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Asylstreit in der Union:Szenario 1: Seehofer verschiebt die Entscheidung, auf eigene Faust an der Grenze Flüchtlinge zurückzuweisen

Trotz aller Sorgen vor einer weiteren Eskalation - diese Entspannung wäre durchaus möglich. In dem Fall könnten Seehofer und die CSU erklären, ihr Druck habe bereits dramatische Änderungen der Berliner Politik bewirkt. Ja, die Bayern könnten erklären, nur sie hätten der Kanzlerin Beine gemacht.

Das hätte jedenfalls aus Sicht der moderateren CSU-Kräfte wie Parteivize Manfred Weber den großen Vorteil, dass ihnen die gesamte CDU dankbar wäre, und das auch noch im doppelten Sinne. Denn nach wie vor sehen auch viele Christdemokraten enormen Handlungsbedarf. Sie finden es gar nicht schlecht, dass die CSU Merkel zwingt, zu liefern.

Zugleich würden viele in der CDU auch aufatmen, weil ihnen der Streit zwischen den Schwestern absurd vorkommt angesichts der guten Lage, in der sich Deutschland insgesamt befindet. Allerdings gibt es auch in der CDU hartnäckige Merkel-Gegner, die mittlerweile nur noch im Sturz oder Rücktritt der Kanzlerin eine Chance auf wirkliche Veränderung erkennen.

Von Vorteil wäre für die CSU zudem, dass sie sich wieder direkt an den österreichischen Kanzler Sebastian Kurz andocken könnte. Kurz hat nach dem Gipfel in zwei Interviews erklärt, Österreich werde keine Flüchtlinge aus Deutschland zurücknehmen, insbesondere dann nicht, wenn sie einmal deutschen Boden betreten hätten- Außerdem sagte er, auch die Wiener Regierung sei gegen nationale Alleingänge. Solche Worte von Kurz verändern den Rahmen, in dem sich die CSU mit ihrer Argumentation befindet.

Konkret könnte das heißen: Die CSU erklärt, sie wolle den Ankündigungen vom Gipfel vier sechs, oder acht Wochen Zeit geben, aber sie werde die Drohung, alleine und national auf keinen Fall vom Tisch nehmen. Für Merkel wäre es vor allem eines: eine neue Zwischenetappe, Zeitgewinn und bis auf weiteres eine leichte Beruhigung der Lage.

Andere, vor allem ihre schärfsten Kritiker, würden dagegen sagen: Die Lähmung bleibt.