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Coronavirus weltweit:Massentests nach Corona-Ausbruch am Wolfgangssee

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Nach einem Corona-Ausbruch reagiert der österreichische Urlaubsort St. Wolfgang am Wolfgangsee mit Massentests. Bis zum späten Samstagabend wurden dort nach Angaben der örtlichen Behörden bereits über 600 Personen getestet, sowohl Angestellte als auch Urlaubsgäste. Die Zahl der bestätigten Fälle stieg vorerst auf mindestens 44 an, wie die Landesbehörden in Linz mitteilten, die Auswertung lief am Sonntag allerdings noch weiter.

Einwohner, Gäste und Tourismusmitarbeiter wurden am Samstag gebeten, in ihren Unterkünften zu bleiben. Die Sperrstunde wurde auf 23 Uhr festgelegt. Viele der Infizierten sind junge Mitarbeiter in Tourismusbetrieben, ein Feriengast wurde bisher positiv getestet. Der Leiter der Bezirksbehörde, Alois Lanz, verteidigte am Samstag das Verhalten der Praktikanten, die in mehreren Lokalen gefeiert hatten und sich dort angesteckt haben könnten. "Das haben wir alle gerne gemacht in unserer Jugend", sagte er dem Radiosender Ö1. Allerdings wurden schon am Freitag zwei Bars geschlossen um weiteren Infektionen vorzubeugen. Der Tourismusverband startete eine Informationskampagne, um junge Mitarbeiter für die Gefahren von Covid-19 zu sensibilisieren.

Der Ausbruch weckt Erinnerungen an den österreichischen Ski- und Partyort Ischgl in Tirol, der in der Anfangsphase der Pandemie ein Zentrum der Corona-Ausbreitung in ganz Europa war. Insgesamt sind in Österreich aktuell mehr als 1500 Menschen mit dem Virus infiziert. Schwerpunkte bei den Neuinfektionen sind Wien und Oberösterreich.

Kim riegelt Grenzstadt wegen Corona-Verdachtsfall ab

Das stalinistisch regierte Nordkorea hat nach eigenen Angaben wegen des angeblich ersten Corona-Verdachtsfalls die an Südkorea grenzende Stadt Kaesong von der Umgebung abgesperrt. Bei dem Fall soll es sich angeblich um einen früheren Überläufer handeln, der am 19. Juli illegal die militärische Demarkationslinie zwischen beiden Staaten nach Nordkorea überquert habe. Er stehe im Verdacht, sich infiziert zu haben, berichteten die Staatsmedien am Sonntag.

Bei einem Dringlichkeitstreffen des Politbüros der Arbeiterpartei habe Machthaber Kim Jong Un für das betroffene Gebiet den Notstand ausgerufen, heißt es weiter. Sollte das Virus bei der Person nachgewiesen werden, wäre es offiziell der erste Corona-Infektionsfall in dem isolierten Land. Nordkorea hatte bisher erklärt, es sei von Infektionen verschont geblieben - von Beobachtern wird dies allerdings angezweifelt.

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Zum ersten Mal seit nahezu vier Monaten ist in Südkorea die Zahl der täglich erfassten Corona-Neuinfektionen wieder auf mehr als 100 gestiegen. Wie die nationale Gesundheitsbehörde mitteilte, wurden am Freitag 113 neue Fälle verzeichnet. Damit stieg die Gesamtzahl der registrierten Corona-Infektionen in Südkorea auf mehr als 14 000. In dem Land gab es bisher 298 Todesopfer in Verbindung mit Sars-Cov-2. Von den Neuinfektionen entfielen 86 auf Personen, die aus dem Ausland in Südkorea eingetroffen waren.

