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Corona weltweit:Merkel lehnt Freigabe von Impfstoff-Patenten ab

German Chancellor Merkel attends virtual discussion during Youth Politics Days in Berlin

Angela Merkel: "Impfen ist der Weg aus der Pandemie."

(Foto: REUTERS)
  • Kanzlerin Merkel spricht sich erneut gegen den US-Vorschlag einer Freigabe von Impfstoff-Patenten aus.
  • Indien meldet den dritten Tag in Folge mehr als 400 000 Corona-Neuinfektionen.
  • Die Weltgesundheitsorganisation erteilt für den chinesischen Corona-Impfstoff von Sinopharm eine Notfallzulassung.
  • Mexiko-Stadt lockert Corona-Beschränkungen.
  • Die aktuellen Meldungen zum Coronavirus aus Deutschland.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich nach Abschluss des EU-Gipfels in Portugal erneut klar gegen eine Freigabe von Impfstoff-Patenten ausgesprochen und einen Vorschlag von US-Präsident Joe Biden damit abgelehnt. "Ich glaube nicht, dass die Freigabe von Patenten die Lösung ist, um mehr Menschen Impfstoff zur Verfügung zu stellen", sagte sie. Eine Lösung über Lizenzen sei besser. Die Patentinhaber, also Firmen wie Biontech mit Sitz in Mainz, arbeiteten mit Nachdruck daran, ihre Produktion zu erhöhen und dafür entsprechende Lizenzen zu vergeben. Dies sei wirksamer als die Infragestellung des Patentschutzes.

Die Zusammenarbeit in der Impfstoff-Produktion zwischen der Europäischen Union und Indien, das besonders schwer von der Pandemie betroffen ist, soll der Bundeskanzlerin zufolge verstärkt werden. Dies werde auch Thema bei den deutsch-indischen Regierungskonsulationen Ende Mai sein. "Impfen ist der Weg aus der Pandemie", sagte Merkel.

Zuvor hatte der französische Präsident Emmanuel Macron in der Debatte über eine Förderung der globalen Impfstoffproduktion die USA zu einer Aufhebung von Exportbeschränkungen aufgefordert. Die Vereinigten Staaten sollten die Ausfuhr von Corona-Vakzinen und deren Grundstoffen nicht länger einschränken, sagte Macron beim EU-Gipfel.

Impfstoff-Patente: Warum es nicht reicht, das Rezept zu haben (SZ Plus)

Mehr als 4000 Todesfälle an einem Tag in Indien

Indien hat den dritten Tag in Folge mehr als 400 000 Corona-Neuinfektionen und mit 4187 Todesfällen in Verbindung mit dem Virus so viele wie noch nie gemeldet. Die Zahl der bestätigten Fälle stieg innerhalb eines Tages um 401 078 auf 21,9 Millionen, wie das Gesundheitsministerium am Samstag mitteilte.

Weltweit ist das der zweithöchste Wert nach den USA. Erst am Freitag war mit mehr als 414 000 Neuinfektionen ein Höchstwert verzeichnet worden. Zudem zählen die indischen Behörden nun fast 240 000 Menschen, die an oder mit dem Virus gestorben sind.

WHO erteilt Sinopharm-Impfstoff Notfallzulassung

Als erste chinesische Firma erhält Sinopharm eine Notfallzulassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für ihren Corona-Impfstoff. Das teilte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Freitag in Genf mit. Damit können UN-Organisationen das Mittel nun kaufen und verteilen.

China hatte dem internationalen UN-Impfprogramm Covax, auf das sich viele ärmere Länder verlassen, im Februar bereits zehn Millionen Impfstoff-Dosen versprochen. Der unabhängige Beraterstab SAGE habe das Vakzin für Menschen über 18 Jahre freigegeben, sagte Tedros. Es seien zwei Dosen für den vollen Impfschutz nötig. Die Wirksamkeit gibt SAGE mit 79 Prozent an.

Eine WHO-Notfallzulassung gibt es bereits für die Corona-Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Astrazeneca, Janssen/Johnson & Johnson und Moderna. Ein zweiter chinesischer Impfstoff, der von Sinovac, wird von der WHO noch geprüft - ähnlich wie andere Impfstoffe, darunter der russische Stoff Sputnik V und das Mittel des US-Konzerns Novavax.

Für die EU, die USA und andere Länder mit Regulierungsbehörden hat die Notfallzulassung der WHO keine Bedeutung. Sie prüfen Wirkstoffe selbst und entscheiden über eine Zulassung. Länder, die keine Kapazitäten für eigene wissenschaftlichen Prüfungen haben, nutzen die WHO-Qualitätsprüfung aber als Grundlage für ihre eigene Zulassung.

Für die Notfallzulassung prüfen WHO-Experten Sicherheit und Wirksamkeit unter anderem mithilfe der eingereichten Phase II und Phase III-Studien. Sie inspizieren auch den Herstellungsprozess und die Risikovorkehrungen. Die Firmen verpflichten sich, weiterhin alle relevanten Daten an die WHO zu liefern.

