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Corona weltweit:Brasilianer protestieren gegen Bolsonaros Corona-Politik

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Bei Demonstrationen im ganzen Land fordern sie ein Amtsenthebungsverfahren gegen den rechten Staatschef, mehr Impfungen und wirtschaftliche Hilfen in der Pandemie. In Frankreich gehen mehr als 160 000 Menschen gegen striktere Corona-Regeln auf die Straße.

Tausende Brasilianer sind gegen die Corona-Politik der Regierung von Präsident Jair Bolsonaro auf die Straße gegangen. Bei Demonstrationen im ganzen Land forderten sie am Samstag ein Amtsenthebungsverfahren gegen den rechten Päsidenten, mehr Impfungen gegen das Coronavirus und wirtschaftliche Hilfen in der Pandemie, wie das Nachrichtenportal G1 berichtete. Zu Protesten kam es in mindestens 13 Provinzhauptstädten, darunter Rio de Janeiro, Recife und Salvador.

Die Regierung von Präsident Bolsonaro verharmloste die Pandemie von Anfang an und stemmte sich mit Verweis auf die wirtschaftlichen Folgen gegen harte Ausgangsbeschränkungen. Zuletzt zog Bolsonaro auch den Sinn von Impfungen in Zweifel. Mittlerweile prüft ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss Bolsonaros Krisenmanagement in der Pandemie.

In Brasilien sind seit Beginn der landesweiten Impfkampagne im Januar mehr als 130 Millionen Impfstoffdosen verabreicht worden. Etwa 40 Prozent der erwachsenen Brasilianer haben eine Einzeldosis bekommen, rund 17 Prozent sind vollständig geimpft. Angesichts fehlender Impfdosen setzten die brasilianische Metropole Rio de Janeiro und andere wichtige Städte allerdings zuletzt erneut die Erst-Impfungen gegen das Coronavirus aus.

Proteste gegen Corona-Regeln in Frankreich, Italien und Griechenland

In Paris und anderen französischen Städten haben rund 161 000 Menschen gegen die Verschärfung der Corona-Regeln demonstriert. Das berichtete der französische Nachrichtensender Franceinfo am Samstag unter Berufung auf das Innenministerium. Allein in Paris seien rund 11 000 Menschen auf die Straße gegangen.

Am Rande des Protestes kam es in der Hauptstadt im Bereich der Prachtstraße Champs-Élysées zu Ausschreitungen. Die Polizei setzte daraufhin Tränengas und Wasserwerfer ein, wie Fernsehbilder zeigten. Innenminister Gérald Darmanin verurteilte Gewalt gegen Sicherheitskräfte oder Medienvertreter. Es seien in Paris neun Menschen festgenommen worden. Vor einer Woche hatten nach Angaben von Darmanins Ministerium landesweit rund 114 000 Menschen protestiert. Die Mitte-Regierung von Premier Jean Castex hatte angesichts eines Anstiegs der Corona-Zahlen strengere Maßnahmen auf den Weg gebracht. Das Land mit rund 67 Millionen Menschen kämpft nach Einschätzung von Castex mit einer vierten Corona-Welle.

Auch in Italien gingen Medienberichten zufolge Tausende Menschen gegen strengere Corona-Regeln auf die Staße. In Rom versammelten sich Schätzungen zufolge etwa 3000 Gegner des sogenannten Grünen Passes, wie die Nachrichtenagentur Ansa am Samstag meldete. Das digitale Corona-Zertifikat der EU wird in Italien auch Grüner Pass genannt. Auch in anderen Städten, darunter Mailand, Turin und Neapel, kam es zu Protesten, wie unter anderem die Zeitung Corriere della Sera berichtete.

Die Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi hatte angesichts deutlich steigender Infektionszahlen strengere Corona-Maßnahmen auf den Weg gebracht und die Zutrittsregeln zu zahlreichen Aktivitäten im Innenbereich verschärft. Ab dem 6. August ist in dem Land etwa für Restaurantbesuche im Innenbereich, in Museen, Fitnessstudios und Schwimmbädern ein Impfnachweis, ein 48 Stunden lang gültiger negativer Corona-Test oder ein Genesungsnachweis notwendig.

