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Kanzlerkandidatur:Optimismus hinter CSU-Kulissen

Kabinett Bayern, Albert Füracker

"Die CDU sollte in sich gehen", sagt Albert Füracker, CSU-Finanzminister in Bayern.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Bei den Christsozialen in Bayern breitet sich freudige Erwartung aus: Nie war der Parteichef der Kanzlerkandidatur näher. Aber es gibt auch eine Furcht.

Von Roman Deininger

Funktionsträger der CSU zeichnen ja sich traditionell durch ihre immense Mitteilsamkeit aus, die Partei ist da ziemlich serviceorientiert. Als Journalist muss man den Damen und Herren gewöhnlich gar nicht erst eine Frage stellen, um eine Antwort zu erhalten. Aber ausgerechnet jetzt, an diesem Donnerstagnachmittag, an dem man mal richtig Redebedarf hätte: Da herrscht Funkstille in der CSU, beeindruckend diszipliniert. Eigentlich schon seit Mittwoch, nur am Rande der Landtagsfraktion setzten da ausgewählte Söder-Getreue ihre Begeisterungsbotschaften ab. Ansonsten: das Schweigen im bayerischen Walde. Es sei allerdings, wie die wenigen Christsozialen versichern, die noch ans Telefon gehen, kein Schweigen aus Angst. Sondern ein Schweigen in Erwartung.

Während die Republik vor allem über den Zeitpunkt diskutierte, an dem der Kanzlerkandidaten-Kandidat Markus Söder einlenken würde, strahlten seine Parteifreunde in den vergangenen Tagen wortkarg wachsende Zuversicht aus. Nun ist es ein bekanntes Muster, dass sich das unerschütterliche Selbstbewusstsein, das in der zweiten und dritten Reihe der CSU blüht, selten auf Sachkenntnis gründet.

Aber auch die erste Reihe, mehr oder minder nahe am allmächtigen Söder, verbreitet inzwischen hinter den Kulissen leisen Optimismus, der nicht allzu sehr aufgesetzt wirkt. Der Ball, so die interne Sprachregelung, liege im Feld der CDU. Die Schwesterpartei müsse sich verhalten zu dem gewaltigen Zuspruch, den Söder offenkundig unter ihren Bundestagsabgeordneten und an ihrer Basis erfahre.

Öffentlich artikulierte diesen Wunsch am Mittwoch gewiss nicht zufällig Albert Füracker, bayerischer Finanzminister und vielleicht noch wichtiger: Söders Freund. "Der stärkste Kandidat muss es machen", sagte Füracker am Rande einer Sitzung der CSU-Fraktion im Landtag. "Die CDU sollte in sich gehen und überlegen."

Als Vermittler wird Theo Waigel gehandelt

Am Mittwochabend dann setzt in der CSU ein Raunen ein, das am Donnerstagmorgen noch lauter wird: Die Unterstützer Söders in der CDU würden sich formieren, gerade noch rechtzeitig. "Es gibt Bewegung in der CDU an mehreren Stellen, und die ist nicht klein", sagt einer, der es zumindest wissen könnte. Aber ob das reicht, um Söder zur Kandidatur zu tragen? Müsste dafür nicht der bekannt nervenstarke Laschet die Nerven verlieren? "Es kommt der Punkt", sagt der gut informierte CSU-Mann, "an dem Nervenstärke nicht mehr entscheidend ist, sondern echte Stärke."

Dass am Donnerstag zur Mittagszeit mit Reiner Haseloff aus Sachsen-Anhalt der erste CDU-Ministerpräsident die Tür für den Kandidaten Söder leicht öffnet, scheint die mutigen Prognosen in der CSU wenigstens teilweise zu bestätigen. Am Donnerstagnachmittag sagt die stellvertretende CSU-Vorsitzende Dorothee Bär der Süddeutschen Zeitung: "Nicht nur in der Fraktion wurde am Dienstag sehr deutlich, dass die Mehrheit auch in der CDU Markus Söder als Kanzlerkandidat will."

In Anspielung auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. Juni sagt Bär: "Wenn jetzt diejenigen, die sich gerade an vorderster Front mitten im Wahlkampf in ihrem Bundesland befinden, fast schon flehen, Umfragen nicht zu ignorieren, dann macht das den ganzen Ernst der Lage deutlich. Das verlangt geradezu nach einer Festlegung auf Markus Söder."

Ganz so weit ist es noch nicht. Aber Söder ist in dieser Woche der Entscheidung schon viel weiter gekommen, als es die meisten für möglich gehalten hätten. Man habe dafür, behauptet ein hochrangiger CSU-Funktionär, gar nicht viel mehr machen müssen, "als das Meinungsbild aus der Unionsfraktion in der CDU wirken zu lassen". Und trotzdem müsse man natürlich aufpassen, dass man den Bogen nicht überspanne. Auf keinen Fall dürfe man einen Bruch der Union riskieren. Falls es einen Vermittler braucht, wird in der CSU der einschlägig erfahrene Ehrenvorsitzende Theo Waigel gehandelt. Waigel gilt als lebende Brücke in die Schwesterpartei.

© SZ/skle
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