Krise in Venezuela "Die Opfer des venezolanischen Volkes anerkannt"

"Es war sehr wichtig, was heute Morgen passiert ist", sagt Juan Guaidó in Richtung Europa.

(Foto: dpa)
  • Venezuelas Parlamentspräsident Juan Guaidó äußert seine "tiefe Dankbarkeit" angesichts seiner Anerkennung als Interimspräsident durch zahlreiche EU-Staaten.
  • Sein informeller Außenminister erhofft sich dadurch konkrete Fortschritte im Kampf gegen Maduro und für den späteren Aufbau des Landes.
  • Guaidó dankt auch der Bundesregierung für angebotene Hilfsgelder - nennt aber einen anderen Betrag als den, den Berlin angekündigt hat.
Von Benedikt Peters

Juan Guaidó beherrscht die Kunst der öffentlichen Rede. Er kann Emotionen in seine Stimme legen - Wut, Zorn, Betroffenheit - und er kann sich auch zutiefst dankbar zeigen. Alles das nutzt Guaidó, als er sich am Montag vor die Kameras stellt.

Die Gegner des Machthabers Maduro sind an diesem Morgen mit einer guten Nachricht wach geworden. Zwar steht eine klare, gemeinsame Stellungnahme der Europäischen Union zur Krise in Venezuela noch immer aus, weil Italien diese blockiert. Trotzdem haben zahlreiche Mitgliedsstaaten nun Maduros Herausforderer Guaidó anerkannt.

Dieser hatte sich am 23. Januar zum legitimen Staatschef ernannt, weil es bei der Wiederwahl Maduros Unregelmäßigkeiten gegeben hatte. Und auch, um einen Weg aus der dramatischen Versorgungskrise zu finden, in die Maduro das Land manövriert hat. Guaidó hatte prompt die Anerkennung der US-Regierung, Kanadas und einiger lateinamerikanischer Staaten erhalten. Die europäischen Länder hingegen hatten gezögert, bis zu diesem Morgen. Nachdem Maduro ein Ultimatum für Neuwahlen am Sonntag hatte verstreichen lassen, zogen sie nach. Guaidó sei nun der Ansprechpartner der Bundesregierung, so hatte es sinngemäß etwa Kanzlerin Angela Merkel formuliert - Frankreich, Spanien, Großbritannien, Österreich und insgesamt mehr als 20 EU-Staaten hatten es ihr gleichgetan.

Sechs Millionen aus Deutschland? Oder nur fünf?

Als Guaidó dann staatsmännisch, im blauen Anzug in Caracas vor die Kameras tritt, gibt er sich demütig. "Es war sehr wichtig, was heute Morgen passiert ist", sagt er, und spricht von "tiefer Dankbarkeit". Es gehe dabei nicht um seine Person und auch nicht um das venezolanische Parlament, dem er angehört.

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Guaidó erzählt von einer Mutter, "Cecilia", die er am Wochenende getroffen habe. Ihr Sohn sei wegen seines Engagements von den Schergen Maduros getötet worden, mit gerade einmal 30 Jahren. Guaidó wirkt aufrichtig betroffen, vielleicht auch, weil er selbst nur fünf Jahre älter ist.

Cecilias Sohn "wäre in zwei Monaten Vater geworden", sagt Guaidó in die Kameras. Nun aber müsse seine Tochter als Waise aufwachsen. Der selbsternannte Staatschef erwähnt auch die vielen zumeist jungen Opfer, die schon bei den Protesten gegen das Maduro-Regime gestorben sind. Die "blockweise Anerkennung" durch die europäischen Staaten zeige nun, dass diese nicht umsonst waren. "Der Kampf war die Mühe wert. Die Welt hat heute die Opfer und den Freiheitskampf des venezolanischen Volks anerkannt."

Guaidó lobt auch explizit die deutsche Regierung für ihr Angebot, humanitäre Hilfe bereitzustellen. Über den genauen Betrag muss er sich aber wohl noch mal mit Berlin unterhalten. Während Außenminister Heiko Maas von fünf Millionen Euro gesprochen hatte, die bereitgestellt werden könnten, bedankte sich Guaidó für das Angebot von "sechs Millionen" aus Deutschland.

Francisco Sucre, Präsident der Außenpolitik-Kommission des venezolanischen Parlaments und damit so etwas wie Guaidós informeller Außenminister, erklärte, weshalb die Anerkennung durch die europäischen Staaten mehr bedeute als bloße "Pressemitteilungen". Sie seien wichtig für den Wiederaufbau des Landes, da man nach einem politischen Übergang auf wirtschaftliche Zusammenarbeit hoffen könne. Zudem könne man nun Mitstreiter Guaidós als dessen politische Vertreter in die Länder entsenden, auf weitere Hilfszahlungen und auf noch stärkere Sanktionen gegen Maduro hoffen.

Wenig später teilte die Repräsentanz des Guaidó-Lagers in Washington mit, die venezolanische Opposition werde in der kommenden Woche eine Geberkonferenz in der US-Hauptstadt abhalten. Die Veranstaltung am 14. Februar habe zum Ziel, humanitäre Hilfe zu organisieren. Die Konferenz soll den Angaben zufolge am Sitz der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) stattfinden.

Trotz all der netten Worte für die Europäer wissen Guaidó und seine Mitstreiter, dass es im venezolanischen Machtkampf letztendlich auf etwas anderes ankommt als auf internationale Unterstützung. Nämlich auf die Frage, auf welcher Seite die Armee steht. Selbst die angekündigten Hilfslieferungen könnten kaum ohne Zustimmung der Militärs die Landesgrenzen passieren.

Das weiß auch Guaidó, und deswegen nutzt er die letzten Worte seiner Rede für ein erneutes Plädoyer an die "Soldaten des Vaterlands". Er ruft sie auf, sich ihm an die Seite zu stellen. "Fragt eure Familien, was jetzt das Richtige ist", ruft er. "Soldaten, wir warten noch immer auf euch."

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