China hat nach offiziellen Angaben bereits mehr als 200 Millionen Dosen Impfstoffe im eigenen Land verabreicht, darunter die von Sinopharm, Sinovac und anderen heimischen Herstellern. Mehr als 100 Millionen Dosen seien ins Ausland geliefert worden. Genannt werden rund 80 Länder und drei internationale Organisationen. Peking machte keine Angaben darüber, ob der Impfstoff gratis oder zu reduzierten Preisen abgegeben wurde.

Mexiko-Stadt lockert Corona-Beschränkungen

Mexiko-Stadt hebt weitere Corona-Beschränkungen im öffentlichen Leben auf, obwohl nur wenige Bewohner bisher gegen das Virus geimpft sind. Die Stadt - eine der größten der Welt, mit rund neun Millionen Einwohnern im Kerngebiet und etwa 22 Millionen im Großraum - geht ab kommender Woche zum ersten Mal in der Pandemie nach dem dort geltenden Ampelsystem von orange auf gelb über, wie Bürgermeisterin Claudia Sheinbaum am Freitag mitteilte.

Unter anderem dürfen somit von Montag an Geschäfte und Kinos bis zu 40 Prozent ausgelastet werden. In der Woche darauf sollen Unterhaltungsveranstaltungen mit bis zu 500 Menschen in geschlossenen Räumen wieder möglich sein, noch einmal eine Woche später auch Kinderfeiern mit höchstens 50 Teilnehmern - sofern es für jeden mindestens neun Quadratmeter Platz gibt.

Das nordamerikanische Land - mit rund 126 Millionen Einwohnern auf Platz zehn weltweit - hat die viertmeisten registrierten Corona-Toten weltweit. Offiziell wurden dort bisher gut 218 000 Todesfälle bestätigt. Zuletzt kamen etwa 250 neue Todesopfer pro Tag hinzu.

Bis Mitte Februar stand Mexiko-Stadt in dem Ampelsystem auf rot. Die Farbe hängt unter anderem von der Auslastung der Krankenhausbetten ab. Die sank in Mexiko-Stadt zuletzt. Allerdings fahren viele Corona-Infizierte in Mexiko nicht ins Krankenhaus - aus Angst vor den Verhältnissen angesichts des unterfinanzierten Gesundheitssystems.

Griechenland öffnet Strände und Strandbars früher als geplant

Die griechische Regierung hat den Corona-Fahrplan für die nächsten Wochen und den eigentlich für den 15. Mai geplanten Startschuss für den Tourismus vorverlegt. Bereits ab Samstag dürfen Strandbars und bewirtschaftete Strände mit ihren Strandliegen öffnen. Ab Montag öffnen alle Schulen. Am 14. Mai sollen dann Museen wieder zugänglich sein, am 21. Mai die Open-Air-Kinos und ab 28. Mai die Amphitheater des Landes. Vergangenen Montag hatte bereits die Außengastronomie erstmals nach gut sechs Monaten wieder geöffnet.

Es handele sich um vorsichtige, aber dringend notwendige Öffnungsschritte, sagte am Freitag der Chef des Zivilschutzes, Nikos Chardalias, im Staatsfernsehen. Er wies darauf hin, dass die Menschen sich gerade angesichts der Öffnung unbedingt an bestehende Regeln halten sollten. Das betonte auch die Medizinerin Vana Papaevangelou vom Corona-Krisenstab: Zwar sei die Zahl der Infizierten rückläufig, es müsse aber angesichts der Öffnungen immer wieder mit einem lokalen Aufflammen gerechnet werden.

Alle Öffnungen sind mit Auflagen verbunden. So müssen die Schüler immer montags und donnerstags einen negativen Selbsttest vorlegen, den sie gratis erhalten. In Tavernen gilt Abstand zwischen den Tischen und es dürfen maximal sechs Personen an einem Tisch Platz nehmen. Einrichtungen wie Open-Air-Kinos und Amphitheater dürfen nur die Hälfte ihrer Plätze besetzen. Und weiterhin gilt im ganzen Land eine nächtliche Ausgangssperre von 23.00 bis 5.00 Uhr. Die griechische Gesundheitsbehörde hatte am Freitag binnen 24 Stunden 2691 neue Corona-Fälle registriert.

Biontech und Pfizer beantragen vollständige US-Zulassung

Die Impfstoffhersteller Biontech und Pfizer wollen in den USA eigenen Angaben zufolge die vollständige Zulassung ihres Covid-Vakzins für alle Menschen über 16 erreichen. Die Firmen aus Deutschland und den USA teilten am Freitag mit, sie hätten den Prozess der Einreichung bei der zuständigen US-Behörde FDA begonnen und eine bevorzugte Prüfung beantragt. Bis zur abschließenden Entscheidung könnte es Wochen oder Monate dauern.

Bislang hat der sehr erfolgreiche und effektive Impfstoff von Biontech/Pfizer in den USA eine Notfallzulassung und wurde bereits mehr als 130 Millionen Mal gespritzt. Die Firmen bemühen sich auch um eine Zulassung für die Altersgruppe von 12 bis 15.

In der Europäischen Union könnte das Vakzin schon bald für Jugendliche zugelassen werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zeigte sich am Freitag zuversichtlich, dass es wahrscheinlich im Juni eine Zulassung für den Biontech-Impfstoff auch für über Zwölfjährige geben wird.

© SZ.de/dpa/rtr/saul/hij/jsa/kast/epd/berj
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