Südostasien:Putschisten unerwünscht

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Südostasien: Alle da? Ja, bis auf Myanmar. Der Asean-Gipfel der südostasiatischen Staaten fand ohne das Land statt, in dem sich das Militär an die Macht geputscht hatte.

Alle da? Ja, bis auf Myanmar. Der Asean-Gipfel der südostasiatischen Staaten fand ohne das Land statt, in dem sich das Militär an die Macht geputscht hatte.

(Foto: HANDOUT/AFP)

Vom Asean-Gipfel war Myanmar ausgeladen, blieb aber ein großes Thema. Thailands Premierminister benannte die Probleme der Region, hatte aber auch eine Lösung für die aktuelle Krise parat: Urlaub.

Von David Pfeifer, Bangkok

Als die zehn Länder der Asean-Staaten zu ihrem virtuellen Gipfeltreffen zusammenkamen, blieb ein Platz auf dem Bildschirm unbesetzt: der von Myanmar. General Min Aung Hlaing, Anführer der Junta, die sich in der Nacht zum 1. Februar an die Macht geputscht hatte, war ausgeladen worden - ein bisher einmaliger Vorgang in dem Staatenverbund, in dem sich normalerweise nicht in die Belange der Nachbarn eingemischt wird. Einen zivilen Vertreter, wie von den Asean-Kollegen vorgeschlagen, wollte das Militär nicht entsenden.

Es wäre auch kompliziert geworden, denn die zivile Volksvertretung, das "National Unity Government" (NUG) hatte vor einigen Wochen zum bewaffneten Widerstand gegen die Junta aufgerufen. Neben den bewaffneten Einheiten verschiedener ethnischer Gruppen im Land, den sogenannten "Ethnic Armed Organisations" (EAO) haben sich mittlerweile etwa 300 Gruppen in einer sogenannten "Peoples Defense Force" (PDF) gesammelt, die als militärischer Ausleger des NUG gilt, die meisten sind kleine Guerilla-Einheiten, nur 50 davon organisierte Verbände.

"Das Militär wartet vermutlich das Ende der Regenzeit ab, dann schlagen sie zurück", so vermutet es Anthony Davis, Sicherheitsexperte von Janes, einer Informationsplattform für Verteidigungspolitik. Die PDF sei im Gegensatz zu den EAOs zu schlecht bewaffnet und organisiert, "aber das Militär wird Landgewinne vermutlich nicht halten können. Sobald man Einheiten irgendwo stationiert, werden sie mit der Bevölkerung in Kontakt kommen, die Soldaten werden merken, wie sehr sie gehasst werden, und es desertieren ohnehin schon einige".

Der Krieg gegen das Volk, der seit Monaten mit äußerster Härte geführt wird, hinterlässt seine Spuren auch innerhalb des militärischen Apparats, wie ein desertierter Soldat bei einer Diskussionsrunde in Bangkok in der vergangenen Woche berichtete. Die Deserteure trainieren nun die Freiwilligen in der PDF, "aber sie alle haben nicht die erforderlichen Waffen, um die Junta entscheidend zu schlagen", sagt Anthony Davis.

Aung San Suu Kyi musste vor Gericht erscheinen

Wie isoliert und beratungsresistent das Militär und seine Führer agieren, scheint den Nachbarn mittlerweile große Sorgen zu bereiten. Am deutlichsten wurde das durch die Erklärungen von Thailands Premierminister Prayut Chan-o-cha - einem ehemaligen General, der 2014 ebenfalls durch einen Coup an die Macht gekommen war, und dem man eine Nähe zu Min Aung Hlaing nachsagt. "Die Asean möchte eine konstruktive Rolle bei der Bewältigung dieser Situation einnehmen. Das ist von großer Bedeutung, weil sich unser Handeln in dieser Angelegenheit auf die Glaubwürdigkeit der Asean in den Augen der internationalen Gemeinschaft auswirken wird", sagte Prayut.

Am Dienstag musste die entmachtete Aung San Suu Kyi in Naypyidaw vor Gericht erscheinen, wo sie sich gegen einen Punkt der Anklage aussprach und wieder abgeführt wurde. Der Zugang zur ehemaligen Regierungschefin war dem Asean-Unterhändler aus Brunei, Erywan Yusof, verweigert worden. Dass Erywan Myanmar bald besuchen soll, nannte Prayut in seiner Rede "einen ersten Schritt im Prozess einer Vertrauensbildung".

Es muss schon einiges geschehen, bevor es zu solchen Zurechtweisungen innerhalb der Asean kommt, zu denen noch Laos, Vietnam, Indonesien, Malaysia, Singapur, Kambodscha, die Philippinen und Brunei gehören. Die Junta hatte den Nachbarn vorgeworfen, sich dem Einfluss aus dem Ausland zu beugen, vor allem der USA. Tatsächlich war US-Präsident Joe Biden auf dem Gipfel zugeschaltet und äußerte "große Sorge" über die Lage in Myanmar. Die eventuell noch größere Sorge, die Thailands Premierminister antreiben könnte, sind die schlechten Wachstumsprognosen in der Region nach eineinhalb Jahren Pandemie.

Die Wirtschaft der meisten Asean-Staaten ist geschwächt, der Reiseverkehr ist ein starker Faktor, ob nun Geschäftsreisende in Singapur oder Sonnenhungrige in Thailand. Prayut Chan-o-cha forderte beim Gipfel die Nachbarländer auf, es Thailand gleichzutun und die Grenzen rasch zu öffnen, um Touristen zu locken. Bislang haben Vietnam und Kambodscha nur die Öffnung von einzelnen Inseln ab Ende November verkündet, Indonesien hat die Quarantäne auf Bali verkürzt. Die Länder ringen mit der Deltavariante des Virus, und die Impfkampagnen laufen langsam. Doch um die Besucher wieder im großen Stil zu empfangen, müsste Reisen einfacher und verlässlicher werden. Gerade jetzt, wo in Europa der Winter kommt.

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