MAD wirbt mit Comic Geheimdienst kämpft ums Überleben

Eigentlich ist die Unsichtbarkeit sein Metier, doch nun präsentiert sich der Nachrichtendienst MAD mit breitschultrigen Agenten im Kampf gegen barbusige russische Spioninnen. Comics, Anekdoten und ein äußerst seltenes Interview des Amtschefs sollen begründen, warum der Militärische Abschirmdienst weiterhin gebraucht wird. Trotz der Pannen der NSU-Affäre.

Von Michael König

"Siebziger-Jahre-Agenten-Style" sollten die Illustrationen sein, erinnert sich Niklas Hughes. "Comics, aber nicht total James-Bond-mäßig, sondern eher so bieder." Viel mehr Anweisungen gaben ihm die Auftraggeber nicht.

Der Militärische Abschirmdienst (MAD) solle abgeschafft werden, fordert die FDP. Der Geheimdienst geht nun mit Comics in die Offensive. Klicken Sie auf das Bild, um weitere Ausschnitte zu sehen.

(Foto: Y - Magazin der Bundeswehr)

Der Hamburger Diplom-Designer verstand darunter etwa eine blonde russische Spionin, vollbusig, im transparenten Oberteil, die einen Bundeswehr-Soldaten verführt: "Wenn du mir hilfst, können wir sehr schnell sehr viel Geld verdienen!" Außerdem: düstere Gestalten vorm Kasernentor, konspirative Agententreffen bei Kaffee und Zigarette, verdächtige Küchenhilfen in Afghanistan.

Zu sehen sind die Bilder nicht etwa in einem Comic-Heft, sondern in einer eigentlich kreuzbraven Postille. Die Bundeswehr-Zeitschrift Y (Ypsilon, benannt nach dem Kfz-Kennzeichen der Bundeswehrfahrzeuge) illustriert mit Hughes' Bildern die Titelgeschichte der Ausgabe Juni/Juli 2012: "Die Welt des MAD - der Militärische Abschirmdienst passt auf."

Wie man einen gegnerischen Agenten "umdreht"

Derartige Transparenz ist man nicht gewohnt vom Nachrichtendienst der Bundeswehr, dessen eigentliches Metier das Schweigen und die Unsichtbarkeit sind. Neben den Comics kommen im Bundeswehr-Heft anonyme Mitarbeiter zu Wort, die von ihren Erlebnissen erzählen ("Wenn wir das Glück haben, einen gegnerischen Agenten umzudrehen, dann sucht man das Gespräch, ohne geladene Waffe"). Und Amtschef Karl-Heinz Brüsselbach gibt ein Interview ("Wir zählen unsere Erfolge nicht") - das einzige eines MAD-Chefs, das sich finden lässt.

Die Informations-Offensive dürfte damit zusammenhängen, dass in Berlin über eine Reform der Nachrichtendienste diskutiert wird. Der MAD kämpft um sein Überleben. Die Tätigkeit der drei deutschen Geheimdienste (Bundesnachrichtendienst, MAD und Bundesamt für Verfassungsschutz; eine Übersicht gibt es in diesem Artikel) ist seit langem umstritten, doch die Enttarnung der Zwickauer Rechtsterrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" hat die Debatte neu entfacht.

Aufgabe des MAD ist es laut Gesetz, extremistischen Tendenzen in der Bundeswehr entgegenzutreten. Zwischen 1997 und 2003 warb er V-Leute in Thüringen an und war so an der Suche nach dem Zwickauer Terrortrio beteiligt. Seine Kritiker werfen ihm vor, dabei nicht hilfreich gewesen zu sein und an der jetzigen Aufklärung wenig Interesse zu zeigen.

"In dieser Form brauchen wir ihn nicht mehr"

Vor allem in der FDP ist die Beliebtheit des MAD rapide gesunken. "In dieser Form brauchen wir den MAD nicht mehr", sagte die liberale Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Ihr Parteifreund Christian Ahrendt, Abgeordneter im Bundestag, legt im Gespräch mit Welt Online nach: "In der jetzigen notwendigen Diskussion über die Sicherheitsarchitektur gehört der MAD als Erstes auf den Prüfstand."

Der andere umstrittene Dienst, der Verfassungsschutz, reformierte sich im Zuge der NSU-Affäre gewissermaßen selbst. Präsident Heinz Fromm musste zurücktreten, an diesem Mittwoch wurde in Berlin sein Nachfolger Hans-Georg Maaßen vorgestellt. Auch die Chefs zweier Landesbehörden mussten gehen. Der BND ist für das Ausland zuständig und daher von der NSU-Affäre weniger stark betroffen. Bleibt der MAD.