Bolsonaro angeblich von Corona-Infektion genesen

Brasiliens rechtsextremer Präsident Jair Bolsonaro ist eigenen Angaben zufolge nach wochenlanger Quarantäne in seiner Residenz wieder Viren-frei. Das Staatsoberhaupt teilte am Samstag mit, ein Coronavirus-Test habe ein negatives Ergbnis gehabt. Er hatte Anfang Juli die Ansteckung mit dem Virus bekannt gemacht. Bolsonaro veröffentlichte auch ein Foto von sich mit einer Schachtel Hydroxychloroquin. Das Medikament, das üblicherweise gegen Malaria eingenommen wird, ist als Mittel gegen das Coronavirus umstritten, da seine Wirksamkeit wissenschaftlich nicht nachgewiesen ist. Bolsonaro bezeichnete das Coronavirus mehrfach als "leichte Grippe" und lehnte Einschränkungen und Schutzmaßnahmen ab.

Brasilien meldet 1211 weitere Tote im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19. In den vergangenen 24 Stunden habe es zudem 51.147 gemeldete Neuinfektionen gegeben, wie das Gesundheitsministerium am Samstag mitteilte. Das südamerikanische Land kommt damit offiziell auf 86.449 registrierte Todesopfer bei mehr als 2,34 Millionen bekanntgewordenen Infektionen. Experten gehen davon aus, dass die tatsächliche Anzahl der am Coronavirus gestorbenen Brasilianer deutlich höher ist.

So viele Corona-Infektionen wie nie binnen 24 Stunden

Noch nie seit Beginn der Coronavirus-Pandemie sind der Weltgesundheitsorganisation (WHO) innerhalb von 24 Stunden so viele Neuinfektionen gemeldet worden wie am Freitag. Insgesamt waren es 284 196 Fälle, teilte die WHO mit. Mit Abstand die meisten Infektionen verzeichneten die USA und Brasilien, jeweils mehr als 67 000. In Indien waren es fast 50 000, in Südafrika 13 000.

Weltweit waren der WHO seit dem Ausbruch des neuen Virus Ende vergangenen Jahres bis Freitag 15,3 Millionen Infektionen gemeldet worden. Knapp 630 000 Menschen starben nachweislich an einer Coronavirus-Infektion.

Boris Johnson gesteht Fehler im Umgang mit der Pandemie ein

Der britische Premierminister Boris Johnson hat Fehler im Umgang mit der Coronavirus-Pandemie eingestanden. "Wir haben (das Virus) in den ersten Wochen und Monaten nicht in der Art und Weise verstanden, wie wir das gerne getan hätten", sagte der konservative Politiker im Gespräch mit der BBC. Vor allem das Ausmaß der Übertragung durch Menschen, die keine Symptome zeigten, sei unterschätzt worden.

Auf die Frage, ob der Lockdown und andere Maßnahmen zur Eindämmung des Virus in dem Land zu spät gekommen seien, antwortete Johnson ausweichend. Es handle sich um "offene Fragen" unter Wissenschaftlern, sagte der Premier.

Der Epidemiologe und ehemalige Regierungsberater Neil Ferguson vom Imperial College hatte kürzlich gesagt, dass mindestens die Hälfte der mehr als 45 500 Sterbefälle in Großbritannien hätten verhindert werden können, wäre der Lockdown im März eine Woche früher durchgesetzt worden. Die Regierung hatte zunächst darauf gesetzt, dass sich möglichst viele gesunde Menschen mit dem Coronavirus infizieren und dadurch eine Immunität aufbauen würden. Die britische Regierung wich erst verhältnismäßig spät von dem Konzept ab. Großbritannien gilt als das am schwersten von der Pandemie betroffene Land Europas.

Auch die massenhafte Überführung von Patienten aus Krankenhäusern in Pflegeheime, ohne sie vorher getestet zu haben, gilt Fachleuten als massiver Fehler, der Tausende das Leben gekostet haben dürfte. Die Regierung von Premierminister Boris Johnson fokussierte sich auf den Ausbau von Kapazitäten für Intensivbetten. Neben fehlenden Tests hatten Berichten zufolge auch viele Heime Schwierigkeiten, an Schutzausrüstung zu kommen.