In Griechenland kam es bei Protesten gegen die Impfkampagne der Regierung zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. In der Hauptstadt Athen ging die Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Demonstranten vor, nachdem aus deren Reihen Molotowcocktails auf die Einsatzkräfte geworfen worden waren. Die Proteste in Griechenland richten sich gegen eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen etwa im Gesundheitswesen. (24.07.2021)

Britische Regierung lockert Quarantäne-Regeln für weitere Berufe

Wegen massiver Personalausfälle in vielen Bereichen hat die britische Regierung die Corona-Quarantäne-Regeln für weitere Berufsgruppen gelockert. So dürfen sich in England auch Zugführer, Grenzbeamte oder Feuerwehrleute, die Kontakt zu Corona-Infizierten hatten, nun täglich testen, statt in Quarantäne zu gehen. Dies gab die Regierung bekannt. Zunächst hatten diese Sonderregeln nur für Beschäftigte des Gesundheitswesens und später auch für Beschäftigte der Lebensmittelversorgung gegolten.

Weil in Großbritannien derzeit viele Menschen mit dem Coronavirus infiziert sind und noch deutlich mehr mit diesen in Kontakt gekommen sind, funktioniert das öffentliche Leben nicht immer: Züge fallen aus, Supermarktregale bleiben zeitweise leer und Mülltonnen werden nicht geleert. Denn Millionen Menschen müssen sich zu Hause isolieren. Mitte August sollen die Quarantäne-Regeln in England für alle vollständig Geimpften gelockert werden.

Die Sieben-Tage-Inzidenz lag im Vereinigten Königreich zuletzt bei 497 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche (Stand: 18. Juli). Trotzdem gelten in England seit dieser Woche kaum noch Corona-Beschränkungen: Abstand und Maske sind an vielen Orten freiwillig, auch Clubs haben wieder geöffnet. Schottland, Wales und Nordirland haben eigene Maßnahmen und sind vorsichtiger. (24.07.2021)

Island kehrt zu Beschränkungen zurück

Wegen steigender Corona-Zahlen führt Island wieder neue Beschränkungen im öffentlichen Leben ein. Ab Sonntag müssen Bars und Clubs ab Mitternacht schließen, bei Veranstaltungen sind dann maximal 200 Teilnehmer erlaubt, wie die Regierung laut Berichten des isländischen Senders RUV mitteilte. Außerdem sollen die Isländer wieder mindestens einen Meter Abstand halten und in Innenräumen Masken tragen.

Island hatte sich erst vor vier Wochen von seinen Corona-Maßnahmen verabschiedet. Nach 15 Monaten Abstand halten, Maske tragen und weiteren Maßnahmen wurden alle Beschränkungen aufgehoben. Zuvor war eine Woche lang kein neuer Corona-Fall mehr auf der Nordatlantik-Insel gemeldet worden. Rund 90 Prozent aller Isländer über 16 Jahren sind mindestens einmal gegen Corona geimpft.

Seit einigen Tagen hat sich der Trend aber wieder gedreht. Die inländische 14-Tage-Inzidenz, die die Isländer von Fällen an der Grenze unterscheiden, ist zuletzt auf 83,7 angestiegen, für die Fälle bei der Einreise lag sie für denselben Zeitraum bei 16,1. In den vergangenen Tagen kamen jeweils einige Dutzend Neuinfektionen hinzu, was für die Insel mit ihren rund 360 000 Einwohnern recht viel ist. Mehr als 1000 Menschen befanden sich am Freitag in Quarantäne. (24.07.2021)

Daten aus Israel deuten auf geringere Wirksamkeit von Biontech-Impfstoff hin

Der Impfstoff von Pfizer und Biontech garaniert Daten aus Israel zufolge bei der Deltavariante einen hohen Schutz gegen einen schweren Verlauf von Covid-19 und gegen eine mögliche Krankenhauseinweisung. Der Schutz gegen schwere Verläufe habe bei 91 Prozent gelegen, in 88 Prozent der Fälle sei es nicht zu einem Krankenhausaufenthalt gekommen, heißt es in einem Bericht des israelischen Gesundheitsministeriums. Allerdings habe nur in 39 Prozent der Fälle eine Infektion verhindert werden können.

