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Dänemark:"Ich bin nicht Polizist geworden, um Flüchtlingen ihr Eigentum zu rauben!"

  • Dänemark will Flüchtlinge an den Kosten ihrer Verpflegung und Unterbringung beteiligen und plant, Asylsuchenden Wertgegenstände zu nehmen.
  • Das Vorhaben hat weltweit für Negativ-Schlagzeilen gesorgt.
  • Jetzt hat ein dänischer Polizist seinem Ärger über die Pläne der Regierung auf Facebook Luft gemacht.

Flüchtlinge sollen an Kosten beteiligt werden

Die Pläne der dänischen Regierung, ins Land erstmals einreisenden Flüchtlingen Wertgegenstände abzunehmen, haben weltweit für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Dänemark will so Flüchtlinge an den Kosten ihrer Verpflegung und Unterbringung beteiligen.

Zu dem Vorhaben melden sich nun auch kritische Stimmen aus Reihen der dänischen Polizei. Jacob Nielsen, der sich als Polizist aus Kopenhagen vorstellt, erklärte auf Facebook: "Ich bin nicht Polizist geworden, um Flüchtlingen ihr Eigentum zu rauben!" Über 20 000 Mal wurde der Beitrag inzwischen geteilt. In Dänemark hat er eine gewaltige Debatte ausgelöst, auch die größte Nachrichtenagentur des Landes, Ritzau, hat darüber berichtet. Allerdings konnte bislang niemand die Identität Nielsens zweifelsfrei belegen. Es sprechen jedoch viele Indizien dafür, dass er tatsächlich Polizist ist. So danken dem Beamten in den Kommentaren unter dem Beitrag beispielsweise neben Freunden auch Polizei-Kollegen und zollen seinen Worten Respekt.

Jeg blev ikke politimand for at plyndre flygtninge for DERES ejendele! I 13 år har jeg loyalt stillet op for skiftende...

Posted by Jacob Nielsen on Saturday, December 19, 2015

Nielsen erklärte, er habe 13 Jahre lang loyal wechselnden Regierungen gedient, auch im Bezug auf Gesetze und Regeln, mit denen er nicht einverstanden ist. "Ich habe Brandbomben, Steine, Glasflaschen und vieles mehr ertragen - für Angelegenheiten, die nicht die meinen waren (...)." Er sei Polizist geworden, weil er wisse, dass Gerechtigkeit etwas ist, für das man hart arbeiten muss, und weil jemand diejenigen schützen muss, die sich nicht selbst wehren können.

Großeltern würden sich im Grabe umdrehen

Er nehme Menschen oft Sachen weg - weil sie illegal sind, oder gestohlen wurden oder weil sie dafür benutzt werden, anderen zu schaden, aber er nehme niemals Menschen ihre Kleidung weg oder durchsuche ihren Mund, um ihnen ihren eigenen Ring zu entwenden.

"Stellt sich die Regierung vor, dass ich an der Grenze stehe und das Gold aus dem Mund jener herauspule, die versuchen, das Letzte zu schützen, was sie haben?", fragt Nielsen.

Seine Großeltern, die im dänischen Widerstand gegen die deutschen Besatzer waren, schreibt Nielsen, würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie wüssten, "wem ich zu ähneln beginne".

Nielsen erklärte weiter, während der Staat ihn und seine Kollegen gegen ihren Willen zwinge, den Ankommenden ihre Wertgegenstände abzunehmen, könnten Verbrecher unbemerkt ihr Werk verrichten. Die Aufgaben eines Polizisten seien der Schutz von Bürgern und Demokratie und nicht das Plündern von Flüchtlingen.

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