bedeckt München
vgwortpixel

Guttenberg-Biographie:"Er hängt an seinem Amt"

Ein Jahr lang haben Lohse und Wehner recherchiert, mit Weggefährten und Verwandten gesprochen. Sie haben 400 Seiten gefüllt und 203 Fußnoten gesetzt. Das Ergebnis ist eine deutlich kritische Annäherung an Guttenberg und seine "Souveränitätsshow". Das Buch ist auch getragen von Misstrauen gegenüber einem Politiker, der mit der "Blattgoldspraydose unterwegs" ist. "Es sollte von Anfang an eine Biographie werden, die versucht, ihm gerecht zu werden", sagt Lohse. "Kritisch, aber mit Anspruch der Fairness."

CSU-Vorstandssitzung

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auf dem Weg zur CSU-Vorstandssitzung. Horst Seehofer sagte kurzfristig als Laudator für die Vorstellung der Biographie ab.

(Foto: dapd)

Wäre Seehofer gekommen, er hätte nicht beiden gerecht werden können: Dem Buch und seinem Gegenstand. Was die Autoren skizzieren, lässt Guttenbergs Verhalten in den vergangenen zwei Wochen konsequent erscheinen: "Er wollte in jedem Bereich großartig sein", sagt Wehner über den Verteidigungsminister, "auch da, wo er nicht das leisten kann, was er gern leisten würde."

Der Historiker spricht über Guttenbergs frisierten Lebenslauf, seine Familiengeschichte, seinen Elitenbegriff. Es ist sehr ruhig im Saal, nicht nur weil das Mikrofon zu leise eingestellt ist. Alle wollen mehr wissen über das Phänomen Guttenberg."Er ist ein sehr impulsiver, hochemotionaler Mensch", sagt Lohse. Die politische Karriere des fränkischen Freiherrn sei stets von Kairoi geprägt, günstigen Zeitpunkten, dem Gespür für Gelegenheiten, sagt der Hauptstadtjournalist.

Guttenbergs Überleben

Sein Kollege Wehner dröselt derweil das System Guttenberg auf: Wie er Verantwortung auf andere abwälzt, das Zugeben von Fehlern zum Selbstwert stilisiert, in den Zustimmungswerten seinen einzigen, aber umso mächtigeren Verbündeten hat. "Diesmal ist es anders: Es gibt keinen, den er verantwortlich machen kann, und wenn es einen gäbe, dann könnte er es erst recht nicht sagen", sagt Wehner in Anspielung auf Gerüchte um einen Ghostwriter.

Die Frage, die das politische Berlin regiert, dominiert auch diesen Abend: die Frage nach Guttenbergs Überleben. Während an den Bistrotischen bei Erbsenpüree und Currywurst spekuliert wird, ob er es noch bis zur Wahl in Baden-Württemberg am 27. März schaffe, wagt Guttenberg-Kenner Lohse eine Prognose: "Guttenberg hat so oft mit seinem Rücktritt gedroht, dass ich es inzwischen nicht mehr ernst nehme", sagt er. "Ich glaube, dass er sehr viel mehr am Amt hängt, als er uns einreden will."

Die Einleitung für die überarbeitete Auflage der Biographie ist bereits geschrieben, sie endet mit folgendem Satz: "Eines jedoch ist klar, ganz gleich wie die Sache ausgehen wird. Die Geschichte von K.T. Guttenberg und Deutschland ist noch nicht zu Ende." Mit dieser Prognose jedenfalls dürften die Autoren richtig liegen.

Guttenberg und die Plagiatsaffäre

Abgeschrieben