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Dreikönigs-Parteitag:Man hätte lieber farbige Antworten

Das ist Schnickschnack. Man hätte von der FDP lieber farbige Antworten: Wie sieht liberale Ausländerpolitik, wie sieht liberale Integrationspolitik aus? Welche Vorschläge für eine neue Flüchtlingspolitik hat die Partei, die sich einst Rechtsstaatspartei nannte? Und wie will die Partei ihre einstige Kernkompetenz in der Finanz- und Wirtschaftspolitik wieder gewinnen? Früher haben die Liberalen den Einzelnen gegen die Macht des Staates verteidigt. Sollte sie ihn heute nicht gegen den neuen Leviathan, die Macht des globalisierten Finanzmarkts verteidigen?

Es gibt Sehnsucht nach liberalen Antworten - aber in der FDP ist niemand, der diese Sehnsucht befriedigt. Christian Lindner versucht es; aber es ist bisher nicht klar geworden, welche politische Linie er für die FDP entwickeln will. Womöglich will er nun auf einen radikalen Wirtschaftsliberalismus setzen, in dem Glauben, da sei parteipolitisch eine Nische.

Wer steht für die Zukunft der FDP?

Aber an einer eiskalten FDP wird sich kaum jemand wärmen wollen, schon gar nicht, wenn ihr, wie seit Langem, das intellektuelle Feuer fehlt. Das Feuer kommt nicht mit einer neuen Farbe; das Feuer kommt mit der Leidenschaft der Leute, die diese Partei repräsentieren.

Wer kennt Marie-Agnes Strack-Zimmermann? Sie ist Vize-Parteichefin. Wer kennt die Generalsekretärin, wer den Bundesgeschäftsführer? Feuer haben noch die Alten in der Partei - Leute wie Gerhart Baum und Burkhard Hirsch. Sie stehen für eine große Vergangenheit der FDP. Wer steht für ihre Zukunft? Das Team um Lindner hat noch ein gutes Jahr Zeit, diese Frage zu beantworten. Dann stellt sie sich nicht mehr.

Es wird aber "eines Tages wieder sehr modern sein, liberal zu sein. Dann wird einer kommen, der wird eine geradezu donnernde Entdeckung machen: er wird den Einzelmenschen entdecken. Er wird sagen: ,Es gibt einen Organismus, Mensch geheißen, und auf den kommt es an. Und ob der glücklich ist, das ist die Frage. Dass er frei ist, das ist das Ziel. Es kommt nicht darauf an, dass der Staat lebe, es kommt darauf an, dass der Mensch lebe!' Die Leute werden seiner These zujubeln und werden sagen: Das ist ja ganz neu! Welch ein Mut! Das haben wir noch nie gehört!"

Kurt Tucholsky hat das 1930 geschrieben. Es wäre nicht schlecht, wenn die FDP seine Prophezeiung am Dreikönigsparteitag laut läse. Dann wüsste sie vielleicht wieder, was die Liberalen von den Auch-Liberalen unterscheiden muss.

© SZ vom 05.01.2015/fued

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