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Friedrich der Große:Der schwule Fritz

Friedrich der Große

Friedrich der Große auf einer Zeichnung, die einem Gemälde von Anton Graff nachempfunden ist.

(Foto: Scherl)

Friedrich II. vertraute seinem Kammerdiener Fredersdorf blind bei Geld, Spionen und Hämorrhoidenleiden. Der Briefwechsel zeigt den Preußen-König ohne Legende - dafür voller Liebe.

Oliver Das Gupta

"Ich küsse den Docter, wan er Dihr gesundt macht! (...)...ich wollte Dihr so gerne helffen, als das ich das leben habe", versicherte Friedrich II. in einem seiner vielen Briefe seinem engsten Vertrauten Michael Gabriel Fredersdorf. Offiziell bekleidete der viele Jahre kränkelnde Empfänger ein Amt mit dem schnöden Titel "geheimer Kämmerier" des preußischen Monarchen.

Tatsächlich kumulierte sich bei dem Diener immense Macht, er übte wichtigste Funktionen aus: Fredersdorf verwaltete Friedrichs Schatulle, kontrollierte den Zugang zum Monarchen, orderte Künstler und Kunstwerke, installierte sogar die wohl erste preußische Spionageabwehr. "Le grand factotum du roi Frédéric", nannte ihn Voltaire, Fredersdorf war Friedrichs "Mädchen für alles". Ein anderer Zeitzeuge bezeichnete ihn als heimlichen "Premierminister", der "im Grunde alle Hofämter" ausfülle.

Der Diener sei, so gestand der König seinem Bruder August Wilhelm vor einer Schlacht, einer der sechs Menschen, die er "am meisten geliebt" habe. Und doch spielen jener Fredersdorf und sein Verhältnis zum Alten Fritz in der Fachliteratur bislang höchstens eine Nebenrolle.

Der 300. Geburtstag des knorrigen Preußenkönigs hat zu einer wahren Schwemme an Publikationen geführt. Friedrich, der schon zu Lebzeiten "der Große" genannt wurde, avancierte nach seinem Ableben 1786 zum deutschen Universalheroen: Da ist der geniale wie todesmutige Feldherr, der mit den eigenen Truppen ins Kampfgetümmel galoppierte. Und der aufgeklärte Absolutist, der Toleranz predigte und sich als erster Diener des Staates verstand. Schließlich der Schöngeist, der komponierte und Flöte spielte, der philosophische Abhandlungen und Gedichte verfasste, mit den Größen seiner Zeit korrespondierte und Voltaire an seinen Hof nach Sanssouci holte.

Generationen nach ihm beriefen sich immer wieder auf den Mann, der am 24. Januar 1712 zur Welt kam. Dass der König Zynismus und bisweilen Gemeinheiten verspritzte und auch in seinen Regierungsgeschäften bei weitem nicht immer glücklich agierte, wurde von einer wuchtigen Verklärung überdeckt. Friedrich, das war Vorbild und Maßstab, das war der Beweis von Preußens Größe und Deutschlands Überlegenheit: "Ein Nachfolger Friedrichs des Großen dankt nicht ab", verkündete folgerichtig Kaiser Wilhelm II. noch 1918 - wenige Monate später floh das labile Großmaul ins Exil.

Auch die Nazis beriefen sich auf den Preußenkönig

Die Nationalsozialisten stellten Adolf Hitler in eine Reihe mit Friedrich, dem Reichsgründer Otto von Bismarck und dem Weltkriegshelden Paul von Hindenburg: der Hohenzollernfürst als Vorläufer für einen durchgeknallten Völkermörder. Dabei stellte der "subtile, Französisch sprechende, sexuell ambivalente Flötenspieler" genau das dar, was der nationalsozialistischen Ideologie zuwiderlief, wie der britische Historiker Christopher Clark einmal formulierte.

Noch im April 1945 klammerte sich Hitler an den Nimbus Friedrichs, der in Schlachten triumphierte und trotz mancher Niederlage den Krieg nicht verlor. Als einziger Wandschmuck im Führerbunker diente ihm ein Porträt des Hohenzollern.

