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Holocaust:Menschenversuche und organisierter Massenmord

1945 befreite die Rote Armee die Häftlinge von Auschwitz. Historische Bilder geben Einblick in die Gräuel des Vernichtungslagers und anderer Orte des KZ-Systems.

Von Barbara Galaktionow

15 Bilder

Auschwitz

Quelle: dpa

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Etwa sechs Millionen Juden fielen zur Zeit des Dritten Reiches der grausamen Ausrottungspolitik des NS-Regimes zum Opfer. Allein in den Konzentrationslagern von Auschwitz (im Bild das Einfahrtsgebäude des Lagers Auschwitz-Birkenau von innen) wurden mehr als eine Million Menschen von den Nazis und ihren Schergen ermordet, die meisten von ihnen Juden. Sie starben an Krankheiten und Unterernährung oder grausamen Menschenversuchen, sie mussten sich zu Tode arbeiten oder erstickten in den Gaskammern der fabrikmäßig organisierten Todesmaschinerie.

Archive photograph shows Soviet soldiers with some of the prisoners they liberated in Auschwitz II-Birkenau

Quelle: REUTERS

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Als die Rote Armee das Lager am 27. Januar 1945 befreite, fanden die Soldaten nur noch etwa 7000 Häftlinge vor (hier ein Bild von sowjetischen Soldaten mit zwei überlebenden weiblichen Häftlingen in Auschwitz-Birkenau). Die anderen Gefangenen waren schon zuvor gestorben - oder wurden auf den berüchtigten Todesmärschen in Richtung Westen getrieben.

Verbrennungsöfen im KZ Majdanek

Quelle: SZ Photo

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Mit der horrenden Zahl an Opfern und dem akribisch organisierten Massenmord wurde Auschwitz zum Symbol für die brutale Ausrottungspolitik des Dritten Reiches gegenüber den Menschen, die die Nationalsozialisten als Juden definierten. Auschwitz, aber auch die anderen, ebenfalls im heutigen Polen angesiedelten Vernichtungslager - Majdanek, Belzec, Chelmno (Kulmhof), Sobibor und Treblinka -, waren der entsetzliche Höhepunkt eines vom Rassenwahn getriebenen Vertreibungs- und Vernichtungswillens des NS-Regimes. Begonnen hatte der Terror allerdings schon viel früher. Im Bild sind Verbrennungsöfen im KZ Majdanek zu sehen, davor liegen die Skelette von Opfern.

Befreiung des Konzentrationslagers Dachau im April 1945

Quelle: picture-alliance/ dpa

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Am 20. März 1933, nur wenige Wochen nach der Machtergreifung Adolf Hitlers verkündete Heinrich Himmler die Eröffnung des Konzentrationslagers in Dachau. Es wurde zu einer Art Prototyp und zum Ausbildungslager für die SS-Wachmannschaften. Innerhalb weniger Jahre entstand im Deutschen Reich ein dichtes Netz an weiteren Lagern. Buchenwald, Bergen-Belsen, Sachsenhausen, Flossenbürg, Neuengamme oder - nach dem "Anschluss" Österreichs - Mauthausen - die Namen haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Hier stehen amerikanische Soldaten nach der Befreiung des Dachauer Lagers im April 1945 auf einem Waggon mit ermordeten Häftlingen.

KZ Sachsenhausen

Quelle: SZ Photo

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Anfangs waren es vor allem die politischen Gegner des neuen Regimes, die in die Lager gesteckt wurden. Kommunisten und Sozialdemokraten waren der Willkür und Brutalität ihrer Wächter ausgesetzt. Es folgten Homosexuelle, sogenannte "Asoziale" und - in immer stärker zunehmender Zahl - Juden sowie Sinti und Roma. Hier ein Foto aus dem KZ Sachsenhausen, das Häftlinge vor einer Wand mit zynischen Aussagen zeigt.

Obama-Besuch - Elie Wiesel im KZ Buchenwald

Quelle: dpa

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1938 hatten die Nazis bereits etwa 60 000 Menschen in die Lager gesteckt, schreibt das Deutsche Historische Museum. Mit dem Beginn des Kriegs im Osten und vor allem mit dem Beginn des Kriegs gegen die Sowjetunion 1941 erhielt die NS-Vernichtungspolitik dann eine völlig neue Dimension. Die NS-Führung beschloss die "Endlösung der Judenfrage". Nur wenige Menschen konnten die Alliierten vor der Ermordung retten, das KZ Buchenwald erreichten die Amerikaner am 11. April 1945, das Bild zeigt Häftlinge nach der Befreiung.

A historic picture of a general view of the concentration camp Buchenwald is displayed at the historic exhibition at former concentration camp Buchenwald near Weimar

Quelle: REUTERS

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Das Ziel der Ausrottung der Juden, des Mordes an Millionen Menschen, wurde mit erschreckender Nüchternheit und Akribie organisiert - vom Zusammentreiben der zu Deportierenden, über den Bahnverkehr bis hin zur routinierten Selektion und den geradezu industriell ablaufenden Massentötungen in den Lagern, die nun auch auf polnischem Gebiet in großer Zahl entstanden. Zumindest in der Organisation und Architektur der Konzentrationslager konnten die Nationalsozialisten auf ihre Erfahrungen in den Lagern auf deutschem Boden zurückgreifen. Dachau oder Sachsenhausen bei Berlin dienten als "Mörderschulen der SS". Und Sachsenhausen hatten Architekten zudem als "idealtypisches KZ" entworfen: Auch architektonisch sollte hier die Allmacht der SS zum Ausdruck kommen, indem alle Gebäude auf die SS-Lagerleitung hin ausgerichtet waren, wie es auf der Seite der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen heißt. Ähnlich wurde beispielsweise auch das Konzentrationslager Buchenwald aufgebaut, das auf dem Foto in einer Luftaufnahme zu sehen ist.

