CDU-Vorsitz:Spekulationen über eine Kandidatur von Helge Braun

CDU-Vorsitz: Helge Braun ist derzeit noch geschäftsführender Kanzleramtsminister.

Helge Braun ist derzeit noch geschäftsführender Kanzleramtsminister.

(Foto: AFP)

Angeblich sondiert der geschäftsführende Kanzleramtsminister, ob er genügend Rückhalt für eine Bewerbung hätte. Seine Chancen sind schwer abzuschätzen.

Von Robert Roßmann, Berlin

Bisher ist es in der CDU erstaunlich still geblieben. Der Bundesvorstand hat bereits vor acht Tagen beschlossen, dass es eine Mitgliederbefragung über den künftigen Vorsitzenden geben soll - aber es hat sich immer noch kein Kandidat gemeldet. Es gilt zwar als sicher, dass Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz und Ex-Umweltminister Norbert Röttgen antreten wollen, offiziell beworben haben sie sich aber noch nicht.

Doch jetzt kommt Bewegung in die Debatte. Angeblich sondiert auch der geschäftsführende Kanzleramtsminister Helge Braun, ob er genügend Rückhalt für eine Kandidatur hätte. Die Unterstützung des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier soll er haben. Sicher ist, dass der Vorstand der Landes-CDU an diesem Freitag zu einer Sondersitzung zusammenkommen will, um über den CDU-Bundesvorsitz zu beraten.

Braun gilt als enger Vertrauter der scheidenden Kanzlerin

Helge Braun gilt als enger Vertrauter von Angela Merkel. Er war zunächst Staatssekretär im Bildungsministerium, dann Staatsminister bei der Bundeskanzlerin und seit 2018 Kanzleramtsminister. Er gilt seit Längerem als möglicher Nachfolger von Bouffier als hessischer Ministerpräsident, als CDU-Chef wurde er bisher aber noch nicht gehandelt. Über die Spekulationen um Braun hat als Erstes der Spiegel berichtet.

Ein Sprecher der hessischen CDU sagte, er wolle Personalspekulationen nicht kommentieren, laut Spiegel soll Braun in internen Gesprächen aber eine eigene Bewerbung nicht ausgeschlossen haben. Am vergangenen Wochenende hatte Braun in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gesagt: "Ich hoffe für eine spannende Mitgliederbefragung auf ein Kandidatenfeld mit echten Alternativen."

Merz war 2002 von Merkel aus dem Vorsitz der Unionsfraktion gedrängt worden, Röttgen hatte sie 2012 aus ihrem Kabinett geworfen. Helge Braun hat dagegen in dem Interview auf die Frage, ob er die tägliche Zusammenarbeit mit Merkel vermissen werde, gesagt: "Ich denke, ich werde sie gar nicht so sehr vermissen müssen, weil ich glaube, dass wir auch weiterhin in engem Kontakt bleiben."

Brauns Chancen bei einer Mitgliederbefragung sind schwer vorherzusagen

Wie groß die Chancen von Braun bei einer Mitgliederbefragung wären, lässt sich schwer voraussagen. Sein Landesverband ist in der CDU nur der fünftgrößte. Und seinen Bundestagswahlkreis (Gießen) hat Braun im September an einen 30-jährigen Sozialdemokraten verloren. Falls neben Merz und Röttgen auch Braun antreten sollte, könnte bei der Mitgliederbefragung eine Stichwahl notwendig werden.

Die Mitgliederbefragung beginnt Anfang Dezember, Auszählung und Ergebnisverkündung sind für den 17. Dezember geplant. Eine Stichwahl würde Ende Dezember starten, Auszählung und Ergebnisverkündung wären am 14. Januar. Die Befragung hat zwar keinen bindenden Charakter. Es gilt aber als sicher, dass der Bundesparteitag, er findet am 21. und 22. Januar 2022 statt, dem Votum der Mitglieder folgen wird.

Auch bei der Frage, wer stellvertretender CDU-Chef wird, gibt es inzwischen Bewegung. Derzeit sind Volker Bouffier, Gesundheitsminister Jens Spahn, die niedersächsische Bundestagsabgeordnete Silvia Breher, Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl stellvertretende Vorsitzende.

Jetzt kündigte die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien an, als CDU-Vize kandidieren zu wollen. "Ich will meine Erfahrungen und Perspektiven gerne in das neue CDU-Präsidium einbringen. Deswegen werde ich auf dem Parteitag als stellvertretende Parteivorsitzende kandidieren", sagte Prien dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Eine Kandidatur für den Parteivorsitz lehnte sie dagegen ab. Zuvor hatte Thomas Strobl angekündigt, nicht mehr als stellvertretender CDU-Chef kandidieren zu wollen.

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