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Kramp-Karrenbauer beim Deutschlandtag:Mit der JU kuschelt sie nicht

Mit entschlossenen Worten versucht die CDU-Chefin auf dem Deutschlandtag der JU nichts Geringeres zu verteidigen als ihre Kanzlerkandidatur. Dem Applaus nach macht sie einiges richtig.

Für Annegret Kramp-Karrenbauer ist ein Wunsch wahr geworden: Im März hatte sie vor Delegierten der Jungen Union noch gesagt, sie wünsche sich "eine Junge Union, die uns Dampf macht, die uns Druck macht, die uns sozusagen den Atem nimmt". Nun stellt sich die Frage, ob es nicht vielleicht ein bisschen viel Druck, eher ein Erdrosseln ist, wenn man jemandem "den Atem nimmt". Der Unionsnachwuchs versucht offenbar, Kramp-Karrenbauer beim Wort zu nehmen und stellt sich offen gegen die Parteivorsitzende.

Beim Deutschlandtag, dem Jahrestreffen der Jungen Union, haben die Delegierten am Freitag mit deutlicher Mehrheit beschlossen, sich beim nächsten Bundesparteitag der CDU für eine sogenannte Urwahl stark zu machen. Also dafür, dass künftig die Parteibasis per Abstimmung über den Kanzlerkandidaten oder die Kanzlerkandidatin entscheiden soll - und nicht wie bislang die Parteivorsitzende, deren Wunschkandidatin vermutlich sie selbst wäre.

Es ging also um nichts weniger als um ihre mögliche Kanzlerschaft, als Annegret Kramp-Karrenbauer am Sonntagvormittag das Podium betrat - höflich beklatscht, aber auch vor einigen leeren Plätzen im Saal. Offenbar erachteten es nicht alle der jungen Delegierten für nötig, sich für ihre Parteivorsitzende aus dem Bett zu quälen. Der Sonntagmorgen sei das Härteste, was man als Redner auf einem Deutschlandtag erleben könne, sagte sie. Es werde bei der Jungen Union bekanntermaßen ebenso engagiert gefeiert wie diskutiert.

Was man aber in den letzten Tagen über diesen Deutschlandtag gehört und gelesen habe! Man habe ja den Eindruck bekommen können, hier werde Germany's Next Topmodel veranstaltet. Die Junge Union hatte nämlich nicht nur eine Debatte über das Thema Kanzlerschaft angestoßen, sondern auch gleich eine Reihe möglicher Kandidaten als Redner eingeladen: Gesundheitsminister Jens Spahn, den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, seinen Ministerkollegen aus NRW Armin Laschet - und gleich für den Eröffnungsabend am Freitag, obwohl er ursprünglich gar nicht auf der Liste stand, Friedrich Merz, dessen Rede frenetisch gefeiert und mit "Oh, wie ist das schön, sowas hat man lange nicht gesehen" besungen wurde. Nur Markus Söder dementierte explizit, dass er gern Bundeskanzler werden würde. Der Rest versuchte sich an starken Sprüchen, mit denen man bei der JU schon immer punkten konnte.

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Mit einer kämpferischen Rede versucht Kramp-Karrenbauer, den Unions-Nachwuchs für sich einzunehmen. Am meisten Applaus bekommt sie für einen Kommentar zur Bundeswehr.

Kramp-Karrenbauer entschied sich dafür, erstmal über das Saarland und seine Bewohner zu sprechen - und damit auch über sich selbst, denn sie ist schließlich Saarländerin. Einfache, hart arbeitende Menschen seien das, die "nicht viel Theater um sich machen" und sicherlich auch nicht an Germany's Next Topmodel teilnähmen, nicht die "Lauten, die Schrillen, sondern die Leisen, die im Maschinenraum dafür sorgen, dass der eine oder andere sich auf dem Sonnendeck in Berlin ausruhen kann". Nachdem rhetorisch die Hemdsärmel hochgekrempelt waren, streifte sich Kramp-Karrenbauer rhetorisch die Bundeswehruniform über, gab sich weltläufig, staatsbesorgt. Sie berichtete von ihren Besuchen in Mali und Niger, sprach über die "Drehscheibe" des internationalen Terrorismus und der Migrationsströme. Die Botschaft: Ich bin da, wo die Probleme sind und kämpfe für die Sicherheit Deutschlands.