Wenige Jahre zuvor überraschte Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß den Tyrannen zum 50. Geburtstag mit einem besonderen Präsent: Er schenkte ihm Dutzende Briefe Friedrichs an Fredersdorf, die prima zur antisemitischen Staatsdoktrin passten. Die Korrespondenz enthielt judenkritische und judenfeindliche Äußerungen des Königs. Was die Nazis bei der Durchsicht der erst wenige Jahre zuvor aufgetauchten Briefe ignorierten: der intime Ton, in dem sich der König und Fredersdorf austauschten.

Historisch wertvoll sind die etwa 300 erhaltenen oder dem Inhalt nach bekannten Papiere, weil sie Fridericus Rex ohne Legende zeigen. Fern der Etikette schrieb der König Klartext mit "dem einzigen ihm wirklich Vertrauten" (Biograph Christian von Krockow). Beide verband wohl auch eine Beziehung, die, zumindest zeitweise, auch körperlicher Natur war. "Vermutlich hatten die beiden am Anfang auch Sex", sagt die Historikerin Eva Ziebura in der Welt und fügt hinzu: "Im 18. Jahrhundert stellte man sich da nicht so an."

Als ob ein schwuler Herrscher eine Schande wäre

Fredersdorf habe Friedrich in frühen Jahren "in mehr als einer Weise zur Aufmunterung" gedient, schrieb seinerzeit der mit Friedrich zeitweise verkrachte Voltaire. Später interessierte sich Friedrich für andere Männer, doch dessen ungeachtet blieb das Verhältnis unverändert eng - und Fredersdorfs Kompetenzen wuchsen im Hintergrund. Mit Blick auf die mächtige Mätresse des französischen Königs Ludwig XV. hat der Münchner Friedrich-Biograph Wolfgang Burgdorf einen passenden Titel für Fredersdorf: "preußische Pompadour".

Bis in die Gegenwart scheuen sich viele Geschichtswissenschaftler, die Neigung Friedrichs zu Männern zu thematisieren. Als ob ein schwuler Herrscher eine Schande wäre, als ob die Homosexualität Friedrichs seine historische Größe schrumpfen würde.

Der Historiker Johannes Kunisch etwa beharrt darauf, dass es "keinen ernstzunehmenden Hinweis" auf seine Homosexualität gebe. Eine gewisse Empörung ist manchen Autoren durchaus anzuermerken: "Sind heutige Schulmädchen, die sich, wie es in Mode gekommen ist, zur Begrüßung auf den Mund küssen, gleich Lesben?", fragt der Journalist Tom Goeller in seiner Abhandlung Der Alte Fritz.

Hans Joachim Neumann, langjähriger Klinikdirektor an der Berliner Charité, schrieb schon vor Jahren in seinem Friedrich-Buch, der König habe sich nur homosexuell verhalten - wenn er zum Beispiel seine "wahre Achtung für den griechischen Geschmack in der Liebe" kundgetan habe. Doch für eine "echte Homosexualität" würden die Beweise fehlen, behauptete der Mediziner.

Die Mär vom verstümmelten König

Nach wie vor berufen sich viele Historiker auf die bizarre These, die Friedrichs letzter Leibarzt Johann Georg Zimmermann wenige Jahre nach dem Ableben in die Welt setzte. Er wollte das Gerücht entkräften, "Friedrich habe geliebt, wie man sagt, dass Socrates den Alcibiades liebte". Fritz habe in seiner Jugend angeblich Affären mit Frauen gehabt, heisst es immer wieder. Doch dann habe seine Lust plötzlich geendet.

Zimmermanns Erklärung lautet: Friedrich habe sich als Kronprinz bei amourösen Abenteuern eine Geschlechtskrankheit zugezogen. Um den "heftigen venerischen Samenfluß" zu stoppen, sei ein "grausamer Schnitt" vonnöten gewesen. Friedrich, untenherum verstümmelt, habe sich fortan für zeugungsunfähig gehalten. Deshalb habe er sich auch nicht vor anderen entblößt.

Schloss und Park Sanssouci Potsdam Berlin

Luftaufnahme vom Friedrichs Schloss Sanssouci in Potsdam.

