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Irak:Mit Senfgas gegen die Übermacht

"Ein IS-Scharfschütze bindet Hundert Soldaten", sagte ein westlicher Geheimdienstler der Süddeutschen Zeitung. Zudem habe der IS die Zugänge der Stadt mit Tausenden Sprengfallen vermint, Gräben und Tunnelsysteme angelegt. In ihnen könnten sich die Kämpfer geschützt vor Luftangriffen bewegen. Selbstmordattentäter sollen sich auf Attacken mit massiven, fahrenden Autobomben vorbereiten. Die Produktionsstätten des IS für chemische Kampfstoffe wie Senfgas liegen in Mossul; einzelne Gift-Angriffe gegen kurdische und irakische Einheiten hat es in den vergangenen Wochen schon gegeben.

In der Stadt dürfte sich der IS Strack zufolge in dicht besiedelte ärmere Gebiete am westlichen Ufer des Tigris zurückziehen und sich dort in Regierungsgebäuden verschanzen. Luftangriffe und Artillerie können dort nur unter dem Risiko eingesetzt werden, Zivilisten zu töten und Infrastruktur sowie Kulturdenkmäler zu beschädigen - bis zu 1,5 Millionen Menschen sollen sich nach UN-Schätzungen noch in der Stadt befinden. Bis vor Kurzem konnten zumindest jene Mossul noch verlassen, die den IS dafür bezahlen konnten. Die Zurückgebliebenen könnte der IS nun als menschliche Schutzschilde missbrauchen und so den Kampf in die Länge ziehen.

Irak 1,5 Millionen Menschen drohen in Mossul zwischen die Fronten zu geraten
Irak

1,5 Millionen Menschen drohen in Mossul zwischen die Fronten zu geraten

Nicht alle, die aus der umkämpften Stadt fliehen, werden in einem Lager unterkommen. Experten bereiten sich seit Monaten auf eine humanitäre Katastrophe vor.   Von Moritz Baumstieger

Mossul hat für den IS große ideologische Bedeutung

US-Verteidigungsminister Ashton Carter sagte in Washington, der Beginn der Mossul-Offensive sei "ein entscheidender Moment" bei den Bemühungen, den "Islamischen Staat" zu besiegen. US-Truppen sind mit Hunderten Militärberatern in irakische Einheiten eingebettet; Luftangriffe und Unterstützung durch Apache-Kampfhubschrauber haben sich in früheren Operationen als entscheidend für den Erfolg der Iraker herausgestellt, ebenso wie die überlegene Aufklärung der Amerikaner durch Drohnen und Satelliten.

Mossul hat für den IS große ideologische Bedeutung. In der Großen Moschee der Stadt hatte sich Abu Bakr el-Bagdadi im Juni 2014 zum Kalifen ausgerufen und seinen umfassenden Herrschaftsanspruch formuliert. Mit gerade einmal 1000 Kämpfern hatte der IS zuvor die Stadt übernommen, die irakische Armee war geflohen. Vorbereitet hatte der IS die Aktion allerdings über viele Monate, in denen er die Stadt unterwanderte und geheimdienstähnliche Strukturen aufbaute - Offiziere aus dem Regime des gestürzten Diktators Saddam Hussein spielten dabei eine zentrale Rolle. 2006 schon hatte die Vorgängerorganisation des IS Mossul zur Hauptstadt ihre Islamischen Emirats im Irak erklärt.

Eine Eroberung wäre nicht das Ende des Kalifats

Nun warnen westliche Geheimdienste und das US-Militär allerdings, dass die Rückeroberung Mossuls noch nicht das Ende des Kalifats wäre. "Es wird dann immer noch vom IS kontrollierte Gebiete geben", sagte ein Analyst, sowohl im Irak als auch in Syrien. In Gesprächen mit hohen irakischen Offizieren sei wenig zu spüren vom großen Optimismus, wie ihn die Regierung in Bagdad zur Schau stellt. Zumindest aber könnte US-Präsident Barack Obama zum Ende seiner Amtszeit einen symbolisch wichtigen Erfolg seiner umstrittenen Strategie gegen den IS vermelden. Die Dschihadisten endgültig niederzuringen, vor allem in Syrien, bleibt seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin überlassen.

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