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Berlin:Panda-Zwillinge im Dienst der Diplomatie

In Berlin gibt es erstmals Pandababys - und das ganze Land ist entzückt. Vor allem hat es damit zu tun, dass die Tiere gewissermaßen die Frucht politischer Beziehungen sind.

Wenn man sich ansieht, wie der Berliner Zoo die Öffentlichkeit über sein Pandabären-Paar informierte, könnte man denken, man habe es mit einer Königsfamilie zu tun. Genauer gesagt: mit einer Königsfamilie aus einer Zeit, als der Vollzug der Hochzeitsnacht ein Staatsakt war, über den nicht wenige Leute in Kenntnis gesetzt werden mussten. So wurde im April die Presse in den Zoo geladen, um zu erfahren, dass Pandabärin Meng Meng "empfängnisbereit" sei. Es folgte die Information, dass sich Meng Meng und ihr Partner Jiao Qing "auf natürliche Weise begegnet" seien, sowie Ultraschall-Bilder von Meng Mengs Bauch. Am Montag die Nachricht, auf die alle gewartet hatten: "Meng Meng ist Mama - und das gleich doppelt! Wir sind so glücklich, uns fehlen die Worte!", twitterte der Berliner Zoo.

Das liegt daran, dass die beiden Pandababys die ersten ihrer Art sind, die jemals in Deutschland geboren wurden. Vor allem aber hat es damit zu tun, dass sie gewissermaßen die Frucht politischer Beziehungen sind. Denn Meng Meng und Jiao Qing, zu Deutsch Träumchen und Schätzchen, sind eine Leihgabe aus China, das die wertvollen und seltenen Tiere an Länder vergibt, mit denen es eine strategische Partnerschaft eingehen möchte. Für diese Art der Politik gibt es einen eigenen Begriff: "Panda-Diplomatie".

Schon die Ankunft der beiden Transportboxen 2017 auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld glich einem Staatsakt, bei der Willkommensfeier im Berliner Zoo waren Bundeskanzlerin Angela Merkel und der chinesische Präsident Xi Jinping anwesend. Merkel selbst hatte den Panda-Deal 2015 bei einem Besuch in China angestoßen. Und wie es bei Beziehungen, die von der Staatspolitik arrangiert werden, immer schon üblich war, steht auch beim Pandapaar fest, was mit dem Nachwuchs passiert: Die Pandababys gehören China und werden voraussichtlich nach vier Jahren dorthin zurückgehen.

Berlin kann sich wieder als die Panda-Hauptstadt fühlen, die es immer schon war. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg konnte man für zwei Monate einen Panda sehen, der mit einem Tierhändler auf der Durchreise in die USA war. Ähnlich kurz war der Aufenthalt von Chi Chi in den Fünfzigerjahren: Die Bärin war auf dem Weg von Peking in die USA, strandete aber wegen eines Handelsembargos, das die USA gegen chinesische Waren verhängt hatten, in Ost-Berlin und zog 400 000 Besucher an. 1980 erreichte Bao Bao Berlin, ursprünglich als Staatsgeschenk für Kanzler Helmut Schmidt. Der Panda, dessen Name ebenfalls "Schätzchen" bedeutet, war, wie seine Partnerin, ein Wildfang, mit der Paarung klappte es in Gefangenschaft nicht. Dafür wurde Bao Bao 34 Jahre alt, seine Überreste stehen heute im Naturkundemuseum.

Dementsprechend froh ist die Berliner Politik, jetzt wieder lebende Pandas zu haben: Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) gratulierte am Montag auf Twitter, zwischen den Querelen um den Berliner Mietendeckel und den Ergebnissen der SPD bei den Landtagswahlen am Sonntag ist das schließlich eine gute Nachricht aus Berlin. Dass man mit süßem Nachwuchs am besten von der unangenehmen Tagespolitik ablenken kann - das weiß man ja aus der Geschichte von Königsfamilien.

© SZ vom 03.09.2019
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