(Foto: DPA)
Der alte Fritz Brief Friedrich II. an seinen engsten Vertrauten Fredersdorf. Repro: Oliver Das Gupta

"der alte Deßauer ist verrecket": Brief Friedrichs an Fredersdorf vom April 1747. Der König meldete seinem Vertrauten den Tod von Leopold I., Fürst von Anhalt-Dessau, genannt "Der Alte Dessauer", einer seiner wichtigsten Generäle.

(Foto: Oliver Das Gupta)

Zimmermanns Kalkül ist klar: Ein teutonischer Held hatte weder asexuell, noch homosexuell zu sein - aber ein "galantes Leiden" billigte man einem solchen Idol zu.

Doch der Kniff funktioniert nicht - dafür hat der König selbst gesorgt. Seine Briefe an Fredersdorf konterkarieren die Mär vom verstockten, verklemmten Philosophenkönig, der sexuell ein Asket blieb und aus seinen Gebrechen ein Geheimnis macht: Immer wieder klagt etwa der König über seine Hämorrhoiden und erkundigt sich nach den gleichen Leiden bei Fredersdorfs. Friedrich erzählt von einem "Clistier", das seine Verstopfung gelöst habe.

In einem Brief findet sich auch eine Stelle, in der Friedrich beschrieb, dass er sich fühlt "wie die schwangeren Weiber, die unordentliche lüste haben". Potenz war sehr wohl ein Thema zwischen den beiden Freunden. In einem Schreiben empfahl der König dem maladen Fredersdorf eine Arznei, die er nicht mit anderen Mitteln mischen möge - "sonsten benimt es einem vohr Sein lebe-Tage die Männliche Krefte der liebe!"

Schon als Heranwachsender erklärte der Kronprinz einem Minister seines Vaters, wie wenig er am weiblichen Geschlecht interessiert sei. Seine hübsche Ehefrau Elisabeth Christine heiratete er widerwillig, sie lebten ein paar Jahre gemeinsam fröhlich nebeneinander in Rheinsberg. Friedrich spielte Ehemann.

Als er die Kunde von Friedrich Wilhelms Tod erhalten hatte, erklärte er Fredersdorf, die "Posse" habe nun ein Ende. Der neue König schob seine Gemahlin ab, Sanssouci durfte sie nie betreten. Madame seien "korpulenter" geworden, beschied er Elisabeth Christine boshaft, nachdem sie sich sechs Jahre nicht gesehen hatten. "Friedrich hatte einen körperlichen Ekel vor Frauen, er war unfähig, mit ihnen zu schlafen", sagt Historiker Burgdorf zur Süddeutschen Zeitung.

Friedrich hielt sein geliebtes Potsdamer Schloss weitgehend frauenfrei, mit manchen korrespondierte er aber gerne, wie mit seinen Schwestern oder mit Sophie Gräfin Camas, die er "Mutter" nannte. Einmal schockierte er eine Tischgesellschaft mit einem Ausfall gegen "garstige Weiber, die man schon auf zehn Meilen in der Runde röche". In den Briefen mit Fredersdorf zeigen beide Männer offen, was sie von Frauen halten: Wenn es um das Engagement von Künstlerinnen geht, sprechen sowohl der Diener, als auch der König von "Huren".

Friedrich mit Dietrich

Friedrich zeigte zu Lebzeiten früh, dass er sich zu Männern hingezogen fühlte, was seinem Vater, dem groben Soldatenkönig Friedrich Wilhelm nicht verborgen blieb. Er demütigte und schlug den Kronprinzen öffentlich: Zu weich sei er und zu weibisch, beschied der cholerische Herrscher seinem Sohn - und legte ihm gar den Freitod nahe.

Historiker Wolfgang Burgdorf meint, dass die väterlichen Schmähungen und seine Sexualität teilweise seine waghalsige Politik als König erklärt: Als ob kriegerische König Friedrich II. seinem toten Vater beweisen wollte, ein hartes Mannsbild zu sein.

Zu Friedrichs Lebzeiten mussten Homosexuelle die Todesstrafe fürchten, vor seiner Thronbesteigung gab es ein drastisches Exempel: Ein gewisser Andreas Lepsch wurde um 1730 in Potsdam bei lebendigem Leibe verbrannt - König Friedrich Wilhelm bezahlte die Hinrichtung.