Es gibt sogar Grund zu der Annahme, dass der Pandemie in Großbritannien viele Menschen zum Opfer gefallen sind, die nie auf das Coronavirus getestet wurden. Zahlen der Statistikbehörden zufolge wurden inzwischen beinahe 55 000 Todesfälle erfasst, bei denen die Lungenkrankheit Covid-19 im Totenschein erwähnt wurde. Die sogenannte Übersterblichkeit für die Zeit der Pandemie liegt Berechnungen der Financial Times zufolge bei über 65 000 zusätzlichen Toten. Mit Übersterblichkeit ist die Differenz zwischen der Zahl der Todesfälle in diesem Jahr und dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre gemeint.

Mehr als hundert Infizierte nach Party in Prager Nachtklub

Im Zusammenhang mit einer Party in einem Prager Nachtklub sind inzwischen 109 Corona-Infektionen festgestellt worden. Die Zahl werde noch steigen, prognostizierte die Leiterin des zuständigen Gesundheitsamts, Zdenka Jagrova, nach Angaben der Agentur CTK. Es seien junge Leute mit vielen Aktivitäten und vielen Kontakten. Wie nun bekannt wurde, sollen die zuerst Infizierten beim Feiern einen Trinkhalm geteilt haben. Die Behörden warnten eindringlich vor dem gemeinsamen Gebrauch von Trinkgefäßen.

In ganz Tschechien überschritt die Zahl der täglichen Neuinfektionen den dritten Tag in Folge die Zahl von 200. Am Donnerstag kamen 235 Fälle hinzu, wie das Gesundheitsministerium bekanntgab. Insgesamt sind bislang in Tschechien 365 Menschen nach einer Sars-CoV-2-Infektion gestorben. In der Hauptstadt Prag muss von Montag an verpflichtend ein Mundschutz in Apotheken, Arztpraxen und Wartezimmern getragen werden.

Frankreich rät von Reisen nach Katalonien ab

Frankreich rät angesichts steigender Corona-Zahlen von Reisen in die spanische Region Katalonien ab. Premierminister Jean Castex empfahl am Freitag, die Region im Nordosten des Nachbarlands zu meiden. Das Außenministerium stehe zudem in Kontakt mit den Behörden auf der anderen Seite der Grenze, um auch Bewegungen von Spanien nach Frankreich so gering wie möglich zu halten. In Katalonien steigen die Infektionszahlen seit Mitte Juli wieder an.

Castex kündigte zudem an, dass Reisende aus 16 Ländern bei der Ankunft in Frankreich einen Corona-Test machen müssen. Dazu gehören nach Medienberichten unter anderem die USA, Israel, Südafrika und Indien. Eine offizielle Liste lag zunächst nicht vor. Fällt der Test positiv aus, müssten die Betroffenen in Quarantäne. Frankreich ist von der Pandemie schwer getroffen. Mehr als 30 000 Menschen starben in Folge einer Erkrankung mit dem Coronavirus.

800 000 Corona-Infektionen in Russland

In Russland haben sich insgesamt mehr als 800 000 Menschen nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert. In den vergangenen 24 Stunden kamen im ganzen Land rund 5800 neue Fälle hinzu, wie die Behörden am Freitag in Moskau mitteilten. Nur die USA, Brasilien und Indien verzeichnen mehr Fälle.

Die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Russland liegt seit geraumer Zeit in dieser Größenordnung. Die Hauptstadt Moskau ist mit rund 600 neuen Coronafällen pro Tag noch immer der Hotspot in Russland. In der Metropole mit geschätzten 15 Millionen Einwohnern gab es in den vergangenen Monaten strenge Ausgangsbeschränkungen, was die Zahlen drückte. Die Vorschriften wurden jedoch weitgehend aufgehoben.

