Berliner Zoo:Pit und Paule ziehen aus

Berliner Zoo: Pit und Paule an ihrem vierten Geburtstag Ende August. Umgerechnet in Menschenjahre sind die beiden Pandas gerade in der Pubertät. Ihre Tischmanieren sind denen menschlicher Teenager nicht ganz unähnlich.

Pit und Paule an ihrem vierten Geburtstag Ende August. Umgerechnet in Menschenjahre sind die beiden Pandas gerade in der Pubertät. Ihre Tischmanieren sind denen menschlicher Teenager nicht ganz unähnlich.

(Foto: Bernd von Jutrczenka/picture alliance/dpa)

Die vier Jahre alten Panda-Zwillinge sind zwar gebürtige Berliner, haben aber trotzdem nicht die deutsche Staatsbärgerschaft. Nun heißt es Abschied nehmen: Noch vor Weihnachten werden sie nach China ausgeflogen.

Von Verena Mayer, Berlin

Pit und Paule sind zwar erst vier Jahre alt, aber sie waren bereits so oft in den Medien wie manche Promis in ihrem ganzen Leben nicht. Man weiß wirklich alles über die Zwillingsjungen. Wie sie gezeugt wurden, dass sie Frühgeburten waren, immer mal wieder die Flasche bekamen. Dass sie gerne spielen, oft aber einfach nur faul herumliegen und schlafen. Das liegt nicht nur daran, dass Pit und Paule die ersten Pandabären sind, die jemals in Deutschland geboren wurden, 2019 im Berliner Zoo nämlich. Sondern auch daran, dass sie chinesisches Staatseigentum sind. Ihre Eltern waren eine Leihgabe Chinas an Deutschland.

Gerade machen die Bärenbrüder wieder Schlagzeilen. Demnächst müssen Pit und Paule nämlich von zu Hause ausziehen. Wie der Berliner Zoo mitteilte, werden sie Mitte Dezember nach China geschickt. Dies sei von Anfang an so vereinbart gewesen, heißt es aus dem Berliner Zoo. Rein technisch sind die Panda-Eltern nämlich nur eine Leihgabe der Chinesen an die Berliner, die auch nicht ganz günstig ist, 900 000 Euro im Jahr lässt sich der Zoo seine Publikumslieblinge kosten. Und sobald sie Nachwuchs bekommen, muss dieser nach zwei bis vier Jahren nach China gebracht werden.

Die Berliner Pandas sind nicht nur seltene, sondern vor allem hohe Tiere. China züchtet die Pandas und verschickt sie seit Jahrzehnten gerne an Länder, mit denen es gute Beziehungen haben möchte, als Botschafter mit Fell gewissermaßen. Von Panda-Diplomatie ist die Rede, dementsprechend hoch gehängt wird alles, was mit den Tieren zu tun hat. Schon die Ankunft des Pandabären-Elternpaares Jiao Qing und Meng Meng, übersetzt "Schätzchen" und "Träumchen", glich einem Staatsakt. Als die Transportboxen mit den Tieren 2017 in Berlin aus dem Flugzeug gehievt wurden, gab es einen Empfang für sie, bei der Eröffnung des Pandabären-Geheges im Berliner Zoo waren dann Angela Merkel und der chinesische Präsident Xi Jinping anwesend.

Im Berliner Zoo wurde für zehn Millionen ein eigenes Pandahaus gebaut, chinesische und deutsche Experten tauschen sich seither über Aufzucht und Unterbringung der Tiere aus. Die Öffentlichkeit wurde stets über jeden Schritt informiert.

Sex-Report aus dem Pandagehege

Einen ersten Höhepunkt erreichte die Berliner Pandamania, als es um das Sexleben von Schätzchen und Träumchen ging. Pandas paaren sich nämlich nur einmal im Jahr, umso aufgeregter war der Berliner Zoo, als er im Frühjahr 2019 verkünden konnte, dass Träumchen "empfangsbereit" sei. Bei einem Pressetermin, der überlaufener war als die meisten Politikerauftritte in der Bundespressekonferenz, bekam man dann alle Details zu hören. Über Träumchens Hormone und Schätzchens Desinteresse daran, seiner Gefährtin "auf natürliche Art zu begegnen", wie es Zoodirektor Andreas Knieriem ausdrückte. Weswegen Träumchen dann in Narkose gelegt, künstlich besamt wurde und im August 2019 Zwillinge bekam, die Frucht der diplomatischen Beziehungen gewissermaßen.

Die Babys riefen Entzücken hervor, bis hinauf zum damaligen Regierenden Bürgermeister Michael Müller ("Ich freu mich wahnsinnig!"). Und sie lösten auch eine Debatte aus. Um die Demokratiebewegung in Hongkong zu würdigen, hatte der Berliner Tagesspiegel den Vorschlag gemacht, die Jungen doch "Hong" und "Kong" zu nennen. Dies empörte die Gemüter in China, die Pandajungen wurden dann Meng Xiang und Meng Yuan beziehungsweise "Ersehnter Traum" und "Erfüllter Traum" getauft. Weil das für die Berliner Zoomitarbeiter aber zu kompliziert war, nannte man sie kurzerhand Pit und Paule.

Ein paar Wochen haben die Berliner noch, um sich im Berliner Zoo ein Bild der Pandapubertät zu machen. Danach ziehen die beiden ins chinesische Chengdu um, in dieselbe Panda-Aufzuchtstation, aus der auch ihre Eltern stammen. Sang- und klanglos wird auch das nicht über die Bühne gehen. Der Berliner Zoo plant zum Abschied ein "Panda-Wochenende".

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