Der Monarch drangsalierte seinen Sohn massiv wegen seiner Neigung: "Friedrich Wilhelm nannte den Thronfolger einen 'Sodomiten' und 'effeminiert'", sagt Biograph Burgdorf. Der Historiker hat in seinem Friedrich-Buch die gleichgeschlechtlichen Amouren des schwulen Fritz gebündelt: Etwa die Episode um den Pagen, in den sich der junge König und sein ebenfalls homosexueller Bruder Heinrich verliebt hatten - und den Friedrich schlechtredete, indem er behauptete, er habe "den Tripper und fleischige Schultern".

Oder Friedrichs "zärtliches" Verhältnis zu seinem Stallmeister: "Kein Liebhaber kann angenehmer und verbindlicher umgehen", als Friedrich mit Dietrich von Keyserling, notierte ein Kriegsrat. Auf einen anderen Favoriten, den Vorleser Claude Etienne Darget, verfasste Friedrich das Gedicht Palladion: Darin berichtet der imaginäre Darget von Exzessen, die er in einem von Jesuiten geführten Knabeninternat erlebt hat. Friedrich lässt die Lehrer schwule Liebespaare der Weltgeschichte aufzählen, von Cäsar dem "Weib aller Römer", bis zu Jesus und seinem Lieblingsjünger Johannes - so blasphemisch dichtete der König. Ein anderer Vorleser verfasste ein Gedicht für den König, in dem er Friedrich als seine "Geliebte" huldigte. Die Liste der Beispiele ließe sich fortsetzen.

Voltaire, der als erster die Neigungen des Monarchen öffentlich thematisierte, pflegte Friedrich Luc zu nennen. Andersherum gelesen, heißt es cul - die französische Bezeichnung für das menschliche Hinterteil.

Eine Kusshand für den todgeweihten Freund

Auch in Friedrichs Post an Fredersdorf finden sich bisweilen homoerotische Anspielungen: Einmal schrieb er von seinem Pagen Carel, den er gekitzelt habe, bis dieser "quiekte". Ein anderes Mal schrieb er seinem Vertrauten, der blonde Halbwüchsige habe sich die Nase blutig gekratzt - er müsse Carels "Pfoten" auf dem Rücken zusammenbinden.

"Ich habe Wollüste genossen, die ich nie wieder genießen werde", schwärmte der homosexuelle Archäologe und Schriftsteller Johann Joachim Winckelmann von seinem Besuch in Sanssouci 1752 und fügte in Anspielung auf die antike Knabenliebe hinzu: "Ich habe Athen und Sparta in Potsdam gesehen und bin mit einer anbetungsvollen Verehrung gegen den göttlichen Monarchen erfüllet."

Michael Gabriel Fredersdorf

Michael Gabriel Fredersdorf, geboren 1708 in Gartz an der Oder; verstorben am 12. Januar 1758 in Potsdam. Der Diener sei, erklärte Friedrich II. einmal, einer der sechs Menschen, die er am meisten geliebt habe.

Einschneidend prägte Friedrich schon als Kronprinz die unglückliche Liebe zu seinem Jugendfreund Hans Herrmann von Katte. Zusammen mit dem Leutnant wollte Friedrich vor seinem grausamen Vater fliehen - man könnte auch sagen: durchbrennen. Der dilettantische Versuch misslang, der tobende König wollte zunächst seinen Sohn umbringen, schließlich begnügte er sich mit Katte. Der junge Friedrich musste der Enthauptung in Küstrin zusehen. Bevor der Scharfrichter den Leutnant köpfte, warf der Prinz seinem Freund noch eine Kusshand zu und bat seinen "mon cher Katte" um Vergebung.

Danach erschien Michael Gabriel Fredersdorf auf der Bildfläche: Er war 1708 im pommerschen Gartz zur Welt gekommen und stammte aus kleinen Verhältnissen. Sein attraktives wie einnehmendes Äußeres bezeugen mehrere Quellen - und er spielte Flöte. Fredersdorf wurde dem völlig niedergeschlagenen Prinzen, der noch um Katte trauerte, von der preußischen Generalität in Küstrin gezielt zugeführt. "Sie sahen: der Kronprinz braucht etwas", sagt Historiker Burgdorf, "das soll er bekommen in Gestalt von einem, der dem Staat nicht gefährlich wird: dem Soldaten Fredersdorf." Das war 1730.

