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Coronavirus weltweit:Deutsche müssen bei Reise nach England bald nicht mehr in Quarantäne

Britain's Prime Minister Boris Johnson speaks during the weekly question time debate in Parliament, in London

Die Regierung von Premier Boris Johnson will die Quarantänepflicht für Reisende aus Deutschland wohl kippen.

(Foto: REUTERS)
  • Großbritannien will die Quarantänepflicht für Einreisende nach England teils beenden.
  • In den USA haben sich innerhalb von 24 Stunden mehr als 55 000 Menschen infiziert. Das ist ein weltweiter Rekord.
  • Nach mehr als drei Monaten hat der UN-Sicherheitsrat doch noch eine heftig umstrittene Corona-Resolution angenommen.
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Der Landesteil England lockert seine im Zuge der Corona-Pandemie getroffenen Quarantäne-Vorschriften für Einreisende: Besucher unter anderem aus Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien müssen sich ab dem 10. Juli bei ihrer Ankunft nicht mehr selbst für 14 Tage isolieren. Das teilte das Verkehrsministerium am frühen Freitagmorgen mit. Eine vollständige Liste der Länder, die von der Quarantäne ausgenommen werden, sollte noch am Freitag veröffentlicht werden. Diese Regel gelte aber nur für England - in Wales, Schottland und Nordirland sind weiter die alten Vorschriften in Kraft.

Damit können auch Engländer zum Beginn der Sommerferienzeit in andere Länder reisen und müssen bei ihrer Rückkehr nicht in Quarantäne. Die Regierung gehe davon aus, dass eine Reihe der von der Quarantäne ausgenommenen Länder auch einreisende Briten nicht zur Selbstisolation auffordern würde, hieß es weiter.

Verkehrsminister Grant Shapps sagte: "Der heutige Tag markiert den nächsten Schritt zur vorsichtigen Wiederöffnung unsere großen Nation." Das seien gute Nachrichten für die Briten und britische Unternehmen. "Wir werden nicht zögern, schnell zu handeln, um uns zu schützen, falls die Infektionsraten in Ländern steigen, mit denen wir uns wieder verbinden."

Die Lockerung könnte sich auch auf die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes auswirken. Dieses rät derzeit mit Verweis auf die 14-tägige Quarantäne dringend von Reisen nach Großbritannien ab.

Von Samstag an dürfen auch Pubs, Restaurants, Hotels, Kinos, Museen und viele andere Einrichtungen wieder öffnen, die Abstandsregel wird von zwei Metern auf einen Meter verringert, sofern andere Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus getroffen werden. So müssen Pub-Besucher beim Betreten ihre Kontaktdaten hinterlassen. Viele Wissenschaftler halten die Lockerungen für verfrüht. Großbritannien ist das am schwersten von der Pandemie betroffene Land in Europa.

USA mit weltweitem Rekord bei Corona-Neuinfektionen

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In den USA ist das Coronavirus weiter auf dem Vormarsch. Binnen eines Tages wurden mehr als 55 000 Neuinfektionen festgestellt. Das ist einer Reuters-Zählung zufolge der weltweit höchste jemals gemeldete tägliche Anstieg. Am späten Donnerstag wurden 55 274 neue Fälle registriert.

Bislang lag der Rekord in Brasilien, das am 19. Juni 54 771 Neuinfektionen bekanntgab. Die Infektionszahlen in den USA steigen rasant: Noch vor zwei Wochen betrug die Zahl der täglichen Neuinfektionen etwa 22 000. Der US-Gesundheitsexperte Anthony Fauci warnte erst Anfang der Woche davor, dass die Schwelle von 100 000 Neuinfektionen am Tag überschritten werden könnte, sollten keine Maßnahmen wie das Tragen von Masken oder Abstandsregeln befolgt werden.

