bedeckt München 27°

Holocaust-Überlebende:Opfer von Mengeles Menschenversuchen

Hugo Höllenreiner stammt aus München, er wurde 1933 in eine bayerische Sinti-Familie hineingeboren. In den dreißiger Jahren wohnte er noch im Stadtteil Giesing. Nach den Angriffen in der Reichspogromnacht, die auch die Sinti treffen, musste die Familie ins Umland ziehen. Später kehrte sie zwar zurück, doch im März 1943 wurde Hugos Familie zusammen mit weiteren Münchner Sinti verhaftet. Kurz darauf wurden sie nach Auschwitz deportiert.

Gedenken an Auschwitz "Ich dachte, der tut mir nichts. Er lächelt ja" Video
KZ Auschwitz: Mengele-Opfer Höllenreiner

"Ich dachte, der tut mir nichts. Er lächelt ja"

Hugo Höllenreiner kam 1943 als Neunjähriger ins KZ Auschwitz, weil er Sinti ist. In diesem Video berichtet er über die Experimente, die der berüchtigte SS-Arzt Josef Mengele an ihm durchführte. Das Gespräch mit Höllenreiner führte Iovanca Gaspar, die einen Film über ihn drehte (Trailer unter http://vimeo.com/96100739).

Im Frühjahr 1944 begann die SS auch im sogenannten "Zigeunerlager" Männer und Frauen für die Rüstungsindustrie auszusuchen und nicht arbeitsfähige Personen zu ermorden. Mitte Mai sollte, so erzählt es Peter Poth, ein Freund Hugo Höllenreiners, auch die Baracke von Hugos Familie geräumt werden.

Das gelang den Nazis zunächst nicht: Unter der Führung von Hugos Vater weigerten sich die Häftlinge, herauszukommen. Die SS-Schergen zogen wieder ab. Kurz darauf wurden Hugo und sein Bruder Manfred zu Doktor Josef Mengele gebracht. Der berüchtigte SS-Arzt führte qualvolle Experimente an beiden Jungen durch. Doch anders, als viele von Mengeles Versuchsopfern, überlebten die Brüder.

36 Verwandte werden Opfer des NS-Rassenwahns

Später gelang es den Sinti-Männern in Auschwitz, mit der SS zu verhandeln. Gegen das Angebot, für Deutschland in den Krieg zu ziehen, werden die Familienmitglieder "entlassen", wobei "entlassen" bedeutet, dass Hugo und seine Familie über die Lager Ravensbrück und Mauthausen in das KZ Bergen-Belsen gebracht werden.

Auschwitz und andere KZ

Menschenversuche und organisierter Massenmord

Bei der Auflösung des "Zigeunerlagers" kurz drauf in Auschwitz wurden noch einmal fast 3000 Menschen umgebracht. Hugo Höllenreiner, die Eltern und fünf seiner Geschwister überlebten den Weltkrieg. 36 Familienmitglieder wurden Opfer des Rassenwahns der Nazis. Während des Zweiten Weltkriegs verloren mehr als eine halbe Million Sinti und Roma ihr Leben.

Nach dem Krieg ging die Diskriminierung der Sinti und Roma auch in Westdeutschland weiter. Hugo musste mit 14 ohne Abschluss die Schule verlassen. Später ernährte er seine Familie durch den Verkauf von Bürsten und Putzmitteln. Mittlerweile lebte er in Ingolstadt, ist aber schwer krank. Sein Freund Poth sagt: Für das, was der Familie angetan und geraubt wurde, ist sie nie angemessen entschädigt worden. Hier ein SZ-Porträt von Hugo Höllenreiner.