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Ölplattform versunken:Inferno im Golf von Mexiko

Bei der Explosion einer Ölplattform vor der US-Küste sterben elf Menschen - der Umwelt-GAU bleibt wohl aus.

Es scheint gerade nochmal gut gegangen zu sein. Wenn davon die Rede sein kann bei vermutlich elf verbrannten Arbeitern und 17 zum Teil schwer Verletzten, einer gesunkenen Ölbohrplattform und einem Ölteppich von etwa 15 Quadratkilometern Fläche im Golf von Mexiko. Aber die ganz große Katastrophe - die ökologische wie die politische - dürfte ausbleiben, wenn sich die Einschätzung der US-Küstenwache bewahrheitet.

Ölbohrinsel, Golf von Mexiko; dpa

Zuerst war die US-Bohrinsel im Golf von Mexiko nach einer Explosion in Brand geraten. Jetzt versank die

Deepwater Horizon

im Meer.

(Foto: Foto: dpa)

"Es kommt nichts aus dem Bohrloch heraus'', stellte die Chefin im Golf von Mexiko, Konteradmiralin Mary Landry, am Freitagmorgen im US-Fernsehen fest. Der Ölteppich auf der Meeresoberfläche sei vermutlich bei der Explosion der Plattform freigesetzt worden. Allerdings dürften die Bilder der in Flammen gehüllten Ölbohrinsel und der kilometerhohen, pechschwarzen Rauchsäule auch so die Debatte um die hochumstrittene Ölförderung in den amerikanischen Küstengewässern neu befeuern.

Die Ölbohrplattform mit dem symbolträchtigen Namen Deepwater Horizon - Tiefseehorizont - war am Dienstag 65 Kilometer vor der Mündung des Mississippi in Brand geraten, vermutlich nach einem sogenannten Blowout, der Explosion eines Öl- und Gasgemisches, das sich in dem Bohrloch nach einem plötzlichen Druckanstieg angestaut hatte.

Von den 126 Arbeitern auf der Plattform konnten 115 gerettet werden, vier der Verletzten sollen noch in Lebensgefahr schweben. Von elf Arbeitern fehlt jede Spur. Die mehr als hundert Meter lange Ölbohrinsel selbst stand bis Donnerstag in Flammen, ehe sie nach einer Reihe weiterer Explosionen unterging. Allerdings ist nicht sicher, ob sie ganz gesunken ist oder in tieferen Meeresschichten treibt. Unklar war auch, ob es einem ferngesteuerten U-Boot gelungen ist, eine Notsicherung zu aktivieren, die am Meeresboden installiert ist, um das Bohrloch in gut 1600 Metern Tiefe fachgerecht abzudichten.

Heikel für Obama

Die 600 Millionen Dollar teure Deepwater Horizon galt als eine der modernsten Schwimmplattformen der Welt für Tiefseebohrungen. Im vergangenen September hatte sie ein mehr als elf Kilometer tiefes Loch gebohrt. Sie wurde von der Schweizer Transocean betrieben, der größten Spezialfirma für Offshore-Ölerkundung, und war vor dem Mississippi-Delta im Auftrag des britischen Energieriesen BP tätig. Nach Angaben des Minerals Management Service, der US-Aufsichtsbehörde für Ölförderungen, war die Plattform in diesem Jahr drei Mal ohne Beanstandungen inspiziert worden.

Die BP mobilisierte bereits am Tag nach der Explosion eine 32 Schiffe umfassende Armada von Bergungsschiffen, um die drohende Ölpest einzudämmen. Seine Firma werde "alles in unserer Macht Stehende tun, um den Ölaustritt einzudämmen", versicherte Vorstandschef Tony Hayward. Vor fünf Jahren waren bei einer Explosion in einer von BP betriebenen Raffinerie in Texas City 15 Arbeiter ums Leben gekommen. Das Unternehmen hat seitdem nach eigenen Angaben mehr als eine Milliarde Dollar in die Anlage gesteckt - vor allem in Sicherheitsvorkehrungen.

Politisch brisant ist die Katastrophe im Golf nicht nur, weil die Ölplattform ausgerechnet am Earth Day gesunken ist, dem weltweit begangenen Tag der Umwelt. Explosiv wird die Angelegenheit dadurch, dass sich US-Präsident Barack Obama erst in der vergangenen Woche für eine Lockerung der Beschränkungen für die Ölförderung in den Küstengewässern ausgesprochen hatte.

Dafür macht sich die Ölindustrie seit Jahren stark, nachdem neue Techniken die Förderung von Öl auch aus größeren Meerestiefen ermöglichen. In den Küstengewässern im Golf von Mexiko werden derzeit 1,6 Millionen Barrel gefördert, fast ein Drittel der US-Ölproduktion. Die neu zugänglichen Ölvorräte dürften den Anteil in Zukunft deutlich steigern. Die Aufsichtsbehörde Minerals Management Service hat allein auf Plattformen im Golf seit 2006 mehr als 500 Brände registriert.

Zu viel versprochen

"Auch wenn die Ölindustrie versichert, dass die Bohrungen ungefährlich sind und es keine Unfälle geben wird, wissen wir nun, dass das nicht wahr ist", erklärte der Sprecher der Umweltgruppe Get Oil Out, Abe Powell, nach dem Untergang der Deepwater Horizon. Die Organisation war 1969 nach einer ebenfalls von einer Bohrplattform ausgelösten verheerenden Ölpest in den Küstengewässern vor Santa Barbara in Kalifornien gegründet worden. Nicht zuletzt auf Grund ihrer Lobbyarbeit war die Erkundung und Förderung von Ölvorkommen vor der US-Küste in den vergangenen Jahrzehnten stark eingeschränkt worden.

Auch der Environmental Defense Fund, eine der einflussreichsten Umweltgruppen in den USA, erklärte, dass "all diejenigen in der Ölindustrie, die uns versichern, dass es keine Probleme geben wird und dass sie alles anders machen als bisher, uns zu viel versprochen haben".