War zu Beginn der Pandemie noch New York im Nordosten des Landes ein Corona-Hotspot, so breitet sich das Virus vermehrt im Süden und Westen aus. Allein in Florida wurden am Donnerstag mehr als 10 000 neue Fälle registriert - so viele wie noch nie an einem Tag in dem Bundesstaat mit seinen 21 Millionen Einwohnern. Um die Ansteckungswelle zu stoppen, setzten einige Bundesstaaten die bereits eingeleiteten Lockerungen von Auflagen aus. Bars und Strände wurden geschlossen, Feuerwerke zum bevorstehenden Unabhängigkeitstag am Samstag abgesagt.

Gouverneur von Texas ordnet Maskenpflicht an

Der Gouverneur des US-Bundesstaates Texas führt eine Maskenpflicht ein. Diese gelte für alle Bezirke mit mehr als 20 Fällen, kündigte Greg Abbott am Donnerstag an. Das betrifft etwa zwei Drittel der 254 Countys in Texas. In den vergangenen Wochen habe es einen rasanten und beträchtlichen Anstieg von Coronavirus-Fällen gegeben. "Wir müssen uns wieder darauf konzentrieren, die Ausbreitung zu stoppen. Aber dieses Mal wollen wir Texas nicht wieder schließen."

Sollte ein Abstand von zwei Metern nicht eingehalten werden können, müsse in allen öffentlichen Gebäuden und draußen ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Bei Zuwiderhandlung solle einmal verwarnt werden, anschließend könnten Strafen von bis zu 250 Dollar fällig werden, sagte Abbott.

Allein am Donnerstag meldete Texas 8000 Neuinfektionen. Der Anstieg betreffe nicht nur große Städte, sagte Abbott. Er ermächtigte die lokalen Behörden, nach Bedarf Versammlung von mehr als zehn Personen zu verbieten. Er rief die Menschen auch auf, wenn möglich zu Hause zu bleiben.

Mit der Maskenpflicht vollzieht der Republikaner Abbott eine Kehrtwende. Führende demokratische Politiker aus den Ballungsräumen von Texas fordern seit Monaten eine Maskenpflicht, die Abbott wie viele Republikaner bislang nicht für nötig hielt. Nun sei sie aber unbedingt erforderlich, sagte er in einer Videobotschaft.

UN-Sicherheitsrat nimmt Corona-Resolution an

Nach mehr als drei Monaten hat der UN-Sicherheitsrat doch noch eine heftig umstrittene Corona-Resolution angenommen. Alle 15 Mitglieder des mächtigsten Gremiums der Vereinten Nationen stimmten am Mittwoch einem französisch-tunesischen Entwurf zu und sendeten damit ein diplomatisches Lebenszeichen in einer Zeit der Blockade. Der Text unterstützt vor allem die Aufforderung von UN-Generalsekretär António Guterres zu einer globalen Waffenruhe während der Pandemie.

"Wir beginnen unsere Ratspräsidentschaft diesen Monat mit einem Zeichen der Hoffnung", erklärte der deutsche UN-Botschafter, Christoph Heusgen, der seit Mittwoch für einen Monat den Vorsitz im Rat hat. Der Ruf nach einem weltweiten Waffenstillstand sei für alle Menschen in Kriegsgebieten rund um die Welt wichtig.

Zuvor hatten die USA und China ihren weltweiten Machtkampf auch auf der UN-Bühne ausgetragen und den Sicherheitsrat zu einer Blockade geführt. Streitpunkt war unter anderem die Nennung der Weltgesundheitsorganisation WHO. US-Präsident Donald Trump wirft der Organisation vor, im Sinne Chinas zu handeln, und wollte sie nicht in dem Text erwähnt sehen - Peking dagegen bestand bis zuletzt darauf.

Im verabschiedeten Text ist die WHO nun nicht direkt genannt - es wird nur von "allen relevanten Teilen des UN-Systems" geschrieben, sowie auf eine Resolution der Vollversammlung verwiesen, die die WHO erwähnt.

© SZ.de/dpa/rtr/gal/odg/saul/jael/kler/kit/jsa

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