ryan der Vize-Kandidat des Herausforderers aus diesem Staat kommt. Inzwischen hat der Republikaner aber aufgeholt und versucht, neben persönlichen Auftritten auch mit einer letzten Wahlwerbespot-Offensive bei örtlichen TV-Sendern noch Stimmen zu sammeln. Immerhin werden in Wisconsin zehn Wahlmänner vergeben.