bedeckt München 13°

Kirche - Tutzing:EKD-Chef: Flagge zeigen gegen Rassismus und Antisemitismus

Bayern
Heinrich Bedford-Strohm. Foto: Georg Wendt/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

Tutzing (dpa) - Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat die Menschen zu Zivilcourage gegen Rassismus und Antisemitismus aufgerufen. In entsprechenden Situationen des Alltags gelte es, "sich nicht zu verstecken, sondern klar Flagge zu zeigen", sagte der bayerische Landesbischof am Donnerstagabend beim Jahresempfang der Evangelischen Akademie Tutzing am Starnberger See.

Bedford-Strohm betonte: "Rassismus, Antisemitismus und alle anderen Formen der programmatischen Menschenfeindlichkeit heute sind Gotteslästerung." Ein für Christen immer wieder beschämendes Beispiel sei der in der Kirchengeschichte über viele Jahrhunderte gewachsene Antijudaismus. "Viel zu lang hat es gedauert, bis wir verstanden haben, dass wir genau hier selbst Teil des Problems waren und manchmal noch sind", sagte der EKD-Vorsitzende.

Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte, alle Bürger seien gefordert. Gebraucht werde "der leidenschaftliche Einsatz für Frieden, Freiheit, für Toleranz und Zusammenhalt - gegen Extremismus von rechts und von links, gegen Antisemitismus und gegen religiös motivierten Fanatismus". Er mahnte: "Wir dürfen dieser Gewaltspirale nicht tatenlos zusehen." Demagogen, Populisten und religiöse Fanatiker dürften nicht das letzte Wort haben.

Die Religionswissenschaftlerin Azza Karam forderte, Religion müsse beim Einsatz für Frieden in der Welt ein entscheidender Teil sein. Dafür sei aber sicherzustellen, dass "religiöse Überzeugungen und Praktiken mit den Grundsätzen und Gesetzen der Menschenrechte in Einklang stehen". Karam wurde 2019 in Lindau am Bodensee als erste Frau zur Generalsekretärin der Organisation Religions for Peace gewählt. Deren Ziel ist Friedensarbeit durch interreligiösen Dialog.

Scharf ins Gericht ging Karam mit schweren Verfehlungen vielfach männlich geprägter Religionen. Man könne nicht weitgehend männliche Religionsführer als Friedensstifter einsetzen, während man zugleich die Augen davor verschließe, dass einige von ihnen vielleicht Pädophile oder Homophobe seien. Das sei ein "Akt der Gewalt".

Zur SZ-Startseite