Demokratie in der arabischen Welt Steiniger Weg

Dabei verwenden sie ihren Wohlstand und ihre Bildung vor allem darauf, die restlichen vier Fünftel der Gesellschaft von Wohlstand und Bildung fernzuhalten. Vor drei Jahren weinten viele Menschen, als die Gefängnisse in Tripolis und Kairo sich öffneten. Heute wenden sie sich ab, wenn sie von Freiheit hören und glauben, was man ihnen einflüstert: Wir sind noch nicht so weit, oder, drastischer: Araber können keine Demokratie.

Aus deutscher Sicht übrigens entfällt diese Lesart. Wenn ein Land nach Auschwitz wieder in die Völkergemeinschaft aufgenommen und zu einer modellhaft stabilen Demokratie heranreifen konnte - dann haben andere Gesellschaften keine Ausreden. Kein Abgrund war tiefer, kein Weg war weiter.

Politisch produktiver aber ist die Frage, wie die Region aus jenen Zyklen des Aufruhrs und der Unterdrückung ausbrechen kann. Viele der heute vermeintlich unüberbrückbaren Gegensätze zwischen Ethnien oder Konfessionen sind über Jahrzehnte gezielt geschürt worden von eben jenen Despoten, deren Sturz das Pulverfass später hat explodieren lassen.

Kritische Masse

Und dann: In den Fünfzigern gab es Radio, aber kein Instagram, und dieses gesteigerte Kommunikations- und Mobilisierungspotenzial lässt sich nicht mehr eindämmen. In Tunis und Kairo führten 2011 nicht Offizierscliquen Umsturzpläne aus. Millionen Menschen, vor allem Jugendliche, bildeten spontan eine kritische Masse.

Schließlich: Die Islamisten waren in den Fünfzigern eine überschaubare Kraft neben Kommunisten, Sozialisten, Panarabisten. Heute sind sie bekämpft, dezimiert, eingesperrt, aber noch immer die mächtigste politische Bewegung der Region. Heute glauben viele der neuen alten Herrscher und Thronprätendenten, sie könnten diese Veränderungen ignorieren, Forderungen nach politischer Partizipation durch Angst ersticken, statt Rechtsstaatlichkeit Privilegien schaffen und Macht monopolisieren - so wie früher. Das wird nicht gehen.

Nur wird die Zeit bis zum historischen Wendepunkt furchtbar.