Islamischer Staat:"Wer das Schlachten gesehen hat, vergisst es nicht"

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Dabei hat der Islamische Staat strategische Vorteile gegenüber dem dominierenden Terrornetzwerk al-Qaida, das sich von IS wegen dessen Brutalität distanzierte. Für den IS ziehen mittlerweile auch viele Ausländer in den Heiligen Krieg. So waren unter anderem bei den Kämpfen um Ölfelder in Syrien auch deutsche Dschihadisten vertreten.

Im aktuellen Video, das die Enthauptung von James Foley im Irak zeigt, ist wahrscheinlich ein Kämpfer aus Großbritannien zu sehen. "Auf den ersten Blick scheint es eine britische Person zu sein. Wir werden noch weiter untersuchen müssen, um ganz sicher zu gehen, dass das der Fall ist", sagte der britische Außenminister Philip Hammond der BBC.

Die Gefahr von Selbstmordattentätern

Shiraz Maher, der ebenfalls am Londoner King's College forscht, ist überzeugt, dass der im Video zu hörende Kämpfer aus Großbritannien stammt. Er warnt im Gespräch mit Süddeutsche.de: "Die Gefahr, dass ausländische Dschihadisten Terroranschläge in ihrer Heimat begehen, ist da. Das Video von der Hinrichtung von James Foley zeigt, dass auch sie zu grausamen Taten bereit sind."

Dass Ausländer an dem Schlachten im Irak und Syrien beteiligt sind, stellt eine eindeutige Bedrohung für die westlichen Länder dar. "Wer das Schlachten gesehen hat, vergisst es nicht", urteilt der SZ-Nahostkorrespondent Tomas Avenarius. Einige Kämpfer würden sich dem Terror in Europa widmen, so seine Bilanz.

Wie viele westliche Geiseln sich in den Händen von IS befinden, ist unklar. Einige Beobachter schätzen ihre Zahl auf 30 bis 40 Amerikaner und Europäer. Im Juni kidnappten die Dschihadisten 49 Türken, als sie das türkische Konsulat in Mossul überfielen. Erst im Juli hatte die New York Times in einem aufwändig recherchierten Text beschrieben, wie wichtig Geiseln und das damit verbundene Lösegeld für Terrorgruppen wie al-Qaida und IS sind: Seit 2008 nahmen sie so mindestens 125 Millionen US-Dollar ein. Demnach weigern sich jedoch die Regierungen in London und Washington, Lösegeld zu zahlen (Details hier).

Terrorismus-Experte Peter Neumann geht nicht davon aus, dass IS stark genug ist, um auf westlichem Boden einen größeren Anschlag zu verüben. "Das Risiko schätze ich kurzfristig als gering ein", sagt Neumann. Einzelne Sympathisanten im Westen, sogenannte "einsame Wölfe", könnten sich aber durch das brutale Video darin bestärkt fühlen, auf eigene Faust aktiv zu werden. So hatte der Franzose, der in Brüssel das Jüdische Museum attackierte und drei Menschen tötete, eine IS-Flagge im Gepäck. Kritischer sieht Neumann die Situation in den Ländern Irak, Syrien und Libanon. "Ich bin fest davon überzeugt, dass sie versuchen werden, westliche Institutionen anzugreifen." Auch westliche Staatsbürger seien gefährdet.

Der letzte schwere Terroranschlag im Westen geschah am 7. Juli 2005 in London - verübt von al-Qaida. Damals kamen bei mehreren Explosionen im Nahverkehr 56 Menschen ums Leben, unter ihnen die vier Attentäter. Drei von ihnen waren Briten pakistanischer Abstammung.

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