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Religionen:Etwa 5,5 Millionen Muslime leben in Deutschland

Coronavirus - Ramadan in Frankfurt am Main

Nachtgebet (Ischaa) in der Abu Bakr Moschee der Islamischen Gemeinde Frankfurt am Main

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Der Anteil der Menschen islamischen Glaubens im Land ist stark gewachsen. Doch bei der Integration von Zuwanderern spielt die Religion nur eine untergeordnete Rolle.

Von Jan Bielicki

In Deutschland leben nach neuesten Zahlen deutlich mehr Menschen islamischen Glaubens als noch ein paar Jahre zuvor. 2019 waren 5,3 bis 5,6 Millionen der 83 Millionen Einwohner der Bundesrepublik Muslime, die selbst oder deren Eltern zugewandert waren. Das geht aus Hochrechnungen hervor, deren Ergebnisse der Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) am Mittwoch in einer Studie über "Muslimisches Leben in Deutschland" veröffentlichte. 2015 hatten die Forscher des Bamf noch fast eine Million Muslime weniger errechnet.

Der Anteil der Muslime mit Migrationshintergrund - ob mit deutschem Pass oder ohne - stieg damit seither auf 6,4 bis 6,7 Prozent. Demgegenüber gilt die Zahl der Konvertiten zum Islam ohne Migrationshintergrund als vernachlässigbar gering. Die Rechnungen des Bamf bieten die wohl genaueste Annäherung an die Zahl der hier lebenden Muslime. Denn diese sind nicht so straff organisiert wie die meisten Christen und Juden. Für ihre Studie haben die Forscher des Bamf mehr als 4500 Menschen befragt, die oder deren Eltern aus 23 muslimisch geprägten Herkunftsländern stammen.

Dabei wurde klar: Die Zuwanderung vieler Geflüchteter hat die Zusammensetzung der muslimischen Gemeinden in Deutschland nachhaltig verändert. So stellen türkischstämmige Familien nur noch 45 Prozent der Muslime. Jeder fünfte Muslim im Land stammt inzwischen aus dem arabischsprachigen Nahen Osten, ebenso viele haben familiäre Wurzeln in südosteuropäischen Staaten wie Albanien oder Kosovo.

"Religion kein Hindernis für die Integration"

Vier von fünf Muslimen mit Migrationshintergrund gaben an, religiös oder gar sehr religiös zu sein. Fast identische Zahlen gelten aber auch für Christen, die aus den gleichen Ländern stammen. Von Menschen ohne Migrationshintergrund stuft sich weniger als die Hälfte als religiös ein. Für die Mit-Autorin Anja Stichs belegen die Studienergebnisse auch sonst, dass "die Bedeutung der Religion auf die Integration häufig überschätzt" werde. So hatten zwar nur jeder Vierte der zugewanderten Muslime einen deutschen Bildungsabschluss. Bei ihren Töchtern - von denen die große Mehrheit übrigens kein Kopftuch trägt - und ihren Söhnen waren es aber schon vier von fünf, ähnlich wie bei christlichen Zuwanderern aus den gleichen Ländern. Die Forscherin Stichs folgert daraus, "dass die Religion kein Hindernis für die Integration ist".

© SZ/stad
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