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Krieg in Syrien:Eine Feuerpause, die vielfach gebrochen wird

Russland hatte diese Hotline schon einmal ausgesetzt, nachdem US-Präsident Donald Trump Anfang April einen Angriff mit 59 Marschflugkörpern auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt befohlen hatte. Er reagierte damit auf einen Chemiewaffen-Angriff mit mehr als 80 Toten, den die USA und andere westliche Staaten dem RegimePräsident Baschar al-Assads anlasten. Wenige Tage später wurde die Verbindung geräuschlos wieder in Betrieb genommen, nur um intensiver genutzt zu werden als je.

In den vergangenen Wochen kam es dennoch mehrmals zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen regimetreuen Milizen und den Amerikanern. US-Kräfte bombardierten zweimal Konvois mit Panzern, die sich Stellungen verbündeter Milzen und einem US-Feldlager an der syrisch-irakischen Grenze genähert hatten, und schossen zwei iranische Drohnen ab. Eine hatte das Feldlager in al-Tanf beobachtet, die andere beschoss es mit Raketen.

Verschärft wurde die Situation durch Raketenangriffe der iranischen Revolutionsgarden auf Ziele in der Region um Deir al-Sour südlich von Raqqa, die Iran als Vergeltung für die IS-Anschläge in Teheran mit 18 Toten deklarierte. Der IS belagert dort eine von der Regierung kontrollierte Enklave, in der etwa 200 000 Zivilisten gefangen sind. Eine "Reihe Boden-Boden-Raketen mittlerer Reichweite" seien von Stützpunkten in den westlichen Grenzprovinzen Kermanschah und Kurdistan abgefeuert worden, erklärten die Revolutionsgarden.

Russland will weiter Gespräche in Astana führen

Zugleich hieß es, die Operation habe nur "einen sehr kleinen Teil der iranischen Fähigkeiten genutzt"; sie sei eine Warnung an Terroristen und Feinde Irans. Teheran macht die USA und Saudi-Arabien für die Anschläge verantwortlich.

Die Geschosse, laut iranischen Medien ballistische Raketen mit einer geschätzten Reichweite von 700 Kilometer, eignen sich wegen ihrer beschränkten Treffgenauigkeit kaum für Angriffe auf Punkt-Ziele wie Verstecke des IS - sehr wohl aber für eine Machtdemonstration in einem strategisch wichtigen Gebiet in Syrien. Israel unterstützt laut Medien in geringem Umfang gemäßigte syrische Rebellen auf der syrischen Seite der Golan-Höhen, um ein Vorrücken der Hisbollah und der Revolutionsgarden dorthin zu verhindern. Ungeachtet der Eskalation in Syrien will Moskau am 10. Juli neue Gespräche über eine offiziell in vier Zonen geltende Waffenruhe in Astana führen. Russland fungiert mit Iran und der Türkei als Garantiemacht der Feuerpause, die aber vielfach gebrochen wird. So kam es in zu heftigen Kämpfen um die Stadt Deraa im Süden , von der 2011 der Aufstand gegen Assad ausging. Auch der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura strebt eine Runde von Friedensgesprächen Mitte Juli in Genf an.

© SZ vom 20.06.2017/vbol

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