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Grünen-Politikerin Steffi Lemke:Wann bricht die Welle?

sueddeutsche.de: Kann es nicht einfach sein, dass die Grünen auf der aktuellen Protestwelle draußen im Land nur bequem mitschwimmen?

Steffi Lemke

Drei Tage wach: Steffi Lemke im Bundestagswahlkampf 2009.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Lemke: Gegen diese These spricht, dass wir seit zwei Jahren einen massiven Mitgliederzuwachs zu verzeichnen haben. Wir sind jetzt bald bei 52.000. Vor zwei Jahren waren das noch über 6000 weniger. Allein im September und Oktober haben wir 1000 Mitglieder dazu gewonnen. Wir haben unsere Neu-Mitglieder nach ihren Gründen für ihren Eintritt gefragt, und siehe da: Sie kommen nicht nur zu uns wegen Stuttgart 21 oder wegen der Atompolitik - ihnen geht es vor allem um die grundsätzlichen Fragen von Klimaschutz, Ökologie, Gerechtigkeit, Bildung und Frieden.

sueddeutsche.de: Wähler treffen ihre Entscheidung inzwischen wesentlich spontaner. Da liegt "Grün" offenbar im Trend.

Lemke: Die grüne Welle geht weit über unsere Partei hinaus. Es geht um Modernisierungsprozesse und dringend notwendige neue Formen der Bürgerbeteiligung. Die Proteste gegen Stuttgart 21 oder die Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke sind auch deshalb so massiv, weil die Menschen gegen eine arrogante Basta-Politik von Schwarz-Gelb aufbegehren. Das erste Hoch in den Umfragen hatten wir übrigens schon Anfang 2010, als die Proteste gegen Stuttgart 21 noch gar nicht angefangen haben.

sueddeutsche.de: Wann bricht die Welle?

Lemke: Den Trend schätze ich als strukturell gefestigt ein. Ob die Zahlen sich in dieser Höhe verfestigen, vermag ich nicht zu sagen. Aber der Trend geht Richtung Grün und lässt uns zuversichtlich sein, dass wir bei allen kommenden Wahlen ab März unsere Ergebnisse verbessern.

sueddeutsche.de: Im Moment scheint "Grün" ja so eine Art Selbstläufer zu sein.

Lemke: Hinter dem, was Sie "Selbstläufer" nennen, steckt harte politische Arbeit. Uns ist nichts in den Schoß gefallen! Das alles müssen wir mit vergleichsweise wenig Ressourcen und mit dem geringsten finanziellen Budget im Vergleich zu allen anderen Parteien im Bundestag stemmen. Und keine Fehler machen, ist ja oft genug der härteste Job.

sueddeutsche.de: Wo kommen die Menschen her, denen in den vergangenen zwölf Monaten plötzlich Grün als Alternative eingefallen ist?

Lemke: Nach allem, was uns die Umfrageinstitute sagen, kommen sie zum allergrößten Teil aus dem Lager der Nichtwähler und aus dem SPD-Lager. Vermutlich gewinnen wir in den letzten Wochen auch Wähler von CDU und FDP, seit dieser massive Vertrauensverlust gegenüber der schwarz-gelben Koalition eingesetzt hat. Zum kleineren Teil finden Wähler der Linkspartei zu uns. Dazu haben wir aber keine belastbaren Zahlen. Wir gewinnen auch bei älteren Wählern inzwischen deutlich hinzu. Das ist eine Entwicklung, die mich wirklich freut. Bei den Jungen waren wir immer schon stark und das verfestigt sich auch. Besonders ausschlaggebend ist aber: Wir haben die höchste Haltequote aller Parteien. Die, die uns bei der Bundestagswahl gewählt haben, würden dies heute immer noch tun. Darin drückt sich starkes Vertrauen in uns aus.

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