SZ-Kolumne "Bester Dinge":Schwäne, Entlein und der Strandkörper

Lesezeit: 1 min

SZ-Kolumne "Bester Dinge": undefined

Schönheit ist eine Frage der Perspektive. Das spanische Gleichstellungsministerium macht nun mit einer Kampagne darauf aufmerksam, dass der Strand allen gehört.

Von Martin Zips

Eines der wunderbarsten Märchen ist vielleicht das des hässlichen Entleins, welches es wegen seiner ungewöhnlichen Körperform zwar unter Enten nicht leicht hat, aber irgendwann eben feststellt, dass es ein Schwan ist. Wer Hans Christian Andersens Geschichte gelesen hat, der muss den Rest seines Lebens nicht mehr darüber nachdenken, was schön oder hässlich ist. Denn alles ist nur eine Frage der Perspektive.

So gesehen geht sie natürlich völlig in Ordnung, die aktuelle Body-Positivity-Kampagne des spanischen Gleichstellungsministeriums. Unter dem Motto "Der Sommer gehört auch uns" sind auf einem Foto fünf Strandbesucherinnen zu sehen. Ihre Körper entsprechen nicht unbedingt dem Ideal des brasilianischen Sängers Antônio Carlos Jobim ("Tall and tan and young and lovely/The girl from Ipanema goes walking"). Aber, wie gesagt: Schönheit, das ist eine Frage der Perspektive.

Die spanische Linkspartei kritisiert nun, dass die neue Kampagne ein Problem schaffe, welches gar nicht existiere. Natürlich sei jeder Körper ein Strandkörper! Da hat sie recht, die Linke.

Muss jetzt womöglich jeder Spanien-Urlauber, diese Frage stellt man sich schon, damit rechnen, von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Gleichstellungsministeriums persönlich darauf hingewiesen zu werden, dass der Strand ALLEN gehört? Den Schwänen wie den Enten? Wird man an der Costa del Sol bald ermahnt, wenn man durch die Sonnenbrille hierhin oder dorthin blickt (oder vielleicht ganz bewusst weg)?

Ja, im Jahr 2022 könnte einem auch das passieren. Und damit wäre man beim eigentlichen Thema dieser kleinen, heiteren Kolumne: Das größte Problem am Strand ist nämlich, dass man manchmal gar nicht mehr das Meeresrauschen hört - bei dem lauten Geschwätz der anderen.

Mehr gute Nachrichten lesen Sie hier.

Zur SZ-Startseite

SZ-Kolumne "Bester Dinge"
:Schleuderpreis

Der australische Künstler Matthew Griffin hat eine Gurkenscheibe aus einem Cheeseburger gezogen und an die Decke einer Galerie in Neuseeland geworfen. Für das Werk verlangt er 6150 Euro. Ist das nun ein platter Scherz oder hohe Kunst?

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB