Bedrohung durch Krieger-Islam Dschihadismus wird zur Geißel der Welt

Die Botschaft des Krieger-Islams ist oft allein die Gewalt; ob das auch auf diesen Aufständischen in Syrien zutrifft? (Archivfoto: Rebellenführer in Aleppo im Oktober 2012)

(Foto: AFP)

Die Bilanz des "Krieges gegen den Terror" ist niederschmetternd: Im Irak, in Syrien und in anderen Ländern ist ein ultraradikaler Kalaschnikow-Islam entstanden. Gewalt ist oft die einzige Botschaft. Auch der nicht islamischen Welt kann das gefährlich werden.

Kommentar von Tomas Avenarius, Kairo

Dutzende, ja Hunderte Männer. Gefesselt, geschlagen, vorangetrieben wie Vieh. Am Ende liegen die einen in Gräben, die anderen stehen zitternd am Flussufer. Schüsse beenden ihr Martyrium. Das Massaker wird im Internet veröffentlicht, von den Mördern, es sind Kämpfer des "Islamischen Staats" (IS/Isis).

Die Massenexekution geschah im Juli in Tikrit, dem Heimatort Saddam Husseins. Eine Todesfabrik 2014 im Irak - dem Land, dem die USA mit Panzern Freiheit und Demokratie bringen wollten. Die Bilanz von 13 Jahren "Krieg gegen den Terror" ist niederschmetternd.

Ob Irak oder Afghanistan - nicht Demokratie und Rechtsstaat waren die Folge der Interventionen, sondern noch mehr Tod und Leid. Isis kann sich heute mit der Exekution von 1500 Menschen brüsten, kann noch mehr Gewalt androhen. Der "Arabische Frühling" mit dem Sturz von Diktatoren hat ebenfalls wenig Positives geschaffen, einzelne Staaten mutieren zum Dschihadi-Paradies.

IS-Extremisten dehnen Terrorherrschaft aus

Die Extremistengruppe Islamischer Staat erobert im Nordirak weitere Gebiete und löst eine Massenflucht aus. Jetzt haben die IS-Kämpfer die größte Talsperre des Landes in ihre Gewalt gebracht - und damit einen strategisch wichtigen Ort. mehr ...

Die Regierungen sind schwach, Terrorgruppen beherrschen ganze Landesteile. Der "Islamische Staat" ruft das Kalifat im Irak und in Syrien aus. Taliban und al-Qaida wüten am Hindukusch. Ansar al-Scharia und andere Milizen terrorisieren die Libyer. Und selbst in Ägypten, wo die Armee die gewählten Muslimbrüder gestürzt hat, wird der Sinai zum "Dschihadi-Land".

Jenseits politischer Logik

Was Köpfe und Herzen betrifft, ist in der islamischen Welt das Gegenteil dessen erreicht worden, was erhofft wurde. Die Demokratie hat ihre Strahlkraft verloren, verhasste Diktatoren erscheinen wieder attraktiv. Andere setzen weiter auf die Religion.

Doch anstelle halbwegs rationaler Islamisten, wie es die Muslimbrüder waren, schwingen sich weit Radikalere zu Wortführern der Sunniten auf. Gewalt ist die wesentliche, oft einzige Botschaft. Nach Osama bin Laden predigt sie nun Kalif Ibrahim vom "Islamischen Staat". Der selbst ernannte "Führer der Gläubigen" ist ein islamischer Pol Pot: Ein Bilderstürmer, der Heiligengräber sprengen und Denkmäler umstoßen lässt.

So präsentiert sich der Islamismus des 21. Jahrhunderts als ultra-radikaler, apokalyptisch zugespitzter Kalaschnikow-Islam, der Religion pervertiert. Dieser Dschihadismus wird zur Geißel der muslimischen wie der nicht-muslimischen Welt. Keiner wird dem blutigen Phänomen schnell Herr werden, weder mit Diktatur noch mit Drohnen oder Feldzügen. Die nahöstliche Staatenwelt zeigt Verfallssymptome, der Krieger-Islam gewinnt an Boden, vielerorts.