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Mandela und die CIA:CIA-Agent gab offenbar Tipp zur Festnahme Mandelas

Nelson Mandela 1961, ein Jahr vor seiner Festnahme.

(Foto: AFP)

Man habe den Widerstandskämpfer schließlich davon abhalten müssen, "in Südafrika einen Krieg anzuzetteln", heißt es in einem Interview.

Wer in Südafrika den Präsidenten Jacob Zuma kritisiert, zumal als schwarzer Südafrikaner, muss damit rechnen, von hochrangigen Vertretern der Regierungspartei African National Congress (ANC) zumindest als Verräter, wenn nicht gar als Spion der CIA bezeichnet zu werden.

So erging es etwa der staatlichen Ombudsfrau Thuli Madonsela im September 2014, als sie - gemäß ihrem verfassungsmäßigen Auftrag als oberste Anti-Korruptions-Wächterin der jungen Nation - recht hartnäckig nachforschte, woher Zuma all die Millionen genommen hatte, um seine Privatresidenz im Heimatort Nkandla zum Palast aufzumotzen. Vize-Verteidigungsminister Kebby Maphatsoe beschuldigte seine Parteikollegin daraufhin, auf der Gehaltsliste der CIA zu stehen - mit dem Auftrag, die Machtbasis des Präsidenten zu untergraben: "Die Amerikaner wollen ihren eigenen Chef in Südafrika, und das dürfen wir nicht zulassen."

Ebenfalls unter CIA-Verdacht geraten sind beispielsweise auch schon der linkspopulistische Oppositionspolitiker Julius Malema und Minenarbeiter-Gewerkschaftschef Joseph Mathunjwa. Derlei Anschuldigungen gegen Zuma-Kritiker verschiedenster Couleur fallen durchaus auf fruchtbaren Boden - zumal unter Veteranen des Anti-Apartheid-Kampfes, denen der Kalte Krieg noch in den Knochen steckt.

"Der gefährlichste Kommunist außerhalb der Sowjetunion"

Und sie bekommen jetzt reichlich neue Nahrung: Ein US-Diplomat, der seinerzeit in Südafrika stationiert war, hat dem britischen Dokumentarfilmer John Irvin in einem Interview gesagt, er habe im Auftrag der CIA dem südafrikanischen Apartheid-Regime den entscheidenden Hinweis gegeben, der schließlich zur Festnahme von Nelson Mandela im Jahr 1962 führte. Der ANC-Widerstandskämpfer, der später mehr als 27 Jahre im Gefängnis saß und schließlich Präsident des freien Südafrika wurde, lebte damals - als Chauffeur getarnt - in Durban, wo ihn die Polizei in einer Straßensperre festnahm.

Der ehemalige CIA-Agent Donald Rickard, dessen Aussagen jetzt die britische Sunday Times veröffentlicht hat, starb kurz nach dem Interview im März im Alter von 88 Jahren. Reue ließ er keine erkennen: Mandela sei schließlich damals "der gefährlichste Kommunist außerhalb der Sowjetunion gewesen", und man habe ihn davon abhalten müssen, "in Südafrika einen Krieg anzuzetteln." Ein ANC-Sprecher sagte am Sonntag, die Veröffentlichung bestätige, "was wir immer gewusst haben: dass sie gegen uns arbeiten - bis heute."

© SZ.de/cag

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