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Obama nach dem TV-Duell:"Das war nicht der wahre Mitt Romney"

Barack Obama schlägt zurück: Nach seinem miserablen, mutlosen Auftritt beim ersten TV-Duell greift der Präsident seinen Herausforderer frontal an und gerät damit in Gefahr, als schlechter Verlierer dazustehen. Mitt Romney gibt sich dagegen souverän, entschuldigt sich sogar für seine "47-Prozent-Aussage".

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Barack Obama bei seinem Wahlkampfauftritt an der University of Wisconsin-Madison: Er versucht, aus der Defensive zu kommen.

(Foto: AFP)

Wie verzweifelt man auf Seiten der Demokraten nach dem ersten TV-Duell zwischen Barack Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney war, kann man auch an den wilden Theorien ablesen, die für die schlechte Leistung des Präsidenten ins Feld geführt wurden.

Der frühere Vizepräsident Al Gore erklärte sogar, die dünne Luft in Denver sei Schuld gewesen. Obama hätte viel zu wenig Zeit gehabt, sich an die Verhältnisse in einer Höhe von 5000 Fuß (circa 1500 Meter) zu gewöhnen. Im Gegensatz zu Romney, der bereits seit einigen Tagen in Denver für das Duell trainiert hätte. (Unter der Überschrift: "Honey, I Shrunk the President", hat das Wall Street Journal weitere Reaktionen gesammelt).

Tatsächlich ist die Debatte ein herber Rückschlag für die Obama-Kampagne. Entstand vor dem TV-Duell der Eindruck, dass Obama, vor allem aufgrund seines Vorsprungs in wichtigen swing states, das Rennen um das Weiße Haus schon fast gewonnen hat, scheint jetzt wieder alles offen. Das Momentum ist jetzt auf der Seite von Mitt Romney. Und die Republikaner nutzen das: Sarah Palin zum Beispiel erklärte ironisch-hinterhältig, der Präsident habe ihr während des Duells fast leidgetan. Wie demütigend für den Amtsinhaber!

US-Präsident Barack Obama

Sein Leben in Bildern

Tatsächlich befindet sich Obama jetzt in einer gefährlichen Situation, in die er sich allerdings selbst gebracht hat, mit seinem matten, mutlosen "Weiter so"-Auftritt. Er weiß das und versucht deshalb schon wenige Stunden nach dem Duell, zu retten was zu retten ist. Obama will wieder die Hoheit über die öffentlichen Debatten zur Präsidentschaft gewinnen und geht in die Offensive. Keinesfalls soll der helle Sieger-Scheinwerfer zu lange auf seinen Herausforderer gerichtet sein.

Romney habe während der Debatte gelogen, behauptete Obama deshalb bereits am Donnerstag. "Wenn man Präsident werden möchte, schuldet man dem amerikanischen Volk die Wahrheit", sagte er bei einem Auftritt vor 12.000 Anhängern in Denver. Der Multimillionär und Ex-Gouverneur habe seine unpopulären Positionen in der Steuer- und Bildungspolitik einfach geleugnet.

"Als ich auf die Bühne gekommen bin, habe ich diesen sehr munteren Burschen getroffen, der sich als Mitt Romney ausgegeben hat", sagte Obama am Donnerstag. "Aber es konnte nicht Mitt Romney sein, denn der echte Mitt Romney ist im vergangenen Jahr durch das Land gelaufen und hat Steuersenkungen von fünf Milliarden Dollar für die Reichen versprochen." Romney hatte bei der Debatte gleich zu Beginn bestritten, die Steuern in dieser Größenordnung senken zu wollen. Das brachte Obama sichtlich aus dem Konzept. Geradezu konsterniert wirkte er, seine Pläne für das Duell waren schon an diesem Punkt über den Haufen geworfen - bis zum Ende fing sich der Präsident nicht mehr.

Er wirkte hilflos, angespannt, schien sich nicht wohlzufühlen auf der Bühne, blickte immer wieder nach unten. Mitt Romney dagegen fand die Balance zwischen Angriff und Ausgleich. Viele Kommentatoren erklärten anschließend, Romney sei es erstmals im Wahlkampf gelungen, eine wirkliche Verbindung zwischen sich und den Wählern zu schaffen. Auf den Punkt brachte es James Carville, der so bekannte wir erfolgreiche Wahlkampfstratege Bill Clintons: Der Präsident habe an diesem Abend den Eindruck erweckt, er wäre lieber anderswo. Romney dagegen habe gewirkt, als wollte er mit jeder Faser seines Wesens hier auf dieser Bühne sein.

Dieser Eindruck wiegt umso schwerer, da mehr als 67 Millionen Menschen das Fernsehduell zwischen Obama und Romney live im Fernsehen verfolgten. Dies sei die größte Zuschauerzahl bei einem solchen Format seit 20 Jahren gewesen, teilte das Unternehmen Nielsen mit, das in den USA die Einschaltquoten ermittelt. Von den schätzungsweise 67,2 Millionen Zuschauern seien 46 Prozent älter als 55 Jahre gewesen.

Und viele dieser Millionen Zuschauer fragten sich anschließend: Was war los mit Obama? War er wirklich schlecht vorbereitet? Einfach genervt von den Anwürfen Romneys? Überrascht von dessen Halbwahrheiten? Oder hatte er von Beginn an die falsche Taktik?

Impressionen vom TV-Duell

Familie Romney im Stimmungshoch

Obamas Top-Berater David Axelrod erklärte jedenfalls, dass Obama seine Strategie für die kommende Debatte am 16. Oktober überdenken werde. "Wir werden uns das genau ansehen", sagte Axelrod. "Ich bin sicher, dass wir Anpassungen vornehmen werden." Obama habe sich bei dem Schlagabtausch am Mittwochabend zurückgehalten, weil er geglaubt habe, dass die Wähler etwas Besseres verdienten. Der Präsident habe eine Situation vermeiden wollen, in der sich Politiker gegenseitig beleidigen.

Deshalb hat Obama offenbar auch das "47-Prozent-Video", das die Demokraten im Wahlkampf zuvor ständig zum Thema gemacht hatten, nicht erwähnt. Das Video, in dem Romney knapp die Hälfte der Amerikaner als Sozialschmarotzer bezeichnet hatte. Doch die Taktik der Zurückhaltung entwickelte sich zum Bumerang.

Vorsicht ist allerdings auch jetzt geboten. Allzu leicht könnte Obama von dem Schweinwerfern der öffentlichen Aufmerksamkeit in ein schlechtes Licht gerückt werden. In das des schlechten Verlierers.