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Covid-19:Es gibt auch Gründe, seine Kinder impfen zu lassen

Coronavirus: Ein 13 Jähriges Schulmädchen bekommt eine Corona-Impfung

Man kann seine Kinder guten Gewissens gegen Corona impfen lassen - und man kann es ebenso guten Gewissens sein lassen.

(Foto: imago images/MiS)

Die Empfehlung der Impfkommission ist klar: Gesunden Kindern wird die Immunisierung derzeit nicht empfohlen. Sind damit alle Fragen beantwortet? Mitnichten, denn es gibt viel mehr zu bedenken.

Kommentar von Christina Berndt

Deutschlands Eltern sind verwirrt. Und noch dazu ganz schön alleingelassen mit der Frage: Soll ich mein Kind nun gegen Covid-19 impfen lassen? Rein praktisch wäre das momentan ein Leichtes - wenn man angesichts der Nicht-Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) nur nicht so zerrissen wäre zwischen den Warnungen: Hier Karl Lauterbach (SPD-Gesundheitsexperte mit ruhender Professur), demzufolge Kinder womöglich in großer Zahl Langzeitsymptome nach der Infektion mit dem Coronavirus entwickeln, und dort Alexander Kekulé (Virologieprofessor mit fast ruhender Publikationstätigkeit in internationalen Fachzeitschriften), der seine fünf Sprösslinge ungenannten Alters wegen der geringen Erfahrung mit Kinderimpfungen derzeit noch nicht impfen lässt.

Das Einzige, was da hilft: Die Fakten einmal gründlich zu sortieren. Und, so viel gleich vorweg: Auch dann wird nicht alle Unklarheit beseitigt sein.

Der vornehmste Grund, sein Kind gegen Covid-19 zu impfen, ist der Schutz vor dem Coronavirus. Ob Kinder und Jugendliche diesen Schutz überhaupt brauchen? Danach sieht es momentan eher nicht aus. Sie erkranken fast nie schwer, die meisten merken nicht einmal etwas von der Infektion. Aber ab und zu hat diese durchaus unangenehme Folgen - von Kopfschmerzen über Geruchsstörungen und Abgeschlagenheit bis hin zu den seltsamen "Covid Toes" - blau angelaufenen, frostbeulenartigen Zehen. Im Extremfall müssen Kinder auch im Krankenhaus behandelt und beatmet werden. Ob Kinder zudem, wie Karl Lauterbach unermüdlich warnt, Gefahr laufen, schwerwiegende Langzeitfolgen zu entwickeln? Die Datenlage zu diesem "Long Covid"-Syndrom ist extrem dünn.

Jedes infizierte Kind trägt das Virus weiter und befeuert die Pandemie

Auf der anderen Seite gibt es die potenziellen Risiken durch die Impfung. Auch die sind sehr klein, wie weltweit Erfahrungen mit Millionen geimpften Minderjährigen zeigen. Aber sind sie angesichts des kleinen Risikos durch die Erkrankung selbst klein genug?

Die Stiko kommt zu einem klaren Nein. Denn es gibt die Risiken einer Herzmuskelentzündung durch die Impfung, vor allem für Jungs: In den USA trat eine solche Myokarditis unter Zwölf- bis 17-jährigen Jungen auf 16 000 verabreichte Impfdosen auf - auch wenn der Verlauf in der Regel mild war. Für Mädchen beträgt dieses Risiko nur eins auf 115 000 Dosen, dafür gibt es hier immer wieder Berichte, dass die Impfung den Zyklus beeinflusse, wenn auch nur kurzfristig.

Die Stiko empfiehlt die Impfung somit nur Minderjährigen, wenn diese wegen Vorerkrankungen selbst besonders gefährdet sind durch Sars-CoV-2 oder wenn sie mit Personen leben, die in Gefahr geraten, falls die Kinder das Virus nach Hause schleppen. Denn auch das gilt es zu bedenken: Jeder Infizierte, auch ein Kind, trägt das Virus weiter und befeuert die Pandemie. Damit erhöht sich das Risiko für alle in der Gesellschaft, die sich nicht impfen lassen können oder die trotz Impfung keinen guten Immunschutz aufbauen.

Egal, wie man sich entscheidet, es kann am Ende falsch sein

Zudem gibt es soziale Konsequenzen, die auch für das Kind selbst eine Rolle spielen: Wenn sich ein Kind ansteckt, muss es sich isolieren, und alle seine Kontaktpersonen, die noch nicht vollständig geimpft sind, müssen in Quarantäne. Das gilt auch für seine Freunde und Geschwister. Schule fällt dann mal wieder aus. Mit Impfung ist die Wahrscheinlichkeit für eine Infektion gering. Zudem sind Geimpfte nicht nur von der Quarantäne, sondern auch vom ständigen Testen befreit. Und das wird bei steigenden Inzidenzen bald bestimmt nicht nur in der Schule, sondern auch vor dem Besuch von Schwimmbad, Geschäften oder Restaurants für Ungeimpfte wieder Pflicht sein.

Es gibt deshalb derzeit keinen allgemeingültigen Rat für Eltern. Man kann seine Kinder guten Gewissens impfen lassen - und man kann es ebenso guten Gewissens sein lassen. Beide Entscheidungen können sich im Extremfall als falsch herausstellen. Wenn ein Kind sehr viel Pech hat, erkrankt es durch die Infektion schwer. Und wenn ein Kind sehr viel Pech hat, trägt es Folgen der Impfung davon. Welches Risiko man lieber in Kauf nimmt, hat viel mit der persönlichen Einstellung zur Impfung, aber auch mit der Einstellung zu Krankheit zu tun. Es gilt jetzt, das zu tun, mit dem man sich aus all diesen Erwägungen am besten fühlt.

© SZ/kus
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