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Friedrich der Große:Fritzens Leben im Comic-Vorläufer

Bereits 100 Jahre nach seinem Tod war Friedrich II. längst zu Deutschlands Superkönig verklärt worden. Selbst Kindern wurde der Mythos des "Alten Fritz" nahegebracht - mitunter in Form eines biographischen Comics.

Von Oliver Das Gupta

8 Bilder

Friedrich II. König von Preussen Der alte Fritz Repro: Oliver Das Gupta

Quelle: Carl Röchling / Richard Knötel

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100 Jahre nach seinem Tod war Friedrich II. längst zu Deutschlands Superkönig verklärt worden. Schon Kindern wurde der Mythos des "Alten Fritz" im Kaiserreich nahegebracht - mitunter in Form eines biographischen Comics. Die folgenden Zeichnungen stammen aus einem opulent aufgemachten Band von Carl Röchling und Richard Knötel aus dem Jahre 1895. Die Illustrationen sind kennzeichnend dafür, wie die historische Gestalt des Preußenkönigs von nachfolgenden Generationen heroisiert, glorifiziert und verniedlicht wurde.

Friedrich kam am 24. Januar 1712 im Berliner Stadtschloss zur Welt. Früh offenbarte sich sein musisches Interesse. Die Abbildung zeigt den Prinzen mit seiner Schwester Wilhelmine, eine der wenigen Frauen, die er tatsächlich mochte. Bewusst wird Friedrich als Trommler dargestellt, der laut Bildunterschrift behauptet, das hielte er für "nützlicher als spielen" und habe es "lieber als Blumen." Damit soll die frühe Begeisterung fürs Militärische impliziert werden. Das Gegenteil war der Fall: Friedrich hasste den Soldatendrill seines strengen Vaters, König Friedrich Wilhelm. Musik hingegen lag ihm sehr - allerdings spielte er lieber Flöte, als die Trommel zu rühren.

Friedrich II. König von Preussen Der alte Fritz Repro: Oliver Das Gupta

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Friedrichs cholerischer Vater hielt seinen Sohn für einen "weibischen" Kerl, für ein Weichei. Dessen Vorliebe für Philosophie, Mode und Musik war dem König zuwider. Diese Abbildung zeigt, wie Friedrich in eleganter französischer Robe heimlich mit einem Lehrer Flöte spielt - und von seinem Freund Hans Herrmann von Katte gewarnt wird: Der König naht.

Gemeinsam mit Katte versucht Friedrich 1730 vom Hof und vor seinem Vater zu fliehen. Die Sache fliegt auf, der König tobt. Am Ende verliert Katte sein Leben - und Friedrich seinen damals liebsten Freund.

Friedrich II. König von Preussen Der alte Fritz Repro: Oliver Das Gupta

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1740 stirbt Friedrichs Vater, der Kronprinz besteigt den Thron - und marschiert kurz danach ins österreichische Schlesien ein. Zwei mehrjährige Kriege folgen, am Ende gewinnt Friedrich - und erhält den Beinamen "der Große". Unzählige Anekdoten und Schnurren existieren über den König. Eine davon zeigt diese Illustration, die sich um den zweiten Schlesischen Krieg im Jahre 1745 zugetragen haben soll. Der Monarch habe sich "ohne jede Begleitung" zur Erkundung in Richtung feindliche Linien vorgewagt. Da kamen ihm österreichische Reiter entgegen, die Friedrich aber nicht wahrnahmen, denn er habe sich unter einer Brücke versteckt - und seinem Hund die Schnauze zugehalten. Wo er sein Pferd verborgen haben soll, lässt dieses Bild offen.

Der alte Fritz König Friedrich II. der Große Voltaire Schloss Sanssouci Repro: Oliver Das Gupta

Quelle: Repro: Oliver Das Gupta

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Schwieriger Philosoph, schwieriger König: Voltaire mit Friedrich II. auf der Terrasse von Schloss Sanssouci.

Friedrich II. König von Preussen Der alte Fritz Repro: Oliver Das Gupta

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"Sire! Wollen Sie die Batterie allein erobern?", ruft der Offizier dem König auf diesem Bild zu, das die Schlacht bei Kolin im Jahre 1757 zeigen soll. In der Tat stürzte sich Friedrich auch selbst ins Kampfgetümmel - wohl einmalig für einen Monarchen in der jüngeren Geschichte. Während einer Schlacht wurde zweimal das Pferd unter ihm weggeschossen, er selbst überlebte nur durch einen Zufall: Eine Kugel blieb in einer Tabakdose stecken, die er am Leib trug.

Friedrich II. König von Preussen Der alte Fritz Repro: Oliver Das Gupta

Quelle: Carl Röchling / Richard Knötel

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Friedrich der Große schrieb gerne und viel. Seine erhaltene Korrespondenz mit seinem Geheimkämmerer und engsten Vertrauten Michael Gabriel Fredersdorf sind wohl die Zeugnisse, die den König am authentischsten zeigen: mitunter derb, liebevoll gegenüber seinem geliebten Diener - und der deutschen Rechtschreibung kaum mächtig. Diese Abbildung soll Friedrichs nächtliche Schreibstunde während der Schlacht von Torgau im Jahre 1760 darstellen.

Friedrich II. König von Preussen Der alte Fritz Repro: Oliver Das Gupta

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Der Legende nach soll sich Friedrich stets auch um die einfachen Leute gekümmert haben, so wie hier, als er 1762 einem verwundeten Soldaten sein Taschentuch reicht. Tatsächlich aber war der König nicht an einem Aufstieg niederer Untertanen interessiert. Abgesehen von Ausnahmen beförderte er vor allem Adelige in wichtige Positionen. Preußen blieb, trotz Friedrichs Weltbild der Aufklärung, unter seiner Herrschaft ein Feudalstaat.

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Friedrichs kriegerischen Jahren folgte eine lange Friedenszeit. Der König führte einige innenpolitische Reformen durch. Wichtig war auch seine Entscheidung, die Kartoffel in Preußen einzuführen. Seine meisten Freunde überlebte der König, seine Tafelrunden hatten schließlich ihre Leichtigkeit verloren: "Der Alte Fritz" hielt endlose Monologe, der Hof fürchtete seinen Zynismus und kleinen Boshaftigkeiten. Doch nachfolgende Generationen haben diese Facetten gerne ignoriert. Als er am 17. August 1786 in den Armen eines Kammerhusaren starb, war er längst Legende geworden.

© Süddeutsche.de/odg

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