New Jerseys Gouverneur Chris Christie Der Parteifreund wird zum Problem

Ausgerechnet ein Republikaner ist Obamas bester Wahlkämpfer: Gouverneur Chris Christie geht mit dem US-Präsidenten auf Tour durch New Jersey und lobt ihn in den höchsten Tönen. Romneys Wahlkämpfer vermuten dahinter Kalkül. Das politische Schwergewicht strebt offenbar nach Höherem.

Von Michael König

Chris Christie ist seit 2010 Gouverneur von New Jersey. Der Wirbelsturm "Sandy" hat den US-Bundesstat heftig getroffen. Christie dankte Obama für seine Hilfe.

(Foto: AFP)

Wenn Mitt Romney Spenden sammelt, dann üblicherweise für seine Wahlkampfkasse. Doch im Angesicht des Sturms Sandy sammelt der Republikaner für andere Menschen. In Ohio brachten ihm die Bürger Lebensmittel und Fernsehgeräte für Opfer des Hurrikanes. Wo denn die Not am größten sei, wollten Reporter wissen. "Ich glaube in New Jersey", sagte der Präsidentschaftskandidat.

Tatsächlich hat es den Bundesstaat heftig erwischt. Die berühmte Küste ("Jersey Shore") ist verwüstet, 2,5 Millionen Menschen sind ohne Strom. Aber politische Beobachter interpretieren die Aussage anders: New Jersey könnte auch einen Notfall für Romneys Kampagne bedeuten. Ausgerechnet ein Parteifreund bringt ihn dort mit seinen Aussagen in Schwierigkeiten.

Der republikanische Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, schwärmt seit Tagen öffentlich von der Führungsstärke Barack Obamas. Der Präsident habe sich "großartig", "wundervoll" und "verdienstvoll" verhalten, sagte Christie in diverse TV-Kameras. An diesem Mittwoch wollen Christie und Obama zu einer gemeinsamen Tour aufbrechen, um die Schäden zu begutachten, die Sandy hinterlassen hat.

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Schneise der Zerstörung

Für Romney bahnt sich ein PR-Desaster an. Zwar gilt New Jersey nicht als wahlentscheidender swing state, Umfragen deuten dort klar auf einen Sieg Obamas hin. Doch die Fotos des Präsidenten als tatkräftiger Krisenmanager werden im ganzen Land Verbreitung finden. Schon jetzt tut sich die Romney-Kampagne schwer, angemessen auf die Sandy-Krise zu reagieren. Die zu Spendengalas umgewidmeten Wahlkampfauftritte wirken im Vergleich zu Obama eher kleinlich.

Der Haussender Fox News versuchte es mit Schadensbegrenzung und bat Christie, etwas zu einer möglichen Tour von Romney durch New Jersey zu sagen. Der Gouverneur antwortete schroff: "Davon weiß ich nichts und es interessiert mich auch nicht." Er habe "einen Job zu erledigen", der weit über den Wahlkampf hinausgehe.

Für solche Aussagen lieben ihn nicht nur Republikaner. Christie, 1962 geboren, gelernter Jurist, arbeitete lange als Bundesstaatsanwalt, ehe er 2010 Gouverneur von New Jersey wurde - und eine achtjährige Herrschaft der Demokraten beendete. Schlagzeilen machte er fortan mit einem knallharten Sparkurs und markigen Worten.

"Zur Hölle, bewegt eure Hintern weg vom Strand!", rief er den Bürger zu, als 2011 der Hurrikan Irene auf New Jersey zurollte. Als Sandy nun auf den Bundesstaat traf, verkündete Christie bei Twitter, er werde Halloween per Verordnung verschieben lassen, sollte es für "Süßes oder Saures" auf den Straßen noch zu unsicher sein.

Christies hemdsärmeliger, bisweilen ungehobelter Stil erinnert an Boris Johnson, den Bürgermeister von London, der in der Gunst vieler Briten mittlerweile höher steht als Premier David Cameron. Bei Christie und Romney verhält es sich ähnlich.