Devote Briefe von Voltaire an den Vertrauten des Königs

Zehn Jahre später, bei Friedrichs Thronbesteigung, machte ihn der neue Souverän zum Geheimkämmerer - und zum reichen Mann: Der ansonsten auf Standesunterschiede achtende König schenkte seinem Diener das Rittergut Zernikow. In der Folge erwirtschaftete Fredersdorf ein Vermögen: Er gründete in Köpenick und Spandau Brauereien, dazu eine Ziegelei, eine Seidenraupenzucht, in Südamerika kaufte er sich eine Plantage und mischte mit einem eigenen Schiff im Seehandel mit.

Daneben betrieb er in der Berliner Friedrichstraße 210 ein Alchemie-Labor, in dem er vergeblich versuchte, Gold herzustellen. Fredersdorf starb als einer der reichsten Männer Preußens - und blieb offiziell dennoch nur Kammerdiener.

Tatsächlich war Fredersdorf ein allgewaltiger Strippenzieher, an den sich selbst die Königin wandte, dem selbst Voltaire Briefe schrieb, die mit der Formel enden: "Ihr ganz ergebener gehorsamster Diener Voltaire". Fredersdorfs Briefe an den König sind devot gehalten, er sprach ihn stets mit "Majestät" an, während Friedrich ihn duzte.

Dennoch zeugen auch die Zeilen des Dieners von Nähe und Herzlichkeit: Mal wollte er dem König den Rock küssen, mal die Füße. Fredersdorf schickte ihm eine wollene Binde gegen die Schmerzen im royalen Leib, zu anderer Gelegenheit erkundigte er sich, wann sein Herr nach Potsdam käme: "sonst werde ich ein rechtes Camer-Luder". Fredersdorf beteiligte sich nicht an den intellektuellen Diskursen von Friedrichs Tischgesellschaften, (bei denen mitunter der Ton so derb war, dass sich der gern lästernde Voltaire in einem "Bordell" wähnte), stattdessen zeigt der Diener seine Eigenschaften als Macher.

Stets ein "gottbewahredihr!" für Fredersdorf

Auch nachdem sich Fredersdorfs Gesundheitszustand verschlimmerte, schonte er sich nicht - obwohl der König ihn anflehte, zu pausieren. Die Briefe des Herrschers aus den letzten Lebensjahren des Dieners strotzen vor liebevoller Sorge, Gesundheitstipps und Warnungen vor ärztlichen "Charlatanen". Seine Briefe an Fredersdorf schloss er fast immer mit: "gottbewahredihr!".

Schließlich riet Friedrich seinem Kämmerer zur Heirat mit der Bankierstochter Caroline Marie Elisabeth Daum, auf dass ihn eine Frau versorgt und pflegt. Die Ehe verlief kinderlos, seine Frau lebte als "Jungfrau unter tausend Kümmernissen", wie der Dichter Achim von Arnim, ein Enkel aus der zweiten Ehe von Daum, über seine Großmutter später schreiben wird.

Offiziell schied Fredersdorf schließlich aus dem königlichen Dienst aus, tatsächlich arbeitete er weiterhin für Friedrich: "Schwerkrank erledigte er nur noch die Dinge für den König, die er aus dem Bett heraus machen konnte," so Historiker Burgdorf.

Fredersdorf starb 1758, während der König in der Ferne Krieg führte. Wie der König trauerte, ist nicht überliefert. Wohl aber weiß Theodor Fontane zu berichten, dass Fredersdorf vor seinem Tod angeordnet hatte, seine Patronentasche auf den Sarg zu legen, die er während seiner Zeit in Küstrin getragen hatte - damals, als er Friedrich kennenlernte.

Friedrich II., der König von Preußen, überlebte seinen Diener Michael Gabriel Fredersdorf um 28 Jahre. Der Monarch verstarb am 17. August 1786. Einsam sei der Alte Fritz verschieden, notiert Biograph Krockow, "in den Armen eines Kammerhusaren".

© Süddeutsche.de/segi

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