Bundespolitik Deutschland 2017 wird so erfrischend wie der Inhalt eines Staubsaugers

Alte Hasen in der Bundespolitik: Steinmeier und Merkel im Bundestag.

(Foto: dpa)

Die Aussichten: Steinmeier wird Bundespräsident, Schulz sein Nachfolger im Auswärtigen Amt - und Merkel wieder Kanzlerin. Das Land will jetzt aber neue Gesichter an sehen.

Kommentar von Constanze von Bullion

Wer Deutschlands Spitzenpersonal in diesen Tagen beim Räumen zuschaut, dem können schon mal die Füße einschlafen. Im Wohnzimmer Politik werden Persönlichkeiten herumgerückt wie trautes Mobiliar. Außenminister Frank-Walter Steinmeier soll bald Bundespräsident werden, EU-Parlamentspräsident Martin Schulz seinen Parteifreund im Herbst im Auswärtigen Amt beerben. Die Medien loben das neue Arrangement. Und die Bundeskanzlerin, sie möge den Vergleich verzeihen, steht in der guten Stube herum wie die ewige Schrankwand und verströmt das tröstliche Gefühl, dass es stürmen und hageln kann da draußen in der Welt, aber bei uns Deutschen bleiben die Dinge am Platz.

Das Blöde an dieser Behaglichkeit ist nur, dass der Wähler sich langsam fragen muss, warum er eigentlich noch wählen gehen soll. Wer nicht so genau hinschaut, kann leicht den Eindruck gewinnen, es sei sowieso schnurzegal ist, wer bei der nächsten Bundestagswahl wo sein Kreuzchen hinsetzt. Die wichtigsten Posten scheinen längst vergeben, jedenfalls wenn es kein politisches Erdbeben gibt. Und für Neues, auch das kennt das Land ja schon, hat die nächste Bundesregierung ja immer noch Ressorts wie das Familienministerium, um einen lustigen bunten Tupfer zu setzen. Schönen Dank auch.

Wer jetzt einwendet, es sei doch nicht alles schlecht, was alt ist und vertraut, hat recht. In Zeiten, in denen Populisten in aller Welt mit Geheul über die offene Gesellschaft herfallen, in denen Menschen - und Minderheitenrechte verächtlich gemacht werden, unter Applaus, und die akademischen Meinungsführer in Politik und Medien unsanft aus dem Kuschelbett der Besserwisserei geworfen wurden, in solchen Zeiten hört man sie manchmal gern, diese eigensinnig sedierende Stimme einer Angela Merkel, die sich vor Erwartung der freien Welt kaum retten kann.

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Zu viele in Deutschland fühlen sich ausgeschlossen

Ja, es gibt Schlimmeres als die deutsche Kanzlerin angesichts der Anfechtungen der Gegenwart. Und ja, Frank-Walter-Steinmeier hat sich Respekt erworben mit mäßigenden Tönen in internationalen Krisen. Und ja, anders als Steinmeier hat Martin Schulz einen belebend derbes Mundwerk. Aber insgesamt ist das Gruppenbild mit Dame so erfrischend wie der Inhalt eines Staubsaugers.

Das genau aber geht nicht mehr. Die gemütliche Stühlerückerei für 2017 vermittelt den Eindruck, die politische Klasse wisse schon, was sie tue und regle die Dinge unter sich. Sowohl das erste als auch das zweite aber ist falsch. Was jetzt nottut, ist die Botschaft, dass die Führungseliten verstanden haben: So geht es nicht mehr weiter. Zu viele fühlen sich ausgeschlossen in Deutschland oder sind es. Zu viele sind überzeugte Fremdenfeinde, und das schon lange. Und zu wenige sehen ihren vielleicht unkonventionellen Lebensentwurf vertreten von den Schulzens und Steinmeiers der Nation, die so gefährlich selbstgewiss daherkommen.

Zehn Monate vor der Bundestagswahl muss keine Partei ein Schattenkabinett aufstellen. Aber das Land will jetzt mal andere Gesichter sehen und andere Geschichten hören. Solche von Muslimen zum Beispiel, die nicht über Integration reden, sondern über Rüstungskontrolle. Oder von Frauen, die keine Fachvorträge halten übers Mutter-sein-und-trotzdem-Arbeiten, sondern über Finanzfragen oder Reaktorsicherheit. Das Land braucht auch mehr junge Querköpfe in der Politik, die sich von den Alten nicht länger die Bude ihrer Zukunft zustellen lassen. Es muss da jetzt mal entrümpelt werden. Bitte bald, es müffelt.

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