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30 Jahre Grüne:Die Anti-Parteien-Partei

Sie waren ganz anders und außerdem gegen alles. Heute sind die Grünen und ihre Themen im Mainstream angekommen. Die Geschichte der Partei in Bildern.

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Haussleitner Mann Gruhl Schüttler plagemann Kerschgens Vordermeister, AP

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Sie waren ganz anders und außerdem gegen alles - heute sind die Grünen und ihre Themen im Mainstream angekommen. 30 Jahre Parteigeschichte in Bildern.

Die "Anti-Parteien-Partei" geht am 13. Januar 1980 aus Friedensaktivisten, Umweltschützern, Feministinnen, Sozialisten und anderen alternativen Strömungen hervor. Auf vier Prinzipien kann sich die bunte Truppe einigen: Die Bewegung soll "sozial, ökologisch, basisdemokratisch und gewaltfrei" sein. Bei der Bundestagswahl im Oktober 1980 erhält die junge Partei aus dem Stand 1,5 Prozent .

Mitglieder der ersten Stunde - von links nach rechts: August Haussleitner, Norbert Mann, Herbert Gruhl, Gisela Schüttler, Dietrich Wilhelm Plagemann, Karl Kerschgens und Alfred Vordermeister. Foto: AP

Schily Kelly, AP

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Die Grünen profilieren sich bald als linke Protestpartei mit den Hauptanliegen Frieden und Atomausstieg. Petra Kelly (r.) gilt bis zu ihrem Tod 1992 als Galionsfigur der Grünen. Besonders setzt sie sich für Menschenrechte und Minderheitenschutz ein - zum Beispiel für die Situation in Tibet und den Schutz ungeborenen Lebens.

Auch der spätere Innenminister Otto Schily (l.) gehört zu den Gründungsmitgliedern der Grünen. Nach neun Jahren wechselt er jedoch zur SPD.

Zusammen mit Schatzmeister Lukas Beckmann 1983 vor dem Bonner Bundestag. Foto: AP

Kohl Kelly dpa

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An der Protesthaltung ändert sich nichts, als die Grünen 1983 in den Bundestag einziehen. Nur drei Jahre nach ihrer Gründung erreichen sie 5,6 Prozent und erhalten 27 Mandate.

Anders als die anderen Parteien haben die Grünen zwei Prinzipien, um Machtmissbrauch und Ämterhäufung zu verhindern: Nach dem sogenannten Rotationsprinzip werden alle Ämter turnusmäßig neu besetzt. Außerdem schreibt die Satzung der Partei eine Trennung vom Amt und Mandat vor. Demnach dürfen Parlamentarier bestimmte Parteiämter nicht wahrnehmen.

Helmut Kohl nimmt die Wahl zum Bundeskanzler an. Beobachtet wird er dabei von Petra Kelly (l.) und Marieluise Beck-Oberdorf. Foto: dpa

Gruene Bundestag, AP

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Die erste Generation der Grünen im Bundestag wirkt exotisch und auch etwas verloren. Die Mitglieder der jungen Fraktion schauen zu, wie die Alteingesessenen regieren. Von den anderen Abgeordneten werden sie geschnitten und beleidigt. "Früher auf dem Bau hat man solche Dinge mit der Dachlatte erledigt", kommentiert der hessische Ministerpräsident Holger Börner (SPD) die Proteste der Grünen.

Die grünen Parlamentarier Dieter Drabiniok und Gert Jannsen; Foto: AP

Fischer Vereidigung, dpa

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Das ändert sich 1985 - zumindest auf Landesebene. Die hessische SPD nimmt die Grünen als Koalitionspartner ernst und Joschka Fischer übernimmt als erster Grüner einen Ministerposten. Die Turnschuhe, die der Umweltminister bei seiner Vereidigung trägt, werden zum Symbol für die Andersartigkeit der Grünen.

Hessens damaliger SPD-Ministerpräsident Holger Börner (links) vereidigt Joschka Fischer im hessischen Landtag in Wiesbaden. Foto: dpa

Ditfurth Hermann, AP

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Als Gegenspielerin zum mitregierenden "Realo" Joschka Fischer gilt Jutta Ditfurth (re.) vom Parteiflügel der "Fundis", die sich mehr an ökologischen und sozialistischen Idealen als an der Regierungsverantwortung orientieren. 1987 wird die Mitbegründerin der Grünen in den Vorstand gewählt. Doch da sich Ditfurth mit ihren Ideen in der Partei auf Dauer nicht durchsetzen kann, gibt sie 1991 ihre Mitgliedschaft bei den Grünen auf.

