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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Mach mal, Trottel!

(Foto: small robot company)

In Großbritannien ist ein Roboter auf den Markt gekommen, der Unkraut jäten kann. Sogar einen ordentlichen Namen trägt er - was nicht jeder von sich behaupten kann.

Von Veronika Wulf

Ein Menschheitstraum ist geboren. Zumindest ein Traum für alle, die gerne gärtnern oder ungerne gärtnern, aber einen Garten besitzen. Sein Name ist Tom, er ist Brite und auf drei Bauernhöfen in Großbritannien bereits im Einsatz, wie CNN berichtet. Tom ist, wie seine Brüder Dick und Harry, die noch in der Entwicklungsphase stecken, ein "Autonomous weed killer", ein Roboter also, der Unkraut entfernt.

Spül- und Waschmaschinen ist der westliche Wohlstandsmensch ja längst gewohnt. Aber ein Unkrautroboter weckt Sehnsüchte nach mehr: Wie wäre es mit einem "Autonomous Müllrausbringer" oder einem "Autonomous Kindererzieher"? Die dürfen dann auch Ralf oder Ulli heißen, mit Namen versucht der Mensch seinen Maschinen ja gerne etwas Leben einzuhauchen. "Alexa" lässt sich schließlich auch besser rufen als "Seriennummer 3490823", was höchstens für Elon Musk nach Menschenskind klingt. Einer überhaupt nicht repräsentativen Umfrage eines österreichischen Roboterladens zufolge nennen viele Besitzer ihre Maschinchen schlicht Robi oder - der Funktion nach - Saugi oder Wischi. Auch beliebt seien Namen englischer Butler wie Alfred oder James.

Klingt nett und menschlich. Aber menschlich ist der Mensch nicht immer. Ein Team der Universitäten München und London hat mit Online-Experimenten festgestellt, dass Menschen von künstlicher Intelligenz zwar Rücksicht erwarten, aber "Maschinen ausnutzen und dabei keine Schuldgefühle entwickeln". Was sich wiederum mit der hochwissenschaftlichen Untersuchung des österreichischen Roboterhändlers deckt. Der zufolge nennt ein Befragter seinen kleinen Helfer schlicht: "Der Trottel."

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© SZ/moge
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