Bayern-Wahl:Keine roten Linien, aber Mindestziele

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Genau diesen Zungenschlag wählte sie schon wenige Tage vor dem Wahltag im Süden; offenkundig will Nahles den Eindruck vermeiden, die SPD sei gar nicht mehr in der Lage, Nein zu rufen. Rote Linien freilich will sie nicht ziehen; lieber möchte sie in den SPD-Gremien darüber sprechen, wann man überhaupt noch von einem Erfolg der großen Koalition sprechen könnte. Keine negativen Katastrophen, sondern das Erreichen von Mindestzielen soll über das Schicksal der Koalition entscheiden.

Mit dem gleichen Duktus ist Generalsekretär Lars Klingbeil schon am frühen Morgen durch alle Medien getingelt. Eine Mischung aus Ehrlichkeit (über das katastrophale Ergebnis), Demut (gegenüber den eigenen Anhängern) und wütender Entschlossenheit (gegenüber dem Koalitionspartner) soll der SPD jetzt das Überleben sichern.

Hinzu kommt noch die kleine Atempause. Jene zwei Wochen also bis zur Landtagswahl in Hessen, in denen man alles versuchen wird, um die Welt für die SPD doch wieder ein bisschen besser zu machen. Sprich: Kohnen, Klingbeil und natürlich Nahles versprechen sprichwörtlich alles zu versuchen, um endlich mal wieder zu punkten. "Mehr Tempo, mehr kämpfen" - das möchte Nahles erreichen.

Es ist vor allem das Prinzip Hoffnung, was der SPD helfen soll. Wenn man sich ansieht, wie die beiden Frauen sich im unangenehmsten Moment ihrer Karriere in den Sturm stellen, dann könnte sich mit etwas Glück auch diese Form von Anstand und Courage auszahlen.

Wäre da nicht am Ende ausgerechnet jener Sozialdemokrat, der oft genug das größte Talent besitzt, im falschen Moment besonders laut aufzutreten. Gemeint ist Ralf Stegner, der Mann aus Schleswig-Holstein. Kaum sind Nahles und Kohnen in ihrer ganz eigenen Tonart aufgetreten, da verschickt ein Nachrichtensender neueste Stegner-Zitate. Von "Debakel" und "Ohrfeige" ist da die Rede. Und davon, dass die Koalition "nicht mehr lange halten wird, wenn sich nichts Gravierendes ändert". Hart und aggressiv soll das rüber kommen - und befeuert damit genau das Gegenteil dessen, was Nahles und Kohnen in "Stil und Inhalt" präsentierten.

Besser hätte die SPD nicht zeigen können, dass nicht nur da draußen viele Gegner sitzen, sondern auch im eigenen Selbstverständnis große Unterschiede auftreten. Das erklärt nicht alles in dieser großen Krise. Aber es erklärt viel mehr, als die meisten Sozialdemokraten sich eingestehen würden.

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