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Ölpest im Golf von Mexiko:"Bonnie" legt Arbeiten am Bohrloch lahm

An der Südküste der USA zieht erneut ein schwere Unwetterfront heran: Sämtliche Schiffe wurden vorsorglich vom lecken Bohrloch im Golf abgezogen. Tropensturm "Bonnie" könnte die Aktion um Wochen verzögern.

Erst Alex, nun Bonnie: Im Golf von Mexiko, auf den Bahamas und in Florida wächst die Sorge vor dem nächsten Tropensturm. Der Einsatzleiter im Kampf gegen die Ölpest vor der Südküste der USA, Küstenwachen-Admiral Thad Allen, ordnete in der Nacht zum Freitag den Abzug der meisten Schiffe und Plattformen über dem ramponierten Bohrloch an. Die Kappe, die das Ölleck am Meeresboden nun schon seit einer Woche erfolgreich abdichtet, soll laut Allen jedoch bis auf weiteres verschlossen bleiben - auch wenn eine Beobachtung wegen des Unwetters dann nicht mehr möglich ist.

Ölkatatstrophe im Golf von Mexiko, AP

"Bonnie" over the ocean: Im Golf von Mexiko droht erneut ein schweres Unwetter die Arbeiten zur Behebung des Öllecks zu verzögern.

(Foto: AP)

Ein Tiefdruckgebiet über der Karibik war am Donnerstag vom Nationalen Hurrikan-Zentrum in Miami offiziell zum Tropensturm heraufgestuft worden. Für die Bahamas und Teile Floridas gibt es Sturmwarnungen. Die Unwetterfront zieht nach Nordwesten. Die Ankunft des Sturms in der Gegend des beschädigten Bohrlochs erwartet der Admiral am frühen Samstagmorgen (Ortszeit).

Erhebliche Beeinträchtigung der Arbeiten

Allen hatte zuvor erklärt, dass der Sturm den Kampf gegen die Ölpest bis zu 14 Tage zurückwerfen könne. Auch wenn er sich nicht zu einem Hurrikan auswachse, könne er "erhebliche Folgen" haben. Neben den Schiffen zum Auffangen des Öls werde auch die Plattform, von der aus der BP-Konzern die wichtige Entlastungsbohrung vornimmt, abgezogen, erklärte der Einsatzleiter. Mit ihr soll die Quelle im August endgültig versiegelt werden. Als letzte sollten die Unterwasser-Roboter zur Überwachung der seit Donnerstag provisorisch gestopften Ölquelle abgezogen werden. Sobald der Sturm vorüber sei, werde man sofort wieder mit dem Abschöpfen des Öls von der Meeresoberfläche beginnen.

Erst Ende Juni hatte der Sturm Alex die Öl-Helfer gezwungen, ihre Arbeit zu unterbrechen. Das Unwetter zog dann aber über die mexikanische Halbinsel Yucatán und weiter nach Westen, wo er die Bundesstaaten Tamaulipas und Nuevo León unter Wasser setzte.

Die Behörden gaben unterdessen ein Drittel des bislang für die Fischerei gesperrten Gebietes im Golf von Mexiko wieder frei. Untersuchungen und Überflüge hätten über die vergangenen 30 Tage keine Hinweise auf Öl ergeben, teilte die Einsatzleitung mit.

Moratorium für Bohrungen in der Nordsee

Vor dem Hintergrund der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat sich Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) indes für einen vorübergehenden Stopp neuer Bohrungen in der Nordsee ausgesprochen. Von Deutschland sollte eine Initiative für ein Moratorium ausgehen, sagte Röttgen am Donnerstag in der ZDF-Sendung Maybrit Illner. Die Ölkatastrophe am Golf von Mexiko sei Anlass genug zu überprüfen, welche Risiken bei Bohrungen künftig gemieden werden sollten. "Wir gehen Risiken ein, aber wir dürfen nicht jedes Risiko eingehen", sagte der Minister.

Röttgen zweifelte allerdings daran, dass die anderen Nordsee-Anrainer ein Moratorium mittragen würden. Es werde schwer werden, das durchzusetzen, sagte er. Vor zwei Wochen hatte schon EU-Energiekommissar Günther Oettinger ein Moratorium als Konsequenz aus der Katastrophe im Golf von Mexiko gefordert. Unter anderem Großbritannien hatte dies aber abgelehnt. Für die Genehmigung der Bohrungen sind die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten zuständig.

© dpa/AFP/jobr/liv
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