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Deutscher Unterhändler im Gefangenenaustausch:Mr. Hisbollah, stets zu Diensten

Ein deutscher Unterhändler gilt im Nahen Osten als Mann für schwierige Fälle - Israel hat wieder Grund, ihm zu danken. Zusammen mit dem ägyptischen Geheimdienst ist es dem BND-Mann gelungen, den Austausch des israelischen Soldaten Gilad Schalit gegen palästinensische Gefangene zu organisieren. Der Bundesnachrichtendienst hat seine Beteiligung an der Aktion inzwischen bestätigt.

Das Flugzeug der deutschen Luftwaffe kam aus Beirut. An Bord befanden sich die Särge von drei getöteten israelischen Soldaten. Das andere Flugzeug war in Israel gestartet und traf fast zeitgleich ein. An Bord waren 28 gefangene Hisbollah-Kämpfer. Die Maschinen rollten in einen schmucklosen grauen Hangar auf dem militärischen Teil des Flughafens Köln/Wahn. Hinter verschlossenen Türen fand dann der Austausch statt: drei tote Israelis gegen 28 islamische Kämpfer. Fast gleichzeitig kamen am Grenzübergang zu den Autonomiegebieten 400 palästinensische Gefangene frei.

Gefangenenaustausch am Köln-Bonner Flughafen

Im Januar 2004 landeten diese beiden Flugzeuge in Köln: Im einen waren gefangene Hisbollah-Kämpfer, im anderen befanden sich drei tote Israelis. Ein Austausch mit Symbolwert.

(Foto: Achim Scheidemann)

Der Handel aus dem Januar 2004 ist schon Geschichte, aber die Bilder vom Kölner Flughafen hatten Symbolwert über den Tag hinaus. Sie zeigten, dass die Deutschen als Vermittler erfolgreich sein konnten. Den Austausch hatten in jahrelanger Arbeit Emissäre des Bundesnachrichtendienstes (BND) vermittelt.

In diesen Tagen wird es wieder eine ähnlich spektakuläre Aktion geben. Der 2006 von der Hamas entführte israelische Soldat Gilad Schalit soll nun endlich freikommen. Der Austausch gegen mehr als tausend palästinensische Gefangene, der in diesen Tagen über die Bühne gehen soll, ist mehr als nur ein Deal - dahinter steht eine heikle politische Mission mit vielen Hindernissen und Fallgruben. "Ich möchte dem deutschen Vermittler und Kanzlerin Merkel für die Freilassung Gilad Schalits danken", schrieb diese Woche Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.

Der BND war es diesmal nicht allein, der die Mission erfolgreich beendet hat. Der ägyptische Geheimdienst hatte schon früh verhandelt und soll nach dem heutigen Willen der Beteiligten die Hauptrolle gespielt haben. Sicher ist aber auch, dass die Umrisse und Bedingungen der Austausch-Aktion 2011 von den Deutschen so ähnlich schon vor Jahren konzipiert worden waren. Damals wurden die Pläne jedoch verworfen.

Der Ruf von Geheimdiensten beruht meist auf Mysterien und Mythen, selten auf Tatsachen. Aber Realität ist doch, dass der BND seit Jahrzehnten im Nahen Osten als Makler ziemlich erfolgreich war: Im Juli 1996 tauschten Israel und die Hisbollah nach deutscher Vermittlung Dutzende Gefangene und Gefallene aus.

Die Vermittlung war von dem damaligen Geheimdienstkoordinator Bernd Schmidbauer auf den Weg gebracht worden. Auf den Austausch im Jahr 2004 folgte eine weitere Aktion 2008: Die libanesische Hisbollah übergab die Leichen von zwei entführten israelischen Soldaten und bekam Gefangene und Gefallene. Die Mission war vom damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan beim BND in Auftrag gegeben worden.

Warum übernehmen die Deutschen beim Gefangenenaustausch oft die Vermittlerrolle im Nahen Osten? Die Antwort ist einfach: Der BND hat in dieser Region einen guten Ruf, was wirklich nicht für alle Orte dieser Welt gilt. Und in der Regel verdächtigt im Nahen Osten niemand die Deutschen, bei ihrer Mission strategische Hintergedanken zu verfolgen.