Abgemagerte Kinder im KZ Auschwitz-Birkenau

Quelle: DPA

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Auch was grausamste Menschenversuche anging, wurde Auschwitz mit dem KZ-Arzt Josef Mengele zum Symbol für die Perversion und Menschenverachtung des NS-Regimes. Mengele zwang vor allem Zwillinge, Kinder und Kleinwüchsige zu Experimenten - die nur wenige überlebten. Tausende fielen dem "Todesengel von Auschwitz" zum Opfer. Doch auch auf diesem Gebiet stand Auschwitz keinesfalls allein.

Medizinische Versuche an Häftlingen im KZ Dachau

Quelle: SZ Photo

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Auch in anderen Konzentrationslagern wurde an Menschen experimentiert. In Dachau wurden Häftlinge extremen physischen Bedingungen ausgesetzt, um kältefeste Ausrüstungen für deutsche Piloten zu entwickeln: Die Opfer wurden hohem Druck ausgesetzt oder extremer Kälte, wie auch dieser Mann. So sollte herausgefunden werden, was der menschliche Körper aushält - und was nicht. In Ravensbrück oder Buchenwald wurden Häftlinge mit Krankheiten infiziert, um so Medikamente an ihnen zu testen. KZ-Insassen mussten Kampfgase einatmen oder Meerwasser trinken. Die Versuchsopfer mussten massive Schmerzen ertragen und überlebten die Grausamkeiten oft nicht.

75 Jahre Zweiter Weltkrieg - Zwangsarbeit

Quelle: dpa

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Auch Zwangsarbeit musste in den KZs geleistet werden - unter brutalen und unmenschlichen Bedingungen. Die geschwächten, unterversorgten Menschen mussten schwere körperliche oder auch gefährliche Arbeiten verrichten und waren dabei immer der Willkür des Wachpersonals unterworfen. Sie arbeiteten in Steinbrüchen oder auch im Straßenbau. Auf dem Foto sind Häftlinge des KZ Neuengamme zu sehen, die einen Kanal ausheben. "In jeder größeren deutschen Industriestadt waren die morgens und abends unter Bewachung marschierenden Arbeitskolonnen ... eine vertraute Erscheinung im Straßenbild", schreibt der Historiker Hans-Ulrich Wehler.

Sklavenarbeit im KZ Dachau

Quelle: dpa

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Auch für die Rüstungsindustrie spielten die Sklavenarbeiter aus den Lagern eine entscheidende Rolle. So stellten Insassen des KZ Dachau zum Beispiel Waffen her (Foto). Vor allem gegen Ende des Kriegs arbeiteten im Rüstungsbereich fast eine halbe Million Zwangsarbeiter, so Historiker Wehler. Die brutalen Bedingungen, unter denen die Menschen sich hier zu Tode schufteten, sind auf dem Foto allerdings nicht sichtbar.

Giftgas-Produktionsstätte der IG Farben in Auschwitz-Monowitz

Quelle: DPA

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Das Konzentrationslager Auschwitz besaß fast 40 Außenlager, in denen die hungernden und kranken Zwangsarbeiter für die deutsche Industrie schuften mussten. Der Tod dieser Sklavenarbeiter war Teil des Konzepts. Ihre Lebenserwartung lag durchschnittlich zwischen vier Wochen und drei Monaten. "Vernichtung durch Arbeit" lautete das grausame Konzept. Besonders perfide: In Auschwitz-Monowitz (im Bild) mussten die Häftlinge für die IG Farben Zyklon B produzieren - das Blausäurepräparat, mit dem in den Vernichtungslagern Hunderttausende, vor allem jüdische Menschen, ermordet wurden.

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Quelle: AFP

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Hunger, Krankheiten, unzumutbare körperliche Arbeiten, Folter und Demütigungen waren für die Gefangenen in allen Konzentrationslagern Alltag. Auf dem Foto ist eine Gruppe von Wachmännern zu sehen, die einem Juden die Haare schneidet - und sich offenbar darüber belustigt (auf dem Bild soll Adolf Eichmann, 2. v. re., zu sehen sein; die ursprüngliche Ortsangabe "Bergen-Belsen" kann aufgrund der anwesenden nichtdeutschen Wachleute und des gedemütigten wohl osteuropäischen jüdischen Häftlings bezweifelt werden). Häftlinge wurden schikaniert oder willkürlich hingerichtet. Überall.

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Quelle: imago stock&people

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Dennoch stießen die Nationalsozialisten mit der Einrichtung des Lagers Auschwitz und der Lager Majdanek (im Bild die Eingänge zu den Gaskammern), Belzec, Chelmno, Sobibor und Treblinka in eine neue Dimension des Schreckens und der Barbarei vor. Denn diese Lager, die nach und nach ab dem Herbst 1941 im besetzten Polen entstanden, dienten explizit der "Vernichtung der Juden". Die Menschen hier sollten nicht leben, sondern sie sollten getötet werden, sei es langsam durch Arbeit oder unmittelbar nach ihrer Ankunft in den Gaskammern.

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Quelle: AFP

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Trotz der absehbaren militärischen Niederlage der Deutschen betrieben die Nazis die Konzentrationslager so lange es ihnen möglich war. Die Amerikaner befreiten als letztes KZ das nahe Linz gelegene Mauthausen am 5. Mai 1945. Bis dahin waren dort etwa 100 000 Menschen umgebracht worden. Eine Woche zuvor waren die letzten Häftlinge vergast worden.

© SZ.de/mane/odg/cat
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