Im baden-würtembergischen Calw demonstriert Ditfurth gemeinsam mit dem Vertreter der Landesfraktion, Winfried Hermann. Foto: AP

Bündnis90 Die Grünen Kernkraft, AP

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Auch in der DDR gibt es seit 1984 eine grüne Bewegung, die einhergeht mit den Bestrebungen für mehr Bürgerrechte und Demokratie. Nach der Wende gründen die ostdeutschen Grünen und Bürgerrechtler unter dem Namen Bündnis 90 eine Partei. 1993 erfolgt der Zusammenschluss mit der westdeutschen Partei und sie benennen sich in Bündnis 90/Die Grünen um.

Während des ersten gemeinsamen Parteitags von Ost- und West-Grünen protestieren Parteimitglieder gegen Kernkraft. Foto: AP

Fischer Kuhn, AP

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Im Laufe der neunziger Jahre passen sich die Grünen immer mehr an die anderen Parteien an. Bei der Bundestagswahl im September 1998 erhalten die Grünen 6,7 Prozent der Stimmen und wollen zusammen mit der SPD regieren. Für die Koalitionsverhandlungen brauchen die grünen Spitzenpolitiker Fritz Kuhn (l.) und Joschka Fischer jede Menge Ausdauer.

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Schröder Fischer Lafontaine, dpa

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Und sie sind erfolgreich: SPD und Grüne bilden 1998 die erste rot-grüne Regierung auf Bundesebene. Joschka Fischer wird Vizekanzler und Außenminister. Er und seine SPD-Koalitionspartner Kanzler Gerhard Schröder (l.) und Finanzminister Oskar Lafontaine (r.) haben zunächst gut lachen über ihren Verhandlungserfolg.

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Farbbeutel Fischer Trittin, dpa

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Für viele Grüne verrät Fischer jedoch urgrüne Ideale, sobald er mitregiert. Er übergeht die Idee von Gewaltlosigkeit und Pazifismus, als er sich in der Rolle des Außenministers für den Nato-Einsatz im Kosovo ausspricht. Auf einer Bundesversammlung der Grünen in Bielefeld bekommt er dafür die Quittung und wird mit einem Farbbeutel attackiert.

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Atomkraft Atomausstieg Grüne, dpa

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Andere Ziele können die Grünen besser durchsetzten: Jürgen Trittin ist es, der als Umweltminister den Atomausstieg nach vorne bringt. Im Juni 2001 unterzeichnen die Vertreter der Energieunternehmen zusammen mit der Bundesregierung den Atomkonsensvertrag. Zuvor hatten die Grünen einfallsreich für ihre Ideale demonstriert. Zum Beispiel blockieren sie 2000 den Zugang der Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen in Karlsruhe.

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Grüne, dpa

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Ähnlich kreativ wie ihr Protest gegen Atomkraft ist ihre Kampagne zur Bundestagswahl 2005. Bundesvorsitzende Claudia Roth kann ihre Ziele trotzdem nicht ganz umsetzen - die Grünen verlieren die Regierungsbeteiligung. Mit 51 Sitzen bildet Bündnis 90/Die Grünen die kleinste der Oppositionsfraktionen.

Ein Jahr später verabschiedet sich dann Joschka Fischer aus der Fraktion. Die Grünen müssen nun ohne ihr Zugpferd zurechtkommen.

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Künast Trittin, dpa

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Ihre Kondition verlieren die Grünen in der Opposition nicht. Die Spitzenkandidaten Renate Künast und Jürgen Trittin erreichen bei der Bundestagswahl 2009 genau 10,7 Prozent, bleiben aber in der Opposition.

Bundesparteitag in Erfurt 2008. Foto:dpa

Beust Götsch dpa

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Um wieder in die Regierungsverantwortung zu kommen, gehen die Grünen neue Partnerschaften ein. Die erste schwarz-grüne Koalition auf Landesebene nimmt im Mai 2008 ihre Arbeit auf. In Hamburg wagen CDU-Bürgermeister Ole von Beust und Christa Götsch von der Grün-Alternativen-Liste das Experiment.

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Jamaika-Koalition Grüne, dpa

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Im Saarland bildet sich 2009 die erste sogenannte Jamaika-Koalition Deutschlands, ein Bündnis zwischen Union, FDP und den Grünen. Die Partei entscheidet sich für die Koalition mit Konservativen und Liberalen und gegen ihre vermeintlich "natürlichen" Koalitionspartner SPD und Linkspartei, mit denen sie auch eine Mehrheit gehabt hätten.

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Özdemir Grüne, ddp

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Mit den neuen Koalitionen emanzipieren sich die Grünen von der SPD und verweigern sich dem traditionellen Links-rechts-Schema in der Parteienlandschaft. Doch neben neuen Partnern brauchen die Grünen auch neue Themen. Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Grünen, behauptet zwar: "Grün können nur wir." Doch Ökologie ist inzwischen ein Thema in allen Parteien. Die Grünen sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen - und die Mitte der Gesellschaft bei den Grünen.

Foto:ddp

Text: sueddeutsche.de/lmne/bavo/jja

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