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Muppet Show:Alter weißer Frosch

Kermit

Kermit der Frosch ist eine Hauptfigur der Muppet Show und gilt als Jim Hensons bekannteste Schöpfung.

(Foto: THOMAS PETER/REUTERS)

Der Streamingdienst Disney Plus versieht einige Folgen der "Muppet Show" mit einem Warnhinweis. Warum das ein Angriff auf das Lebenswerk des Puppenspielers Jim Henson ist.

Von Martin Zips

Schon wieder ein Warnhinweis. Diesmal versieht der Streaming-Kanal Disney Plus 18 Folgen der "Muppet Show" mit einem "Achtung" fürs internationale Publikum. Man warne vor "negativen Darstellungen und/oder falscher Behandlung von Personen oder Kulturen", heißt es. "Diese Stereotypen waren damals falsch und sind es jetzt." Schon zuvor hatte man Ähnliches mit Disney-Klassikern wie "Dumbo", "Aristocats", "Dschungelbuch" oder "Peter Pan" gemacht. Nun ist der schüchterne Frosch dran, der von einem impulsiven Schwein angehimmelt wird. Oder ist es umgekehrt?

Gewarnt wird zum Beispiel vor einer Folge der Show aus dem Jahr 1980, in der Gaststar Johnny Cash in einer stickigen Scheune vor einer Flagge der Konföderierten singt, einem Symbol der Ultrarechten. Es ist zu vermuten, dass sich der Warnhinweis auf diese Szene bezieht - genauer erläutert wird das nicht. In einer anderen, ebenfalls mit einem Hinweis versehenen Folge singt der britische Komiker Peter Sellers als "Gypsy" kostümiert vor einem Wohnwagen.

Für die, die nicht mit der "Muppet Show" aufgewachsen sind: Ihre 120 Folgen wurden zwischen 1976 und 1981 gedreht und waren in mehr als 100 Ländern zu sehen. Es war die wohl weltweit erfolgreichste Fernsehshow ihrer Zeit. Seit 2004 hält die Walt Disney Company die Rechte an den Sendungen, in denen jeweils eine knappe halbe Stunde lang menschliche Gäste gemeinsam mit sehr vielen Handpuppen Ordnung in das Chaos eines Varieté-Theaters - im übertragenen Sinne: das Leben - zu bringen versuchen. Allen Widerständen zum Trotz, einem geldgierigen Theaterdirektor zum Beispiel, einem als Adler auftretenden Moralapostel, oder den aus einer Theaterloge beharrlich brüllenden Vertretern der älteren Generation (Statler und Waldorf). Der Guardian beschrieb die ursprünglich für Erwachsene gedachte Sendung einmal so: "Ironisch, aber nicht zynisch. Scharf, aber nicht grausam. Süß, aber nicht kitschig. Anarchisch, aber nicht chaotisch."

Elton John und Stevie Wonder hatten den größten Spaß ihres Lebens

Um für eine Folge in Jim Hensons Muppet-Team mit dabei zu sein, stand die Crème de la Crème des internationalen Showbiz Schlange. Elton John und Stevie Wonder nannten die Zusammenarbeit mit den Puppenspielern "den größten Spaß" ihres Lebens.

Henson, Stimme und Beweger nicht nur von Kermit, hatte in vielen Familien einen ausgezeichneten Ruf. Mit der "Sesamstraße" hatte er zuvor Pionierarbeit geleistet. Dort ging es um die spielerische Vermittlung und Vertiefung von Vorschulwissen. Die Massenverbreitung des Fernsehens in allen Bevölkerungsschichten bot da neue Möglichkeiten. Zweitens feierte die "Sesamstraße", wie auch später die "Muppet Show", die menschliche Vielfalt. Kein Widerspruch, wenn hier der russische Balletttänzer Rudolf Nurejew zusammen mit einem sehr dicken Stoffschwein tanzte oder der schwarze Jazztrompeter Dizzy Gillespie in einem indischen Palast eine Jamsession startete. Nehmt die Widersprüche an, akzeptiert sie und feiert gemeinsam das Leben, das war Hensons Botschaft. Für die, die mit seiner Sendung aufgewachsen sind, war sein früher Tod mit 53 Jahren 1990 ein Schock.

Sieht man sich einige der beanstandeten Folgen abermals an, wirkt man ratlos. Ist es in der Folge mit Steve Martin etwa die Eröffnungsszene, in der der US-Komiker einen Pfeil im Kopf stecken hat, die falsch ausgelegt werden könnte? Sind es die Ratten, die einen französischen Cancan tanzen? Oder der (blauhäutige) Mexikaner, der singendes Gemüse dirigiert?

Ob es vielleicht der Akzent des dänischen Kochs ist, dem der Warnhinweis gilt?

(Foto: imago stock&people/imago stock&people)

Noch schwerer fällt es, etwas Gefährliches in der Folge mit der englischen Jazzsängerin Cleo Laine zu erkennen. Laines Nummer "It don't mean a thing" sowie ihr Auftritt mit dem wunderbar poetischen Puppenspieler Bruce Schwartz gehören zum Besten, was die Show je zu bieten hatte. Ist es möglicherweise die Szene, in der Fozzie-Bär mit Perücke auf dem Kopf in einer neuen Episode von "Schweine im Weltall" einen auf Miss Piggy macht? Ist das sexistisch? Stört der Akzent des dänischen (im englischen Original: schwedischen) Kochs?

Vielleicht sollen die Warnhinweise ja nur eine Absicherung sein, falls es zu Diskriminierungsklagen kommt. Einem wird man damit nicht gerecht: dem Mann, dem es in seiner unendlichen Spielfreude stets um ein gerechtes, friedliches und fröhliches Zusammenleben ging - Jim Henson. Fast möchte man sagen: Gut, dass er das nicht mehr erleben muss.

© SZ/nas
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