bedeckt München 27°

Analyse des SZ.de-Wahlatlas:Schwarzes Land mit kleinen Farbtupfern

Der SZ.de-Wahlatlas fasst den überragenden Sieg der Union in ein beeindruckendes Bild. Er verrät auch, wo die meisten Eurokritiker leben, in welchen Regionen die Menschen am Wahlsonntag am ehesten zu Hause blieben und wo welche Koalition eine Mehrheit hätte.

Von Lilith Volkert

Am Tag nach der Wahl erinnert Deutschland an einen schwarzen Teppich, auf den aus Versehen ein paar Tropfen rote Farbe gekleckert sind. 236 schwarze Direktmandate für die Union zeigt der Wahlatlas von SZ.de - und nur 58 Erststimmensiege für die SPD. 2009 hätte man guten Gewissens noch von einem schwarz-rot-roten Flickenteppich sprechen können.

Sieht man genau hin, entdeckt man ein paar winzige bunte Tupfen in der Hauptstadt: Der Grüne Hans-Christian Ströbele hat in Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg - Prenzlauer Berg Ost mit 39,9 Prozent das einzige Direktmandat seiner Partei geholt - zum vierten Mal in Folge. Auch die Linkspartei verteidigt im Osten Berlins vier Sitze - die anderen zwölf in Mecklenburg-Vorpommern (1), Brandenburg (4), Sachsen-Anhalt (5) und Thüringen (2) verliert sie.

Die Kanzlerin überflügelt ihren Herausforderer auch im direkten Vergleich: Angela Merkel gewinnt ihren Wahlkreis Vorpommern-Rügen - Vorpommern-Greifswald I mit 56,2 Prozent der Erststimmen, ihrem bisher besten Ergebnis. Peer Steinbrück scheitert in Mettmann I mit 34,6 Prozent an der CDU-Konkurrentin - wie schon 2009.

Die CSU hat in zahlreichen Wahlkreisen die absolute Mehrheit eingefahren - der Wahlkreis mit den meisten Unionswählern liegt jedoch in Niedersachsen. 63,2 Prozent der Wähler gaben in Cloppenburg-Vechta der CDU ihre Zweitstimme (SZ.de hat diesen besonderen Wahlkreis im August besucht).

Der "röteste" Wahlkreis liegt in Gelsenkirchen, 44 Prozent stimmten hier für die SPD. Die FDP bekam im Norden Düsseldorfs am meisten Unterstützung. 9,2 Prozent stimmten hier für die Liberalen - immer noch fünf Prozentpunkte weniger als ihr Durchschnittsergebnis bei der Bundestagswahl 2009.

Die Alternative für Deutschland, die es knapp nicht in den Bundestag geschafft hat, hat die meisten Wähler in Görlitz (8,2 Prozent). Ergebnisse über fünf Prozent erzielte die eurokritische Partei besonders im Osten Ostdeutschlands, im Westen Baden-Württembergs - und rund um die Bankenmetropole Frankfurt. Die NPD, die bundesweit auf 1,3 Prozent kam, erreicht mit 5,1 Prozent ihr stärkstes Ergebnis im Wahlkreis Sächsische Schweiz - Osterzgebirge.

In Berlin macht sich Angela Merkel gerade mit ihrer deutlichen Unionsmehrheit, die nur knapp nicht absolut geriet, auf die Suche nach einem Koalitionspartner. Nähme man die Ergebnisse der einzelnen Wahlkreise zum Maßstab, wäre die Frage einfacher. In 39 Wahlkreisen könnte die Union alleine regieren - 2009 waren es nur vier. Tief im Westen - in Baden-Württemberg, Hessen und rund um das Ruhrgebiet sowie bei München - gibt es noch vier Dutzend Wahlkreise mit schwarz-gelber Mehrheit.

Deutlich mehr sind es aber - ebenfalls in Westdeutschland - mit schwarz-grüner Mehrheit. Rot-Grün wäre nur in drei Wahlkreisen möglich (in Aurich-Emden, Hannover II und Herne Bochum II), eine Ampel-Koalition aus SPD, FDP und Grünen in vier (in Köln II, Oldenburg-Ammerland, Hamburg-Eimsbüttel und Kiel).

Offensichtlich ist auch: Die Wahlbeteiligung ist im Osten tendenziell niedriger als im Westen. Besonders wenige Leute sind im Wahlkreis Harz (Sachsen-Anhalt, 58,9 Prozent) zur Urne gegangen. Am meisten waren es in Ludwigsburg in Baden-Württemberg (80,2 Prozent).

Am durchschnittlichsten haben die Wähler in Gießen, Hanau und Darmstadt entschieden - ihr Wahlkreisergebnis entspricht nahezu dem auf Bundesebene. 2009 konnte man den deutschen "Normalwähler" in der Südpfalz finden (SZ.de hat sich vor der Wahl dort umgesehen).

Das älteste und das jüngste Bundestagsmitglied werden in Zukunft übrigens mehr als fünfzig Jahre Altersunterschied haben. Der CDU-Politiker Heinz Riesenhuber aus dem Wahlkreis Main-Taunus ist 1935 geboren. Der jüngste Abgeordnete, der Duisburger SPD-Politiker Mahmut Özdemir, hat gerade erst seinen 26. Geburtstag gefeiert.

© SZ.de/liv/gal

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite