Krieg in Nahost:Burger-Boykott

Krieg in Nahost: Wer westliche Produkte anbietet, hat es derzeit schwer im arabischen Raum. Auch in Katars Hauptstadt Doha bleiben die Tische der McDonald's-Filiale meistens leer.

Wer westliche Produkte anbietet, hat es derzeit schwer im arabischen Raum. Auch in Katars Hauptstadt Doha bleiben die Tische der McDonald's-Filiale meistens leer.

(Foto: IMAGO/Pond5 Images)

In der arabischen Welt werden amerikanische Produkte gemieden. Leidtragende sind oft einheimische Händler.

Von Bernd Dörries, Kairo

Der McDonald's in der Hauptstadt Katars ist schön gelegen, man schaut auf Palmen und aufs Meer. Es ist ein warmer Winterabend, die Tische stehen draußen. Sind aber völlig leer, auf der Tischfläche sind große weiße, laminierte Informationsschreiben angeklebt, die fast flehentlich darum bitten, hier ein paar Hamburger zu bestellen: Sie schaden mit dem Boykott den Falschen, das Restaurant ist in lokalem Besitz.

Geholfen hat es nicht, die Tische bleiben leer, so wie auch in vielen anderen Filialen im Nahen Osten und Nordafrika. Aus Protest gegen die Unterstützung Israels durch die USA und Europa kaufen viele Menschen von Marokko bis zum Irak keine US-Produkte mehr. In der Türkei setzen sich Mitglieder der Jugendorganisation der AKP in Starbucks-Cafés und fragen die Kunden, warum sie das Blut der Palästinenser tränken. In Ägypten wurde eine App entwickelt, mit der lokale Produkte gekauft werden können.

Es ist keine groß angelegte Kampagne, eher viele kleine, in denen Ägypter auf Facebook Listen veröffentlichen, auf denen Marken wie Pepsi und Starbucks stehen, Burger King und Wasser von Nestlé, das zwar aus der neutralen Schweiz kommt, aber so genau nimmt man es nicht.

Es ist ein stiller Protest, aber er zeigt Wirkung

"Ich habe etwa 20 Prozent meines Umsatzes verloren", sagt Ali, ein Kioskbesitzer in Kairo. Er habe Pepsi und Coca-Cola aus dem Sortiment genommen, dafür gibt es jetzt lokale Alternativen: Spiro Spathis und Oso Blanco. Das Wasser kauften die Leute jetzt von einem lokalen Anbieter, dessen Logo eine Palästinenserflagge schmückt. Die Umsätze des Limo-Herstellers Spiro Spathis sollen sich verfünffacht haben. McDonald's und Starbucks klagen hingegen über deutliche Umsatzrückgänge.

Wirtschaftliche Boykottaufrufe sind schon lange Teil des Palästina-Konfliktes. Die Boycott, Divestment and Sanctions-Bewegung (BDS) ruft seit fast 20 Jahren zum Boykott Israels auf. Ihre tatsächlichen Erfolge sind weit kleiner als die Aufmerksamkeit, die die Gruppe bekommt, der immer wieder Antisemitismus vorgeworfen wird. Die jüngste Boykottwelle ist nicht organisiert, es ist ein stiller Protest mit großer Wirkung. McDonald's teilte vor wenigen Tagen mit, dass der Protest die Umsätze "erheblich beeinträchtigt" habe, der Aktienkurs fiel um vier Prozent. McDonald's wird zwar von den USA aus geführt, viele Restaurants gehören aber lokalen Franchise-Nehmern. Einige israelische Filialen gaben nach dem Terror der Hamas sogar Gratisessen an Soldaten aus. Aber auch andere Versuche, sich zu distanzieren, schlugen fehl: Franchises in Saudi-Arabien, Oman, Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Jordanien, Ägypten, Bahrain und der Türkei sagten gemeinsam mehr als drei Millionen Dollar zur Unterstützung der Palästinenser zu. Die Verkäufe blieben trotzdem schwach.

Vor wenigen Tagen wurde der Boykott schließlich ausgeweitet - auf ein ganz anderes Produkt: Haschisch-Dealer in Marokko kündigten an, ihre Ware nicht mehr nach Israel zu liefern. Er sei nicht einverstanden damit, dass Israelis ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von marokkanischem Haschisch verdienten, solange die Menschen im Gazastreifen unter unmenschlichen Bedingungen lebten, sagte ein marokkanischer Dealer dem israelischen Sender N 12.

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