Der Bericht könnte auf den ersten Blick nahelegen, dass der Biontech-Impfstoff gegen die Deltavariante weniger wirksam ist als gedacht. Er steht freilich im Kontrast zu einer Studie aus Großbritannien, die in dieser Woche im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde. Aus den britischen Daten ergab sich ein 88-prozentiger Schutz gegen eine Covid-Erkrankung von Delta-Typ und eine von 94 Prozent gegen den Alpha-Typ.

Die israelische Untersuchung stützt sich auf Daten, die zwischen Mitte Juni und Mitte Juli erhoben wurden. Israelische Forscher weisen jedoch darauf hin, dass diese Daten verzerrt sein könnten, weil ältere Menschen überrepräsentiert seien und man die Wirksamkeit eines Impfstoffes in Bezug auf leichte Covid-Fälle nur schwer messen könne.

Dennoch könnte die Studie die Debatte darüber, ob eine dritte Impfung nötig ist, erneut anheizen. Pfizer und Biontech planen, für eine solche dritte Impfungen international Zulassungen zu beantragen. (23.07.2021)

Zweiter Impfstoff für Kinder und Jugendliche

In der EU steht ein zweiter Corona-Impfstoff für Kinder und Jugendliche zur Verfügung. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA gab am Freitag grünes Licht für den Einsatz des Corona-Impfstoffs von Moderna bei Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren. Der zuständige EMA-Ausschuss empfahl eine Erweiterung der Zulassung, der in der EU bisher erst ab 18 Jahren eingesetzt werden darf. Der Nutzen des Impfstoffs überwiege die Risiken. Die finale Entscheidung muss nun noch von der Europäischen Kommission gefällt werden. Dies gilt aber als Formsache.

Der Impfstoff von Biontech und Pfizer darf in der EU bereits seit Ende Mai bei Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren eingesetzt werden. Die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland empfiehlt ihn für Jugendliche aber derzeit nur bei bestimmten Vorerkrankungen. Sie begründet dies mit dem geringen Risiko einer schweren Erkrankung in dieser Altersgruppe. Der Einsatz bei zwölf- bis 17-Jährigen ohne Vorerkrankungen werde derzeit nicht allgemein empfohlen, sei aber nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch und Risikoakzeptanz möglich, hatte die Stiko im Juni erklärt. (23.07.2021)

USA kaufen 200 Millionen weitere Biontech-Dosen

Die US-Regierung kauft weitere 200 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs von Pfizer und Biontech für die Anwendung bei Kindern und etwaigen Auffrisch-Impfungen. Damit sichere sich die US-Regierung einen umfangreichen Zugang zu Impfstoffen bis ins kommende Jahr, sagte Pfizer-Chef Albert Bourla. Mehr als die Hälfte der Dosen soll noch in diesem Jahr geliefert werden, teilten beide Konzerne mit. Aus US-Regierungskreisen verlautete, dass 65 Millionen der Dosen für Kinder unter zwölf Jahren gedacht seien. Ein Teil davon werde bereitstehen, sobald die entsprechende Zulassung vorliege. Die USA, so heißt es in der MItteilung der Firmen, hätten sich außerdem auch eine Option auf neue Versionen des Impfstoffes gegen Virusvarianten gesichert.

Mit dem Deal summiert sich die Gesamtzahl der von den USA bestellten Biontech-Dosen auf 500 Millionen, von denen 208 Millionen bislang geliefert wurden. In den USA ist das Mittel seit Mai ab einem Alter von zwölf Jahren zugelassen. US-Präsident Joe Biden kündigte am Mittwoch an, auch Kinder unter zwölf Jahren können vermutlich bald geimpft werden.(23.07.2021)

© SZ/dpa/Reuters/saul/kast/hij/berj/olkl
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