Im ganzen Land starben bislang nach offiziellen Statistiken mehr als 13 000 Menschen mit dem Virus. Das ist im Vergleich zu anderen Ländern relativ wenig. In den USA mit mehr als vier Millionen Coronafällen gibt es nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität rund 145 000 Tote. Immer wieder gab es Berichte über geschönte Corona-Statistiken in Russland. Behördenvertreter wiesen dies jedoch vehement zurück.

WHO dämpft Erwartung auf baldige Ausrottung des Coronavirus

Eine baldige Ausrottung des neuen Coronavirus ist nach Überzeugung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht in Sicht. "Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben", sagte Nothilfekoordinator Mike Ryan am Donnerstagabend in Genf. "Wir werden in absehbarer Zukunft nicht in der Lage sein, das Virus zu beseitigen oder auszurotten." Vielmehr müssten die Menschen lernen, mit dem Virus zu leben und in eine gewisse Normalität zurückzufinden.

Ryan rief die Länder weltweit auf, alle zur Verfügung stehenden Maßnahmen einzusetzen, um die Infektionsketten zu unterbrechen. Dazu gehöre auch, im Notfall Bars oder Clubs vorübergehend wieder zu schließen oder die Zahl der Besucher zu begrenzen. "Wenn die Infektionsrate in einer Gesellschaft hoch ist, dann werden Aktivitäten, die viele Menschen zusammenbringen, vor allem in geschlossenen Räumen, weitere Übertragungen der Krankheit verursachen", sagte Ryan.

US-Hauptstadt Washington führt Maskenpflicht ein

In der amerikanischen Hauptstadt Washington D.C. gilt künftig eine Maskenpflicht. Außerhalb des eigenen Zuhauses werde es für Einwohner verpflichtend sein, einen Mund- und Nasenschutz zu tragen, kündigte Bürgermeisterin Muriel Bowser an. Auch in der Hauptstadt war die Zahl der Coronavirus-Fälle zuletzt gestiegen.

Laut US-Seuchenzentrum CDC gab es landesweit zuletzt 63 028 bekannte Neuinfektionen und 1047 neue Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19. Die USA verzeichnen mittlerweile insgesamt mehr als vier Millionen Infektionen etwa 145 000 Tote. Inzwischen spricht sich selbst US-Präsident Donald Trump für das Tragen von Schutzmasken und für das Abstandhalten aus - so etwa bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Zudem sagte der Republikaner seinen Nominierungsparteitag in Florida ab. "Wir wollen, dass es weggeht ohne viele Tote und Probleme", sagte er über das Virus.

Für Trump sind die Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt mitverantwortlich für die jüngste Zuspitzung der Corona-Pandemie. "Die Fälle begannen unter jungen Amerikanern kurz nach Demonstrationen anzusteigen", sagte Trump bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Trump selbst hat schon früh in der Pandemie auf eine rasche Rückkehr zum Normalbetrieb gedrängt. Zudem hielt er im Juni gegen den Rat von Gesundheitsexperten eine Wahlkampfveranstaltung vor Tausenden Anhängern in einer geschlossenen Halle ab. Lokale Gesundheitsbehörden in Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma führten den Anstieg der Corona-Infektionen im Bezirk danach auch auf Trumps Wahlkampfauftritt zurück. Es gibt dagegen keine Belege dafür, dass die Demonstrationen im Freien nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz Ende Mai zu einem signifikanten Anstieg der Neuinfektionen geführt haben.

© SZ.de/dpa/Reuters/AP/epd/KNA/gal/bix/jobr/jsa/odg
Paul Romer

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Flächendeckende Corona-Tests
:"Finde die Menschen, die infektiös sind, isoliere sie und mache Auflagen"

Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Romer will alle Amerikaner auf das Coronavirus testen lassen - und zwar mindestens zwei oder drei Mal im Monat. Auch für Deutschland empfiehlt er eine drastische Ausweitung der Testkapazitäten.

Von Claus Hulverscheidt

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